Nach Urteil zu Jenas Hochrisiko-Partien: Juristischer Erfolg oder Eigentor
Fußball | Regionalliga
von Peer Vorderwülbecke
Stand: 28.08.2026 18:39 Uhr
Die Stadt Jena und der FC Carl Zeiss streiten sich über die Zuschauerbegrenzungen bei Hochrisiko-Spielen. Anfang August hatte die Jenaer Fanszene deshalb das Derby gegen Erfurt boykottiert. Der FCC ist gegen die Auflage der Stadt vorgegangen – und hat nun vor dem Verwaltungsgericht Gera in weiten Teilen Recht bekommen. Trotzdem könnte die Fanszene der Verlierer sein.
Ein Plus von 155 Stehplätzen
Das Verwaltungsgericht hält die Auflage der Stadt Jena "sowohl aus formellen als auch – jedenfalls teilweise – aus Materiellen Gründen für rechtswidrig". Die starre Begrenzung von 800 Zuschauern im Jenaer Fanblock ist also ungültig. Allerdings hat das Gericht auch verfügt, dass bei Risikospielen nur 90 Prozent der Kapazität des Fanblocks verkauft werden dürfen. Das ist eine Vorgabe des NOFV. Unterm Strich dürfen jetzt bei Risikospielen 955 Zuschauer in den Block. Ein Plus von 155 Stehplätzen bei voraussichtlich vier weiteren Hochrisikospielen in dieser Saison. Das ist die vorläufige Bilanz dieses Rechtsstreits.
Stadt nach Urteil: Räumliche Trennung rückt mehr in den Fokus
Für die Stadtverwaltung scheint dieser Punkt akzeptabel zu sein – das Augenmerk legt sie aber auf einen ganz anderen Aspekt. In der Medieninformation des Verwaltungsgerichts steht nämlich, dass eine Verlegung des Fanblocks "ein milderes Mittel gegenüber einer starren Kapazitätsbegrenzung" darstelle. "Das Urteil bekräftigt letztlich, dass die räumliche Trennung der jeweiligen Fanlager mehr in den Fokus genommen werden muss", sagt Jenas Bürgermeister Benjamin Koppe gegenüber Sport im Osten. Bekanntlich ist die räumliche Nähe von Heim- und Gästefans im neugebauten Jenaer Stadion ein großer Kritikpunkt von Sicherheitsbehörden und Polizei: "Das Thema Kapazitätsbeschränkung wird von uns dann künftig erst in einem zweiten Schritt geprüft".
Die Südkurve im Ernst-Abbe-Sportfeld von Jena.
Im Umkehrschluss wäre eine Umsetzung des Heim-Fanblocks die erste Option. Im Stadtratsbeschluss von 2018 ist diese räumliche Trennung ja auch mal beschlossen worden. Gästefans in die Südkurve, Heimfans in die Nordkurve. Wobei Koppe sich im Gespräch mit Sport im Osten nicht festlegen wollte, wohin der Heim-Fanblock verschoben werden könnte.
Klub strikt gegen Umsiedlung
Beim FC Carl Zeiss trifft die Interpretation der Stadtverwaltung auf Unverständnis. "Diese Schlussfolgerung ist aus meiner Sicht völlig falsch", wettert Tom Hilliger, Vizepräsident und anwaltlicher Vertreter des Vereins vor dem Verwaltungsgericht. "Diese Deutung widerspricht ganz klar dem Tenor des Beschlusses", so Hilliger.
Wie die Umsiedlung des Heim-Fanblocks praktisch umgesetzt werden kann, ist noch nicht klar. Zumal für den Ultra-Block 800 Dauerkarten verkauft worden sind. Hilliger macht klar: "Eine Verlegung der organisierten Fanszene ist genauso rechtswidrig wie der derzeitige Bescheid." Den das Verwaltungsgericht gerade kassiert hat. Wenn die Stadt in Form einer Auflage anordnen würde, die Fanszene bei Risikospielen umzusiedeln, "werden wir dagegen vorgehen", so der Jurist. Eine Entspannung im Verhältnis zwischen Stadtverwaltung und FC Carl Zeiss scheint vorerst nicht in Sicht
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