Präsidium will Goethe-Uni in Frankfurt neu strukturieren – und erntet scharfe Kritik


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Weniger Professuren, weniger Fachbereiche Präsidium will Frankfurter Goethe-Uni völlig neu strukturieren

Auf die Sparvorgaben des Hessischen Hochschulpakts hat das Präsidium der Frankfurter Goethe-Uni mit Plänen für einen umfassenden Umbau reagiert. Studierende und Lehrende üben scharfe Kritik – auch weil sie bei den Planungen nicht eingebunden wurden.

Studierende auf dem Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität

Studierende auf dem Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität Bild © picture alliance / imageBROKER | Schoening

Das 59-seitige Papier des Präsidiums der Frankfurter Goethe-Universität trägt den Titel "Zukunftsfähigkeit gestalten - Rahmenkonzept für die Goethe-Universität als Stiftungsuniversität 2031+".

Vorgeschlagen wird darin offenbar eine umfassende Umstrukturierung von Hessens größter Hochschule. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ, Bezahlschanke) und die Frankfurter Rundschau (FR), denen das Dokument vorliegt, haben zuerst darüber berichtet.

Die wesentlichen Vorschläge sind demnach:

Videobeitrag Ein Banner gegen Kürzungen an der Uni

Bild © hr

Ende des Videobeitrags

Gründe für die Kürzungen

Das Präsidium der Goethe-Uni reagiert mit dem Papier auf die massiven Kürzungen durch den sogenannten Hochschulpakt des Landes Hessen, der allein für dieses Jahr Einsparungen von rund 30 Millionen Euro an den hessischen Hochschulen vorsieht. Der Pakt gilt für die Jahre 2026 bis 2031.

Die Goethe-Uni hat sich gemäß dem Hochschulpakt verpflichtet, durchschnittlich zehn Prozent ihres jährlichen Budgets einzusparen. Im Jahr 2025 verfügte die Hochschule mit mehr als 40.000 Studierenden über ein Budget von knapp 837 Millionen Euro.

Gremmels sieht Hochschulpakt nicht als Ursache

Das Wissenschaftsministerium teilte am Freitag mit: "Der Hochschulpakt ist nicht die Ursache für die umfassenden und konkreten Strukturüberlegungen des Präsidiums." Der Hochschulpakt sehe für 2026 angesichts der schwierigen Haushaltslage eine einmalige Kürzung um rund 1,3 Prozent vor.

"Bereits 2027 kehrt die Finanzierung auf das Niveau von 2025 zurück. Ab 2028 sind für die Hochschulen insgesamt jährliche Aufwüchse zwischen 48 und 100 Millionen Euro", teilte Minister Timon Gremmels (SPD) mit. Wie die Universität diese Rahmenbedingungen für die künftige Entwicklung nutze und welche strukturellen Veränderungen sie für sinnvoll halte, liege in ihrer Verantwortung.

Die Grünen-Fraktion im Landtag kritisierte Gremmels Aussagen. "Natürlich gibt es neben den vorgeschlagenen Kürzungen auch Überlegungen zu Strukturreformen. Aber zu behaupten, die geplanten Kürzungen von 60 Professuren hätten nichts mit den Kürzungen in der Hochschulfinanzierung des Landes zu tun, ist entweder Ausdruck von Unehrlichkeit oder Ignoranz", sagte deren hochschulpolitische Sprecherin, Nina Eisenhardt.

Hochschulleitung: Es handelt sich um Vorschläge

Das Präsidium der Goethe-Uni begründet seine Vorschläge auch mit dem Anpassungsdruck auf die Wissenschaft durch gesellschaftliche Veränderungen wie den demografischen Wandel, Künstliche Intelligenz und Digitalisierung.

Auf Anfrage der hessenschau schreibt das Präsidium, dass es sich bei dem Papier noch um Vorschläge handele: "Die Hochschulleitung betont ausdrücklich den Entwurfscharakter des vorgelegten Papiers." Es sei jedoch notwendig, auf die Kürzungen der Landesregierung mit "mutigen strukturellen Veränderungen" zu reagieren, heißt es in dem Statement.

Wie FAZ und FR berichten, sollen die Veränderungen in der Struktur der Goethe-Uni im kommenden Jahr beschlossen und ab 2028 umgesetzt werden. Präsidium und Senat, das zentrale Selbstverwaltungsgremium der Universität, wollen darüber gemeinsam entscheiden. Schon jetzt wird Kritik an den Vorschlägen der Hochschulleitung laut.

Kritik an "Top-down"-Prozess

Nikolaus Müller-Schöll, Professor am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft sowie Senatsmitglied, sagt, er sei erst ziemlich kurzfristig über die Pläne informiert worden. Zuvor habe es nur Gerüchte gegeben, und das Ausmaß sei ihm erst durch die FAZ-Berichterstattung deutlich geworden. Über die Inhalte dürfe er als Senatsmitglied nicht sprechen.

Unter Studierenden und Lehrenden gibt es deutliche Kritik. "Eine Reform, die eigentlich bottom-up stattfinden sollte, wird komplett top-down geplant", kritisiert Müller-Schöll. Die Fachbereiche in der vorgeschlagenen Form zusammenzulegen, sei nicht sinnvoll, findet der Professor. Vor allem sei darüber nicht mit den Betroffenen gesprochen worden.

Die Fachbereiche seien bereits damit beschäftigt, Lösungsansätze vorzulegen, berichtet Müller-Schöll. Das Papier stelle deren Vorschläge jedoch infrage. Der Professor hat auch grundsätzliche Einwände: "Das ist nicht der richtige Zeitpunkt, so eine Reform zu beginnen, wo die Uni an allen Ecken schon ächzt und stöhnt."

Studierende fühlen sich übergangen

Auch der Allgemeine Studierendenausschuss, kurz AStA, hat nach eigener Darstellung erst aus der Presse von dem Papier des Präsidiums erfahren. "Das versuchte Durchbringen ohne Einbezug der Studierendenschaft ist sehr zu kritisieren und ein autoritäres sowie undemokratisches Vorgehen", kritisiert Mathilde Henning vom AStA-Vorstand. Bei der Bildung dürfe nicht gespart werden.

Simone Claar, stellvertretende Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW Hessen, kritisiert den Umgang der Frankfurter Universitätsleitung mit den durch den Hochschulpakt vorgegebenen Kürzungen: "Es droht ein immenser Qualitätsverlust im Studium. Zudem rechnen wir mit deutlich mehr Arbeit für die Beschäftigten."

Kritik aus der Politik

Heike Leitschuh, Stadtverordnete der Linken im Frankfurter Römer und Mitglied im Ausschuss für Kultur und Wissenschaft, wirft dem Präsidenten der Goethe-Universität, Enrico Schleiff, Heuchelei vor. Dieser habe sich erst kürzlich für den Erfolg der Hochschule bei der Bund-Länder-Exzellenzstrategie feiern lassen.

"Im gleichen Atemzug wird über eine andere Stelle bekannt gegeben, was eine auf Exzellenz ausgerichtete Hochschulpolitik für die breite Wissenschaft bedeutet: einen kompletten Kahlschlag", kritisiert die Linken-Politikerin. Sie fordert einen demokratischen Austausch sowie die Mitbestimmung des Lehrpersonals und der Studierendenschaft bei den Reformplänen.

In vielen Universitätsstädten in Hessen regt sich derzeit Widerstand gegen den Hochschulpakt. Studierende in Gießen veranstalteten am Donnerstag eine Kundgebung. Dort trafen sich an dem Tag auch Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) und Vertreter der hessischen Hochschulen.