Polizist fährt selbst bei Rot: Frankfurter Fahrradkontrolle erwischt alle


Stand: 21.10.2026, 20:00 Uhr

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Am Eschenheimer Tor halten sich etliche Fahrrad- und E-Scooter-Lenker nicht an Regeln. Entsprechend viele Verkehrssünder wurden bei einer Kontrolle erwischt

Am Eschenheimer Tor halten sich etliche Fahrrad- und E-Scooter-Lenker nicht an Regeln. Entsprechend viele Verkehrssünder wurden bei einer Kontrolle erwischt. © Sabine Schramek

Am Eschenheimer Tor filmen Zivilbeamte Fahrrad- und E-Scooter-Fahrer im Minutentakt. Dabei erwischt es auch die, die es besser wissen müssten.

Frankfurt – Im Berufsverkehr geht es drunter und drüber. Während die meisten Autos an roten Ampeln stehen bleiben, ignorieren etliche Rad-, und E-Scooter-Fahrer Verkehrsregeln. Sie fahren auf Gehwegen, gegen die Fahrtrichtung und vor allem bei Rot. Ampeln sind für sie am Eschernheimer Tor offenbar pure Dekoration – nichts, was zum Stoppen veranlassen könnte.

Fast im Minutentakt

Die Zivilbeamten im Fahrzeug haben beim Filmen keine Pause. Fast im Minutentakt geben sie Personenbeschreibungen an die Kollegen der Kontrollstelle durch. „Mann mit beigem Mantel und schwarzem Helm auf einem Rennrad“, „Frau in schwarzer Jacke und Bluejeans auf einem E-Scooter“, „orangenes Mini-Rad mit einem Mann, der eine blaue Jacke und eine schwarze Mütze trägt“, knarrt es durch das Funkgerät. Sie und viele andere werden zwischen Stiftstraße und Oeder Weg durch Handzeichen gestoppt. „Kontrolle. Halten Sie bitte an“, heißt es immer wieder. „Sie sind bei Rot über die Ampel gefahren. Das ist eine Ordnungswidrigkeit und es gibt ein Bußgeld plus einen Punkt in Flensburg.“

Erfreut ist niemand von denen, die erwischt wurden. „Wir machen heute Kontrollen zum Schutz schwächerer Verkehrsteilnehmer“, sagt Einsatzleiter Rafael Lasonczyk. „Die Gefährdung von Fußgängern ist teilweise enorm. Darum kontrollieren wir oft Fahrräder und E-Scooter-Fahrer.“

Wer innerhalb einer Sekunde eine rote Ampel überquert, zahlt 60 Euro, nach der Sekunde sind es 100 Euro. Dazu kommt ein Punkt im Fahreignungsregister. Im schlimmsten Fall ist der Führerschein weg. Manche Verkehrssünder leugnen vehement, bei Rot gefahren zu sein. Die Antwort ist immer dieselbe. „Sie wurde videografiert.“ Wer es nicht glaubt, kann es – nach Aufnahme der Personalien – selbst überprüfen bei den Zivilbeamten. Spätestens dann sind manche kleinlaut. „Dann bin ich wohl doch bei Rot gefahren“, sagt einer und zuckt mit den Schultern.

Einer droht allerdings mit dem Anwalt und behauptet steif und fest, dass die Polizisten lügen würden. Er sei niemals über eine rote Ampel gefahren. Er habe es eilig und müsse zur Arbeit. Doch er ist nachweislich später als eine Sekunde nach dem Umschalten auf Rot gefahren. „Sie bekommen Post“, sagen die Beamten ungerührt.

Erst als sie mindestens ein Dutzend Mal auf den Videobeweis hingewiesen haben, wird der Mann leiser. „Vielleicht bin ich ja doch über die Ampel gefahren“, meint er mit zusammengebissenen Zähnen.

Ein anderer bekommt einen roten Kopf, als er herausgewunken wird. Der junge Mann ist selbst Polizist und auf dem Weg zum Dienst. Er diskutiert nicht. Eilig habe er es. „Was kostet mich das?“, fragt er. 60 Euro und einen Punkt. Das gefällt dem Ordnungshüter nicht. „Aber Vorschriften gelten auch für Polizeibeamte. Wenn wir sie brechen, müssen wir zahlen.“

Niemand darf vor Ort bezahlen

Frauen reden sich eher damit heraus, dass sie in Gedanken gewesen seien. Nicht, um kein Bußgeld zu bezahlen, sondern eher erstaunt darüber, dass sie erwischt wurden. „Dass es so viele sind, die bei Rot über die Ampel fahren, ist schon außergewöhnlich“, sagt Einsatzleiter Lasonczyk. Auch Handys am Lenkrad sind häufig zu beobachten. Das kostet 55 Euro. Vor Ort darf keiner bezahlen.

„Wir erleben es immer wieder, dass Leute laut werden und unfreundlich“, sagt einer der Beamten. Zahlen müssten die Verkehrssünder trotzdem. Denn: „Es passieren viele Unfälle mit Rädern und E-Scootern. Dabei müsste es keine Verletzten geben, wenn sich jeder an das hält, was die Wege für alle sicher macht.“