Mieter in Offenbacher Wohnanlage beklagen unwürdige Zustände


Stand: 01.08.2026, 06:00 Uhr

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Sperrmüll Carl-von-Ossietzky-Weg Offenbach

Alte Reifen, Farbeimer, Unrat: Müll aller Art sammelt sich an der Wohnanlage im Carl-von-Ossietzky-Weg. © Frank Sommer

Im Carl-von-Ossietzky-Weg beklagen Mieter Schimmel, Ratten und Müllberge. Der Eigentümer hat eine siebenstellige Summe für die Sanierung bereitgestellt.

Offenbach – Der Anblick bereits aus der Ferne ist kein angenehmer: Müllbeutel, alte Reifen, Farbeimer, defekte Elektrogeräte und anderer Unrat stehen auf der Wiese vor den drei Häusern im Carl-von-Ossietzky-Weg 2 bis 6. Direkt vor dem Hauseingang von Nummer 2 wird es unappetitlich, eine tote Ratte liegt dort. Wohl nicht die einzige in dem Wohnkomplex: Mieter zeigen Videos von Ratten, die im Treppenhaus von Hausnummer 6 herumlaufen. Eine Mieterin, die namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet, dass über den Balkon schon einmal eine Ratte in ihre Wohnung eindrang, dann aber an der Balkontüre steckenblieb und dort verendete.

Gesundheitsgefährdend: Schwerer Schimmelbefall im Badezimmer einer Familie nach einem Wasserschaden in der Wohnung darüber.

Gesundheitsgefährdend: Schwerer Schimmelbefall im Badezimmer einer Familie nach einem Wasserschaden in der Wohnung darüber. © Frank Sommer

Mieter der drei Häuser im Lauterborn haben sich an unsere Redaktion gewandt, da sie die Wohnsituation inzwischen als unerträglich empfinden. Die Liste der Mängel ist lang: Es gibt Wasserschäden in allen drei Häusern, der Putz an der Fassade bröckelt ab, überall liegt Müll herum, Briefkästen und Klingeln sind zerstört und verschmutzt. Notausgänge sind durch Pflanzen zugewuchert, es gibt Risse an den Wänden, teils hat sich der Boden abgesenkt, der Aufzug in Hausnummer 6 ist seit Wochen defekt. „Im oberen Stockwerk wohnen ältere Menschen, die nicht mehr gut gehen können, die kommen nicht mehr aus der Wohnung“, berichtet eine ältere Mieterin, die ebenfalls namentlich nicht genannt werden möchte.

Eine weitere Mieterin aus Nummer 2 zeigt ihre Wohnung: Durch einen Wasserschaden in der Wohnung über ihr hat sich im Badezimmer und in der Küche Schimmel gebildet. „Zum Glück nicht in den Kinderzimmern“, sagt sie, dennoch sei jeder Gang ins Bad mit Ekel und der Sorge vor Gesundheitsgefahr verbunden.

„Es wird nichts getan“, sagt sie, „es heißt nur, man kümmere sich, aber es geschieht nichts.“ Da ihre Wohnung über die Main-Arbeit gezahlt werde, habe sie ihre Situation auch dort geschildert – ebenfalls ohne eine Reaktion, wie sie sagt.

Probleme habe es schon über Jahre gegeben, sagen mehrere Mieter übereinstimmend. Doch in den vergangenen Monaten hätte sich die Situation deutlich verschlimmert.

Eigentümer Ireneus Wenzel, der zu Jahresbeginn die Eigentümergesellschaft Maheba, welche 2025 die drei Gebäude von einem privaten Eigentümer erwarb, übernommen hat, bestreitet die Probleme nicht. „Mit einmal Fegen ist es dort nicht getan“, sagt er, die Instandsetzung müsse genau geplant werden. Und das, so betont er, geschehe gerade.

„Ich habe schon eine siebenstellige Summe bereitgestellt“, sagt er. Im August werde ein Fachmann für energetische Sanierung die Gebäude untersuchen. „Es muss eins nach dem anderen angegangen werden“, sagt Wenzel. „Die Probleme sind ja nicht über Nacht entstanden, es wird auch dauern, bis wir alles nacheinander abgearbeitet haben.“

Zerstörte Briefkästen an den Häusern im Carl-von-Ossietzky-Weg im Lauterborn Offenbach

Verwahrlosung: Zerstörte Briefkästen an den Häusern im Lauterborn. © Frank Sommer

Für den defekten Aufzug sei bereits eine Firma beauftragt, allerdings würde es Zeit benötigen, die entsprechenden Ersatzteile zu erhalten. „Das kann leider dauern, da kann ich aber nichts tun, als um Geduld bitten“, sagt er. Die von ihm beauftragte, in Frankfurt ansässige Hausverwaltung sei über alle Vorgänge informiert. Auch wegen des Schimmelbefalls sei eine Fachfirma beauftragt worden. Allerdings seien nicht alle Mieter kooperativ, einige würden die Handwerker nicht in die Wohnung lassen. „Ansonsten werden die Wohnungen einzeln abgearbeitet“, sagt Wenzel. Durch undichte Silikonfugen sei es in den Häusern zu Wasserschäden gekommen.

Von Rattenbefall will die Hausverwaltung nichts wissen, doch seien Schädlingsbekämpfer im Einsatz. Dies bestätigt auch die Stadt: Nach einer entsprechenden Meldung Ende Juni hätten städtische Mitarbeiter wegen Rattenbefall das Gelände inspiziert. Zwar sei ihnen keine Ratte begegnet, doch gebe es dort Köderboxen.

Die Stadt betont, dass das Ordnungsamt allen Beschwerden nachgehe: „Nach Eingang einer Meldung prüfen Mitarbeiter vor Ort, ob tatsächlich ein Befall vorliegt. Wird ein Befall auf Privatgelände festgestellt, wird der Eigentümer schriftlich aufgefordert, eine Schädlingsbekämpfung einzuleiten. Bei einem Befall im öffentlichen Raum übernimmt der städtische Eigenbetrieb ESO die Bekämpfungsmaßnahmen“, schreibt die Stadt. 2025 seien 58 Beschwerden für das Stadtgebiet gemeldet worden, in 20 Fällen konnte kein Befall festgestellt werden. In 22 Fällen war der ESO für die Schädlingsbekämpfung zuständig und tätig. In 13 Fällen wurden Privateigentümer angeschrieben und haben selbst eine Bekämpfung veranlasst. Bei drei Objekten haben ESO und Eigentümer gemeinsam gehandelt.

Was den Schimmelbefall betrifft, betont die Stadt, dass die Main-Arbeit Miete und Heizkosten übernehme, jedoch keinen Einfluss auf den Zustand der Wohnung nehmen könne. Wenn nicht das Verhalten der Mieter für den Schimmel ursächlich ist, ist der Vermieter in der Pflicht, diese Mängel zu beheben. „Betroffene Mieter haben das Recht, ihren Vermieter zur Beseitigung der Schäden aufzufordern. Die Bauaufsicht empfiehlt, dabei die Unterstützung eines Fachanwalts für Mietrecht in Anspruch zu nehmen“, schreibt die Stadt. Im Falle der Mieter vom Haus 2 betont Eigentümer Wenzel, dass die Schäden behoben würden.

„Die Situation an den Müllplätzen stellt uns regelmäßig vor Herausforderungen. Trotz laufender Reinigung und wiederholter Entsorgungsmaßnahmen werden dort kurzfristig erneut Sperrmüll und andere Gegenstände abgestellt. Erst vor Kurzem wurden mehr als 60 Einkaufswagen entfernt und an die jeweiligen Supermärkte zurückgebracht. Bereits kurze Zeit später befanden sich erneut Einkaufswagen auf dem Grundstück“, schreibt die Hausverwaltung auf Nachfrage. Mieter bestätigen, dass Sperrmüll teils mit Autos mit Kennzeichen anderer Städte hierher gefahren werde. Wenzel ruft dazu auf, ihm entsprechende Kennzeichen zu melden, damit er Anzeige erstatten könne.

Die Mieter hoffen, dass sich durch ihren Hilferuf die Situation bald bessert. Eigentümer Wenzel verspricht Abhilfe, aber: „Es ist eine Sisyphosarbeit, das wird leider etwas dauern.“