Patrouille Suisse: Hoch hinaus mit Tiger-Jets – doch wie lange noch?
Noch fliegt die Jet-Staffel Patrouille Suisse ihre Runden, aber das Ende naht
Die rot-weissen F-5 der Patrouille Suisse begeistern über Grenchen noch einmal mit Präzisionskunstflug – doch der Countdown läuft: 2027 sollen die betagten Tiger-Jets ausgemustert werden.
Jürgen Schelling13.07.2026, 17.00 Uhr
4 Leseminuten

Noch zeigt sich die Kunstflugstaffel Patrouille Suisse gelegentlich am Schweizer Himmel.
Alessandro Della Bella / Keystone
Ein Raunen geht durch die Besucherreihen am Flugplatz Grenchen bei der Airshow Wings & Friends am Samstag: «Die Patrouille Suisse kommt . . .»
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Und dann kommen sie, sechs rot-weisse Northrop-F-5-Jets in engster Formation, bei der Trainingsvorführung am Freitag ausnahmsweise von einem doppelsitzigen F/A-18 eskortiert.
Die Begeisterung der Zuschauer über die hochpräzisen Vorführungen der Jet-Piloten ist gross – zumal es vermutlich die letzte Vorführung der Formation über Grenchen war. Denn die Auftritte der eidgenössischen Kunstflug-Jet-Staffel finden wegen der geplanten Ausmusterung ihrer F-5-Jets wohl 2027 ihr Ende.
An der Flugsicherheit kann es nicht liegen, dass die F-5 bald am Boden bleiben. Die Patrouille Suisse besteht aus sechs aktiven Piloten plus ihrem Kommandanten Nils Hämmerli sowie Bodenpersonal. Seit ihrer Gründung 1964 hat die Patrouille Suisse eine sehr gute Sicherheitsbilanz. Abgesehen von einer Kollision vor zehn Jahren in den Niederlanden gab es bisher keine schweren Zwischenfälle.
Damals, am 9. Juni 2016, hatte der Pilot der Formation nahe dem Luftwaffenstützpunkt Leeuwarden noch Glück im Unglück: Während einer Trainings-Session berührte er seinen Kollegen, stürzte daraufhin mit seinem F-5 E Tiger II ab und konnte sich mit dem Schleudersitz retten. Der Pilot blieb fast unverletzt, die andere Maschine konnte trotz einer Beschädigung sicher landen. Der andere Tiger stürzte in einen See.

Formationsflüge mit der Patrouille Suisse sind für die Piloten eine der anspruchsvollsten Aufgaben innerhalb der Schweizer Luftwaffe.
PD
Auch die Berührung zwischen zwei Tiger-Jets am 15. Juni 2023 über Baar ging vergleichsweise glimpflich aus: Beide Piloten konnten ihre Jets sicher landen. Bei einem F-5 fiel allerdings die Flugzeugnase ab und stürzte auf ein Gebäude. Dort wurde ein Mensch durch Glassplitter leicht verletzt.
Nachfolgerflugzeug wird noch gesucht
Wenn aber der Tiger nicht mehr fliegt, muss die Patrouille Suisse Ersatz in der bestehenden Flotte der Schweizer Luftwaffe suchen. Dass aber künftig eine Formation aus F/A-18 von Boeing / McDonnell Douglas anstelle des Tiger als künftige Patrouille Suisse auftritt, ist aus finanziellen Gründen unwahrscheinlich: Der F/A-18 wurde 1997 in der Schweiz erstmals in Dienst gestellt. Leer wiegt er 13 864 Kilogramm und ist je Betriebsstunde markant teurer als der Northrop F-5 Tiger. Dieser ist nur ein Drittel so schwer, aber deutlich älter: Er startete bereits 1959 zum Erstflug.
Ausserdem hat die Schweizer Luftwaffe insgesamt nur 34 Jets des fast Mach 2 schnellen F/A-18 angeschafft. Deshalb ist die Auswahl bei einem Kunstflugzeug deutlich kleiner als bei den insgesamt 110 F-5, von denen 12 Doppelsitzer sind. Derzeit fliegen in der Luftwaffe rund 30 ein- oder doppelsitzige F/A-18 Hornet. Hinzu kommen immer noch mehr als ein Dutzend F-5 Tiger II. Sie aber sollen bis Ende 2027 ausgemustert werden, also noch vor dem Eintreffen der ersten neuen F-35-Jets.
Das Steuern eines Militärjets ist an sich schon eine herausfordernde Aufgabe. Gesteigert wird diese Anforderung noch, wenn es um einen engen Formationsflug geht, wenn also ein Jet mit mindestens einem weiteren Flugzeug fliegt. Noch verkompliziert wird ein derartiger Flug, wenn gleich mehrere Maschinen in enger Formation gemeinsamen Kunstflug absolvieren.
Das übernehmen dann die jeweils talentiertesten Militärpiloten einer Nation, auch bei der Patrouille Suisse. Denn Formationskunstflug mit Militärjets ist ohne Restrisiko nicht denkbar. Wetter, Sichtverhältnisse, Turbulenz, Topografie des Fluggebiets, Wolkenuntergrenze, persönliche Stimmung – all das lässt sich nie zu hundert Prozent vorausbestimmen.
Dazu kommt eine hohe Anspannung bei allen beteiligten Piloten. Sie fliegen in minimalem Abstand zueinander bei hohen Geschwindigkeiten von 600 km/h und mehr. Und das nicht geradeaus, sondern in gemeinsamen Loopings, Rollen und steilen Kurven, oftmals verbunden mit Positionswechseln in der Formation. Ständig müssen deshalb Abstände zu den anderen Jets kontrolliert und in Sekundenbruchteilen Steuerkorrekturen vorgenommen werden. Eine optimale Auge-Hand-Koordination ist deshalb unabdingbar.

Die Piloten der Patrouille Suisse trainieren den Dauerstress der Formationskunstflüge regelmässig über den Schweizer Alpen.
PD
Die Piloten schauen während einer Vorführung quasi auch nie auf ihre Instrumente, sondern lediglich auf den Neben-, den Ober- oder den Untermann in der Formation. Ein bisschen zu viel Schub, und der Jet überholt die anderen Maschinen; etwas zu wenig, und die Maschine «verliert» die Formation. Zudem reagieren Turbinen anders als etwa Kolbenmotoren immer etwas verzögert bei der Schubannahme. Da heisst es, im Cockpit zusätzlich vorauszudenken.
Sich als Staffelpilot zu bewerben, ist zwecklos
Für Piloten einer Jet-Formation im Kunstflug spielen also Multitasking-Fähigkeit, Belastbarkeit sowie gute Nerven eine bedeutende Rolle. Was in Grenchen für die Zuschauer am Wochenende in der Luft leicht und elegant aussieht, ist zuvor mit viel Arbeit und intensivem Training verbunden, um eine sichere und dennoch spannende Show zu liefern.
Um in diesen illustren Kreis von Piloten der Patrouille Suisse aufgenommen zu werden, kann man sich auch nicht selbst als Militärpilot bewerben, sondern man wird vorgeschlagen. Falls ein Pilot aufhört, beraten die insgesamt neun Mitglieder des Patrouille-Suisse-Flight-Teams gemeinsam und schlagen dann einen geeigneten Nachfolger für die frei gewordene Stelle im Team vor.
Ein umfangreiches Briefing vor jedem Einsatz, ein ausführliches Training und das langsame Herantasten an immer anspruchsvollere Manöver begleiten den Alltag dieser Flieger quasi vom Leichten zum Schwierigen. Der Pilot fliegt üblicherweise mindestens eine ganze Saison lang die gleiche Position innerhalb der Formation. Fällt daher einer etwa wegen Krankheit aus, gibt es keinen Ersatz. Dann wird eine verkleinerte Formation geflogen. Falls der besonders wichtige Leader ausfällt, wird sogar der komplette Auftritt abgesagt.
Sollte sich für die Patrouille Suisse kein Jet als Ersatz für den Tiger finden, gäbe es immerhin eine Art Trostpreis: Neun rot-weisse Turboprop-Maschinen des Schweizer Herstellers Pilatus bilden die Kunstflugstaffel PC-7 Team. Auch sie fliegen beeindruckende Formationen. Aber Propellerflugzeuge üben nicht ganz denselben Reiz aus wie die Jets der Patrouille Suisse.
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