Musiktipps, Opernpremiere und TV-Doku: Kulturtipps der NZZ am Sonntag


Musik für die Prärie im Kopf, Oper im Industriegebiet und ein Zweiter Weltkriegs-Revival: Die Kulturtipps der NZZ am Sonntag

Ikonen im Kunsthaus, flackernde Rock-Melodien und eine Rückkehr zu einer preisgekrönten Steven Spielberg-Serie

Frank Heer, Jens Ulrich Eckhard, Martin Helg, Manfred Papst, Gerhard Mack20.09.2026, 05.30 Uhr

4 Leseminuten


Theater:

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Die «Dreigroschenoper» mit Mackie Messer (Thomas Wodianka) und Polly Peachum (Zeynep Bozbay)

Die «Dreigroschenoper» mit Mackie Messer (Thomas Wodianka) und Polly Peachum (Zeynep Bozbay)

Im Schauspielhaus Zürich inszeniert Pınar Karabulut Brechts «Dreigroschenoper». Unsere Theaterkritikerin Anna Kardos war vor Ort. Ihre Rezension lesen Sie hier.

Ausstellung: Bezahlt für eure Darlings!

Sophie Taeuber-Arp, «Douze Espaces à plans», Kunsthaus Zürich

Sophie Taeuber-Arp, «Douze Espaces à plans», Kunsthaus Zürich

PD

Clever muss man sein! Rechtzeitig vor der Abstimmung über eine bitter benötigte Erhöhung der Subventionen zeigt das Kunsthaus Zürich beliebte Werke aus seiner Sammlung. Mit der Qualität der eigenen Bestände argumentiert seine Direktorin Ann Demeester stets, wenn sie die Dringlichkeit der Subventionserhöhung begründet.

Nicht die heiss diskutierten Werke von Emil Bührle und die anderen Dauerleihgaben von Werner und Gabrielle Merzbacher und Hubert Looser stehen im Zentrum, sondern das, was das Haus sein Eigen nennt oder doch schon sehr lange und auf noch sehr lange als Dauerleihgabe in seiner Verfügbarkeit weiss. Dabei ist man sich des Umfangs dieser Schätze so sicher, dass man zur selben Zeit 85 Top-Werke für eine Ausstellung im koreanischen Nationalmuseum in Seoul ausleiht. Sie stehen in Zürich also nicht zur Verfügung.

Aber was ist dann zu sehen? Den Anfang macht die «Gotthardpost» von Rudolf Koller, eine echte Ikone. Dann wird es sehr heterogen. Neue Dialoge sind erwünscht, die bekannten Werke sollen revitalisiert werden. Dabei zeigt sich, dass die Präsentation dort am stimmigsten ist, wo Verwandtes leicht zusammenfindet. Am schönsten im Raum mit Monets «Seerosenpanorama" und Hodlers Seelandschaften. Unglücklich da, wo eine Ratten-Skulptur von Jean Tinguely den Blick auf Franz Gertsch, Robert Rauschenberg und Sonja Sekula versperrt. Das Experiment ist gleichwohl zu loben. Dafür braucht es Freiräume. Und die verdienen die Unterstützung der Stimmbürger.

✩ Ikonen. Kunsthaus Zürich, bis 10. Januar 2027

Pop: Musik für die Prärie im Kopf

Im Glutkern des Sounds: die Band «Wild Pink»

Im Glutkern des Sounds: die Band «Wild Pink»

PD

«There’s a light that no one else can touch», singt John Ross mit seiner flackernden Stimme, die sich sofort an eine hübsche Melodie heftet und einen mitten in den Song zieht. Wild Pink aus New York stehen in der Tradition amerikanischer Gitarrenbands wie The Lemonheads, The War on Drugs oder R.E.M., bei denen das Melodische selbst dann den strahlenden Kern ihres Sounds bildet, wenn Lautstärke und Verzerrer ganze Arbeit leisten. Ihr neues Album ist bei einem Label mit dem passenden Namen Fire Talk Records erschienen. Wenn sich dann noch die Pedal-Guitar in den Soundteppich aus Indie-Rock und Americana webt, überspannt der New Yorker Himmel blutrot die Prärie im Kopf. Frank Heer

✩ Wild Pink: «Still Coming Down». Fire Talk Records.

Dokumentation: Die Rückkehr der Waffenbrüder

Trailer zu «Band of Brothers:Legacy»

Zwei Tage, nachdem im September 2001 die erste Folge der von Steven Spielberg und Tom Hanks produzierten Kriegs-Miniserie «Band of Brothers» im US-Fernsehen anlief, stürzten die Türme des World Trade Centers ein. In der allgemeinen Rezeption ging sie in den Wirren von «9/11» etwas unter – trotz mehrerer Emmys und einem Golden Globe. Zum 25-Jahr-Jubiläum gewährt die Dokumentation «Band of Brothers: Legacy» nun spannende Einblicke hinter die Kulissen, etwa Szenen von der militärischen Grundausbildung, welche die Schauspieler vor Drehbeginn durchlaufen mussten. Mal mehr, mal weniger ergiebige Interviews mit dem Cast der Serie mischen sich mit Archiv-Material, in dem Veteranen der real existierenden «Easy Company» zu Wort kommen. Obwohl Stimmen der Produzenten schmerzlich fehlen, zeigt die Doku das Mass an Akribie und den Anspruch an Realismus, mit dem Hanks und Spielberg die Serie damals drehten. «Band of Brothers» erzählte damals über zehn Folgen hinweg die Geschichte der Fallschirmjägereinheit «Easy Company» im Zweiten Weltkrieg.
Jens Ulrich Eckhard

✩ «Band of Brothers: Legacy». USA 2026, auf HBO Max

Oper: Oper im Industriegebiet

Kammeroper «Die App»

Kammeroper «Die App»

PD

An zeitlosen Gefühlsdilemmata hat es der Oper nie gemangelt, aber selten sind sie so hochaktuell wie in der Kammeroper «Die App». Sie handelt von einem Helden, der sich zwischen seiner Freundin und seiner App entscheiden muss – und die Wahl der Software überlässt. Fünf Solistinnen und Solisten sowie drei Live-Musiker führen durch die Abgründe dieses Konflikts: analog, aber im Zwiegespräch mit Orchesterklängen aus einer digitalen Konserve, die von den Wiener Symphonikern eingespielt wurde. Komponiert hat das Gesamtkunstwerk der Zürcher Multikünstler Tullio Zanovello, Schauplatz seiner Uraufführung ist das Gaswerk in Schlieren: Neuland für die Zürcher Kultur. Martin Helg

«Die App»: Gaswerk Schlieren, Kohlestrasse 12b, Vorstellungen am 25./26.9, 19.30 Uhr, 27.9 11:00 Uhr

Theater: Powerfrauen machen Party

Beglückt ausser Atem: «Sisters» im Rigiblick

Beglückt ausser Atem: «Sisters» im Rigiblick

T+T Fotografie / PD

Der «Rigiblick»-Abend «Respect – Tribute to the Greatest Soul Divas» ist ein Dauerbrenner. Die Hits der Königinnen Aretha Franklin, Etta James und Tina Turner, dargeboten von energiegeladenen jungen Sängerinnen und einer phantastischen Live-Band, verbunden durch lockere, mit Charme vorgetragene Zwischentexte: Das gefällt dem Publikum. Deshalb lässt Daniel Rohr, Intendant und Regisseur, dem Erfolgsstück jetzt eine gelungene Fortsetzung folgen. «Sisters!» widmet sich der nächsten Generation von Sängerinnen: Stars von Roberta Flack über Chaka Khan bis zu Whitney Houston, die den Soul in Richtung Funk, Disco und R’n’B erweiterten. Das Rezept ist weitgehend das gleiche geblieben: Fabienne Louves, Freda Goodlett, Nyssina/Tyssa und Alina Amuri singen und tanzen sich die Seele aus dem Leib, die Band lässt es krachen, die Strobos kreisen, und Romeo Meyer macht als «Hurra-da-bin-ich»-Conférencier seine Sache perfekt. Auf Songs wie «Killing Me Softly», «I Will Survive» und «I’m Every Woman» kann man sich einfach verlassen: Am Ende sind alle ausser Atem und glücklich. Manfred Papst

★★★★ Theater Rigiblick: «Sisters!» Nächste Vorstellungen ab 29.10.

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Pablo Salido Pulido bringt als Korrepetitor ein ganzes Orchester in seinen zehn Fingern unter, ist das externe Ohr der Dirigentin und Psychologe der Sänger. Seine Arbeit ist in der Oper «Gianni Schicchi» zu hören. Porträt eines Daseins fernab vom Rampenlicht.