Der Chronist der Eifel: Norbert Scheuers neuer Roman "Holunderholz" über die Nachkriegszeit
Schriftsteller Norbert Scheuer hat die Eifel zu seinem Lebensthema gemacht. Fast alle seiner Romane spielen in Kall an der Urft, schon einige von ihnen sind für große Literaturpreise nominiert worden. Aber nicht nur mit seinen Büchern hat Scheuer seine Spuren hinterlassen. "Die habe ich selbst hier aufgestellt", sagt er über eine Bank, die auf seiner Wanderroute steht. "Den Pfad hier habe ich freigeschnitten. Der war eigentlich zugewachsen."
Ein dunkles Familiengeheimnis
Mit seinem neuen Roman "Holunderholz" kehrt Scheuer nun zurück in die Eifel. Das Buch setzt die Geschichte der Familie Arimond fort. Der Erzähler, Johann Arimond, kehrt nach Kall zurück, nachdem seine Mutter gestorben ist. In ihrem Nachlass entdeckt er ein altes, kaputtes Tonband, das ursprünglich seinem Großvater gehörte. Johann, ein Programmierer, macht sich daran, es zu reparieren. Dabei tauchen einzelne Töne aus einer Flöte aus Holunderholz auf sowie Wortfetzen des Großvaters.
Die Aufnahmen führen ihn in die Nachkriegszeit - nach Prüm in der Westeifel im Jahr 1949. Dort explodiert Sprengstoff aus dem Bestand der Wehrmacht und zerstört Teile des Orts. Bis heute ist vieles an der Explosion ungeklärt, darunter auch, ob Johann Arimonds Großvater in zwielichtige Geschäfte mit amerikanischen Soldaten verstrickt gewesen ist. So schlägt Scheuer eine Brücke in die Gegenwart des Romans.
Schreiben als Beobachtung
Und auch wenn "Holunderholz" von einem unaufgelösten Fall erzählt, sieht sich Norbert Scheuer nicht als Krimi-Autor. Das sei ihm zu langweilig, sagt er.
"Das wäre dann eine Konstruktion, die mir selbst nicht gefallen würde, weil ich dann nach einem Pfad arbeiten müsste. Ich könnte nicht frei fantasieren." Schriftsteller Norbert Scheuer
Scheuer will fantasieren und beschreiben, wie er es braucht und will, sagt er. Ohne sich dabei an die Vorgaben eines Kriminalromans halten zu müssen. "Ich glaube, ich beobachte nur noch, indem ich schreibe", sagt Scheuer über seine Art zu schreiben. "Ich habe früher mal viel beobachtet, aber mittlerweile wird das alles ins Schreiben verlagert."