Preisschock beim Tanken: Bekommt bald jeder 500 Euro vom Staat?
Preisschock an der Zapfsäule: Linke fordert 500 Euro Energiegeld für alle Bürger
Stand: 17.09.2026, 07:36 Uhr
Kommentare
Rekord-Spritpreise belasten aktuell Autofahrer. Während die Politik über Steuersenkungen streitet, fordert die Linke ein 500-Euro-Klimageld für alle.
Berlin – Wer dieser Tage an die Zapfsäule fährt, erlebt den Preisschock in Echtzeit: 2,37 Euro kostet ein Liter Super im bundesweiten Durchschnitt, Diesel schlägt sogar mit 2,45 Euro zu Buche. Beides sind Allzeithöchststände. Seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar 2026 haben sich die Kraftstoffpreise dramatisch verteuert. Beschädigte Pipelines in Saudi-Arabien und Drohungen der Huthi-Rebellen gegen wichtige Schifffahrtsrouten am Persischen Golf haben den globalen Ölmarkt unter Druck gesetzt und die Preise an deutschen Tankstellen in unbekannte Höhen getrieben. Die Politik verspricht Entlastung, doch ein konkreter Plan fehlt bislang.

Die Linke im Bundestag hat nun vorgeprescht: Mit einem Energiekrisengeld von 150 Euro und einem jährlichen Klimageld von rund 320 Euro sollen alle Bürgerinnen und Bürger sofort und spürbar entlastet werden – knapp 500 Euro pro Kopf. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Donnerstag. Finanziert werden sollen die Hilfen durch eine Übergewinnsteuer auf Ölkonzerne mit einem erhöhten Steuersatz von 50 Prozent.
Preis für Diesel und Benzin auf Rekordhoch: Linke fordert Energiekrisengeld als Entlastung
„Große Teile des leistungslos in die Taschen der Ölkonzerne geflossenen Geldes können so für die Allgemeinheit zurückgeholt werden“, schreibt die Linksfraktion dem Bericht zufolge in ihrem Aktionspapier. Wer nicht steuerpflichtig ist, soll dabei am stärksten profitieren – die Auszahlung soll im Rahmen der Steuererklärung als zusätzliches Einkommen gewertet werden. Rechtliche Einwände, die vorwiegend aus CDU-nahen Kreisen kämen, seien „in erster Linie politisch motiviert, um Renditen der betroffenen Konzerne zu schützen“.
Seit dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar 2026 sind die Kraftstoffpreise massiv gestiegen. Durch die Meerenge am Persischen Golf wurde vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs verschifft. Beschädigte Pipelines in Saudi-Arabien und Drohungen der Huthi-Rebellen im Jemen gegen eine zweite Ausweichmeerenge haben den Druck auf den Ölmarkt seit Anfang August weiter verschärft. Vor Kriegsbeginn hatten Super noch 1,83 Euro und Diesel 1,75 Euro gekostet – seither sind die Preise um mehr als 50 Cent pro Liter gestiegen.
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte angesichts der hohen Spritpreise Entlastungen angekündigt – konkrete Maßnahmen blieben jedoch bislang offen. Der Zeitpunkt ist politisch brisant: Kurz vor zwei wichtigen Landtagswahlen steht die Koalition unter Druck, handlungsfähig zu wirken.
Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek sieht darin vor allem taktisches Kalkül. „Dass Friedrich Merz ausgerechnet vor zwei wichtigen Landtagswahlen ankündigt, etwas gegen die hohen Spritpreise tun zu wollen, zeigt eines ganz deutlich: Es geht ihm nicht um die Menschen, die inzwischen seit Monaten unter den Spritpreisen leiden, sondern um das Wahlergebnis seiner Partei und letztlich um seine eigene Haut“, sagte Reichinnek dem RND. Sie betonte: „Es muss endlich Schluss damit sein, dass internationale Großkonzerne Menschen ausnehmen und sich an Staatshaushalten bereichern.“
Senkung der Mehrwertsteuer, Übergewinnsteuer: Was plant die Merz-Regierung?
Doch ob die Bundesregierung da mitspielt, ist mehr als unklar. Konkrete Maßnahmen sollen laut Unionsfraktionschef Thorsten Frei möglichst ab dem 1. Oktober gelten. Frei sprach sich ebenso wie Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) für eine vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe aus – von 19 auf sieben Prozent. Reiche erklärte, dies würde „direkt an der Zapfsäule wirken und die Bürger sowie das Logistikgewerbe entlasten.“
Einen Spritpreisdeckel lehnte sie ab: Ein solcher Deckel schwäche die mittelständische Raffineriewirtschaft und sei bereits in anderen EU-Staaten gescheitert. Auch eine Übergewinnsteuer überzeuge sie nicht – diese sei rechtlich unsicher und verhindere notwendige Investitionen in Raffineriekapazitäten. Für einkommensschwache Haushalte brachte sie zudem einen Direktauszahlungsmechanismus ins Gespräch, der Anfang kommenden Jahres einsatzfähig sein solle.
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) favorisiert dagegen die Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne, um daraus Entlastungen zu finanzieren. Auch Grünen-Co-Fraktionschefin Katharina Dröge sprach sich für eine Übergewinnsteuer aus und forderte zugleich eine sofortige Senkung der Stromsteuer. „Es ist allerhöchste Zeit für eine Übergewinnsteuer für Ölkonzerne“, sagte Dröge laut der Tagesschau. Die Einnahmen müssten über ein Energiegeld direkt bei den Menschen ankommen – „nicht erst in Wochen oder Monaten.“ Für eine Energiepauschale von bis zu 250 Euro plädieren zudem die Grünen.
CDU-Bundestagsabgeordneter Nicklas Kappe aus der Jungen Gruppe der Unionsfraktion spricht sich unterdessen für eine Senkung des CO₂‑Preises aus. „Wir müssen die Menschen an der Zapfsäule jetzt spürbar entlasten und den CO₂‑Preis deutlich senken“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. „Während andere EU-Staaten bei der CO₂‑Bepreisung völlig zu Recht auf die Bremse treten, geht Deutschland aktuell einen teuren Sonderweg.“ Die schwarz-rote Koalition plant bereits, den CO₂‑Preis 2027 stabil zu halten. Kappe warnte: „Diese Zusatzabgabe trifft einkommensschwächere Haushalte und Pendler ohne Alternativen mit voller Wucht.“
Entlastung bei Spritpreisen: Das sagen die Experten
Wirtschaftsexperten sehen die Debatte mit gemischten Gefühlen. Prof. Dr. Dominik Maltritz von der Universität Erfurt hält eine Ausweitung des Tankrabatts für den wirksamsten Hebel, da ein großer Teil des Spritpreises aus fixen Steuern bestehe. Preisdeckel und Übergewinnsteuern müssten dagegen gut dosiert und zielgerichtet eingesetzt werden – das sei komplex und könne auch schiefgehen, sagte er dem MDR. Das Bundeskartellamt betonte, die Preisentwicklung genau im Blick zu haben: „Sollten sich Hinweise auf kartellrechtswidriges Verhalten der Mineralölkonzerne zeigen, würden wir konsequent dagegen vorgehen“, sagte Behördenchef Andreas Mundt dem NDR. Zugleich stellte er klar: „Ich möchte aber auch deutlich machen, dass es kein Instrumentarium gibt, um geopolitisch getriebene Preissteigerungen quasi auf Knopfdruck zu verhindern.“
Verbraucherschützer fordern unterdessen einen breiteren Blick. „Verbraucherinnen und Verbraucher leiden nun schon seit mehreren Monaten in verschiedenen Lebensbereichen unter hohen Preisen“, sagte vzbv-Chefin Ramona Pop. Ein alleiniger Fokus auf Entlastungen bei den Spritpreisen dürfe nicht die einzige Antwort sein. (Quellen: RND, Tagesschau, MDR, NDR, dpa) (jenko)