Retro-PC restaurieren: Mainboard repariert, dann vom Kühler zerstört


Erst nach einem Kondensatortausch wieder funktionsfähig, wenige Monate später endgültig ausgefallen: PCGHX-User modx hat in seinem Forentagebuch Das große Retro-Benchen dokumentiert, wie sein Jetway-Mainboard aus dem Jahr 2002 bei der Montage eines CPU-Kühlers den Dienst quittierte. Die Platine stammte aus seinem ersten selbst zusammengestellten Gaming-PC, den er möglichst originalgetreu nachbauen wollte.

PCGH begleitet das Retro-Projekt seit dem Start zum 25. Geburtstag der PCGH. Zuletzt berichteten wir über einen Aldi-PC mit Pentium 3 und Geforce 2 MX, dessen Leistung in Gothic trotz verschiedener Maßnahmen kaum zunahm.

Diesmal betrifft der Defekt ein Mainboard, das modx bereits 2002 selbst verwendet hatte. Einen Ersatz hat er inzwischen ins Auge gefasst. Das ursprüngliche Jetway soll als Erinnerungsstück an die Wand.

Retro-PC: Mainboard nach Kondensatortausch wieder defekt

Für seinen Retro-PC 6 möchte modx den damaligen Spielerechner möglichst genau nachbauen. Dazu gehört auch der ursprüngliche Aufrüstweg mit mehreren Mainboards.

Anfangs verwendete er eine Platine von Epox, die jedoch kurz nach dem Kauf wieder aus dem Rechner flog. Anschließend besorgte er sich bei einem Händler im Nachbarort das Jetway-Mainboard.

Warum er damals von Epox auf Jetway wechselte, weiß modx nach eigener Aussage nicht mehr. Gut in Erinnerung geblieben sind ihm dagegen die Hyperion-Treiber für den VIA-Chipsatz. Neue Versionen brachten seinem System demnach regelmäßig etwas mehr Leistung.

Retro-PC mit Pentium 4 (1)
Bildquelle: PCGH-X-Forum

Für das Übertakten des Prozessors war das Jetway allerdings keine gute Wahl. Später ersetzte er es deshalb durch ein Asus P4P800-E Deluxe mit Intel-865PE-Chipsatz („Springdale“).

Genau diese Abfolge wollte modx für Retro-PC 6 wiederherstellen. Zunächst musste er dafür das alte Jetway reparieren.

Bereits beim Projektstart im Oktober 2025 funktionierte keines seiner vorhandenen Mainboards für Sockel 478 oder Sockel A mehr. Modx bestellte deshalb Ersatzkondensatoren und begann mit der Fehlersuche.

Beim Jetway brachte der sogenannte Recap, also der Austausch gealterter Elektrolytkondensatoren, den gewünschten Erfolg. Nach der Reparatur lief die Platine laut modx wieder einwandfrei. Der Aufbau des Retro-PCs konnte beginnen.

Sockel 478: Mainboard fällt bei der CPU-Kühlermontage aus

Lange hielt der Erfolg nicht an. Im Mai 2026 fiel das Jetway-Mainboard bei der Montage eines CPU-Kühlers erneut aus.

Der Kühler stammte aus New-Old-Stock-Beständen (NOS), war also unbenutzte, über Jahre eingelagerte Ware.

Nach Einschätzung von modx vertrug die rund 24 Jahre alte Platine die mechanische Belastung bei der Montage nicht mehr. Welche Stelle genau nachgab, beschreibt er allerdings nicht. Ob Leiterbahnen, Lötstellen oder andere Bauteile beschädigt wurden, bleibt damit offen.

Ausgerechnet die Kühlerbefestigung des Sockels 478 hatte modx im selben Thread zuvor besonders gelobt.

Bei dieser Plattform wird der Kühler in ein auf dem Mainboard befestigtes Haltemodul eingehängt und über einen Hebel verspannt. Dabei wirken Kräfte auf die Halterung und ihre Befestigungspunkte.

Der erfolgreiche Kondensatortausch hatte das Board zwar elektrisch wieder funktionsfähig gemacht. Den Zustand der übrigen Bauteile, Lötverbindungen und Leiterbahnen verändert ein Recap jedoch nicht.

Warum das Jetway bei der Kühler-Montage ausfiel, lässt sich aus dem Bericht nicht genauer bestimmen. Für modx war der Defekt jedenfalls das Ende der weiteren Verwendung im geplanten Nachbau.

„Killerkiste“: Geforce FX 5900 XT mit Ultra-BIOS im Holzgehäuse

Das Jetway-Mainboard hatte modx nicht nur in seinem damaligen Spielerechner eingesetzt. Es diente später auch als Grundlage für die sogenannte „Killerkiste“.

Dabei handelte es sich um einen PC in einer hölzernen Nachziehkiste mit Rädern. In die Seitenwand hatte modx mit einer Laubsäge das Nvidia-Logo geschnitten.

Retro-PC mit Pentium 4 (4)
Bildquelle: PCGH-X-Forum

Zur ungewöhnlichen Unterbringung passte die ebenfalls umgebaute Grafikkarte: eine Geforce FX 5900 XT auf Basis des NV35.

Modx spielte ein BIOS der Geforce FX 5950 Ultra auf und ersetzte den ursprünglichen Grafikkartenkühler durch einen CPU-Kühler.

Der BIOS-Flash machte aus dem NV35-Chip allerdings keinen NV38. Letzterer steckte in der echten Geforce FX 5950 Ultra, mit der Nvidia Ende 2003 gegen ATIs Radeon 9800 XT antrat. Einen Rückblick auf das damalige Spitzenmodell gibt es bei ComputerBase.

Die Unterschiede bei den Referenztaktraten waren erheblich. Die Geforce FX 5900 XT arbeitete mit 390 MHz GPU-Takt und effektiv 700 MHz Speichertakt. Bei der Geforce FX 5950 Ultra waren es 475 beziehungsweise 950 MHz.

Grafikkarte GPU-Taktfrequenz Speichertaktfrequenz
Geforce FX 5900 XT 390 MHz 700 MHz
Geforce FX 5900 Ultra 475 MHz 950 MHz
Differenz   + 35,7 %

Um das Niveau der FX 5950 Ultra zu erreichen, hätte die FX 5900 XT somit rund 22 Prozent mehr Chiptakt und knapp 36 Prozent mehr Speichertakt benötigt.

Ob modx' umgebaute Karte diese Taktraten tatsächlich dauerhaft erreichte, geht aus seinem Rückblick nicht hervor. Der montierte CPU-Kühler zeigt zumindest, dass die ursprüngliche Kühlung für das Projekt nicht ausreichte oder nicht weiterverwendet werden sollte.

Retro-PC 6.1 läuft bereits, Ersatz für das Jetway geplant

Nach dem Ausfall des Jetway musste modx die ursprüngliche Mainboard-Auswahl für seinen Retro-PC 6 überdenken.

Bereits im Mai 2026 berichtete er, dass Ersatz unterwegs sei. Das neue Modell soll möglichst viel von der Optik der ursprünglichen Platine mit einer Leistung verbinden, die an das spätere Asus P4P800-E Deluxe heranreicht.

Modx bezeichnet den Kandidaten als Exoten, verrät die genaue Modellbezeichnung aber noch nicht.

Retro-PC mit Pentium 4 (6)
Bildquelle: PCGH-X-Forum

Das Asus selbst wäre zwar eine naheliegende Lösung, kommt für den Nachbau vorerst jedoch nicht infrage. Der Grund ist ausnahmsweise kein technischer: Modx bevorzugt violette und blaue Platinen. Das braune PCB des P4P800-E Deluxe gefällt ihm nicht.

In seinem jüngsten Beitrag vom 20. Oktober 2026 schreibt er, Retro-PC 6.1 sei technisch bereits seit Längerem fertig. Bei der Optik gebe es allerdings noch etwas zu tun.

Mit Retro 6.2 ist zudem eine weitere Ausbaustufe geplant. Das passt zum ursprünglichen Vorhaben, den damaligen Aufrüstweg in mehreren Schritten nachzustellen.

Komponente Ausgangslage Spätere Ausbaustufe
Mainboard Epox, kurz darauf Jetway mit VIA-Chipsatz Asus P4P800-E Deluxe (Intel 865PE)
Prozessor Pentium 4 (Northwood) Pentium 4 mit 2,4 GHz, übertaktet auf 3,6 GHz, mit Wasserkühlung auf 4,2 GHz
Arbeitsspeicher 256 MiB mit 266 MHz 2 × 256 MiB Corsair XMS Xpert, Timings 2-2-2-5
Grafikkarte Xelo Geforce 4 Ti 4200, per BIOS-Flash auf 295 MHz Chiptakt Radeon 9800 Pro (2004)
Festplatte Maxtor mit 80 GB k. A.
CPU-Kühlung k. A. Arctic-Cooling-Luftkühler mit blauer Beleuchtung, später Thermaltake Big Water

Zwischenzeitlich nutzte modx den Retro-PC 6.1 auch als Testsystem für eine reparierte AOpen Geforce 2 Pro aus der Sammlung einer Bekannten.

Für das Jetway-Mainboard ist dagegen kein weiterer Einsatz vorgesehen. Es soll einen Platz an der Wand bekommen.

Sein Urteil über die alte Platine fällt trotz der langen gemeinsamen Geschichte wenig schmeichelhaft aus: „Das Jetway war nie ein gutes Board.“ Spaß habe er damit trotzdem reichlich gehabt.

Mitmachen und kommentieren

Wie stehen Sie zu diesem Thema? Die PCGH-Redaktion freut sich schon auf Ihre Meinung in den Kommentaren zu unserer Meldung. Sollten Sie hingegen noch keinen Extreme-Account haben, laden wir Sie zu einer Registrierung im Forum ein. Beachten Sie beim Kommentieren aber bitte die gültigen Forenregeln. Folgen Sie PCGH auch gerne bei 🔈 YouTube oder 💬 WhatsApp und erhalten Sie Neuigkeiten zu CPUs, Grafikkarten, Speicher, Gaming, KI und Netzpolitik direkt in Ihrem Feed.

Quelle: PCGH-X-Forum