„Muster ist immer gleich“: Verbraucherzentrale warnt vor Fake-Shops – diese locken mit dubiosen Rabatten
„Nach 37 wunderbaren Jahren“: Wie Fake-Shops mit falscher Nähe abzocken – und wie Sie sich schützen können
Stand: 29.08.2026, 18:38 Uhr
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Vermeintliche Familienbetriebe locken online mit Geschäftsaufgabe und bis zu 80 Prozent Rabatt. Verbraucherschützer warnen vor der perfiden Masche.
Hannover – Ob „anna-berlin.de“, „mathilde-muenchen.de“, „emma-frankfurt.de“ oder „stefanberlin.com“ – aktuell fallen unseriöse Onlineshops im Netz nach einem immer gleichen Muster auf: Ein angeblich regionaler, familiärer Traditionsbetrieb verkündet die Geschäftsaufgabe und lockt mit Rabatten von 50 bis 80 Prozent. Vor der Betrugsmasche warnt die Verbraucherzentrale Niedersachsen in einer aktuellen Mitteilung.

Die Shops setzen gezielt auf Nähe und Emotionen. „Nach 37 wunderbaren Jahren beginnt für uns ein neues Kapitel“, heißt es etwa auf der Seite „anna-berlin.de“. Noch für kurze Zeit hätten Kundinnen und Kunden angeblich die Chance, sich hochwertige Kleidungsstücke mit hohen Rabatten zu sichern. Doch ist das alles nur Schmu.
Emotionale Geschichte als Vertrauensfalle – wie sich Fake-Shops entlarven lassen
„Das Muster ist immer gleich. Eine emotionale Inszenierung soll Vertrauen aufbauen, die angeblich befristete Rabattaktion zum schnellen Kauf animieren“, erklärt Kathrin Bartsch, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Doch statt Exklusivität und Tradition erhalten Kunden am Ende Ware, deren Qualität nicht überzeugt. Besonders ärgerlich: Hohe Rücksendekosten machen das gesetzliche Widerrufsrecht in der Praxis oft wertlos.
Wer genau hinschaut, kann die Täuschung jedoch entlarven. Scrollt man bis ans Ende der Seiten, finden sich dort häufig die tatsächlichen Firmenstandorte. „Wer bis ans Ende der Seite scrollt, sieht: Der Firmensitz von ‚mathilde-muenchen‘ ist in Wyoming, bei ‚emma-frankfurt‘ und den angeblichen Berliner Shops ist eine Adresse in Hongkong angegeben“, so Bartsch.
Auch unvollständige Kontaktangaben und Rücksendeadressen in Fernost sind laut der Verbraucherzentrale ein deutliches Indiz dafür, dass die vermeintliche Regionalität und Nähe nur vorgetäuscht sind.
Wie Sie betrügerische Online-Shops erkennen: Das sind die Merkmale
- Emotionale Geschichten über Geschäftsaufgabe oder Jubiläen in Kombination mit extrem hohen Rabatten
- Widerspruch zwischen regionalem Namen und ausländischem Firmensitz im Impressum
- Unvollständige oder fehlende Kontaktangaben
- Domain-Registrierung erst wenige Tage oder Wochen vor Entdeckung des Shops
- Rücksendeadressen in Fernost trotz angeblich deutschem Standort
- Schlechte oder fehlende Kundenbewertungen
Verbraucherzentrale gibt Tipps: So können sich Verbraucher schützen
Verbraucherinnen und Verbraucher können sich mit einfachen Mitteln schützen. Ein hilfreiches Werkzeug ist der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentralen: Dort lässt sich die Internetadresse eines Shops eingeben und prüfen. Springt die angezeigte Ampel danach auf Rot oder Gelb, sollte eine Bestellung gut überlegt werden. Bei Rot ist die Shop-URL bereits auf Fake-Shop-Listen eingetragen und von anderen Nutzern gemeldet worden. Bei Gelb sind die Merkmale nicht eindeutig – hier lohnt sich ein zweiter, genauer Blick, etwa auf Impressum und Zahlungsbedingungen.
Auch jenseits des Tools gibt es verräterische Anzeichen: „Wenn die Domain eines angeblichen Traditionsbetriebs erst seit wenigen Tagen besteht, wichtige Angaben fehlen oder Bewertungen schlecht ausfallen, kann auch eine professionelle Aufmachung nicht über das tatsächliche Geschäftsmodell hinwegtäuschen“, sagt Bartsch.
Wer unsicher ist, sollte laut Verbraucherzentrale genau prüfen: Wie lange existiert die Domain schon? Sind Impressum, Kontaktdaten und Rücksendeadresse vollständig und plausibel? Und wie fallen unabhängige Kundenbewertungen aus? Nur wenn all diese Punkte stimmig sind, lohnt sich ein Blick über die vermeintlich verlockenden Rabatte hinaus. (dpa, Verbraucherzentrale Niedersachsen) (han)