Zäsur im Osten? Welche Szenarien es für AfD, CDU und BSW nach der Wahl in Sachsen-Anhalt gibt


Sachsen-Anhalt-Wahl: Wie die Regierungsbildung nach dem Wahlgang ablaufen könnte – drei Szenarien

Stand: 06.09.2026, 12:24 Uhr

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Nur drei Prozent der Wähler, aber volle Aufmerksamkeit: Die Wahl in Sachsen-Anhalt bringt Berlin ins Schwitzen. Drei Regierungs-Szenarien.

Magdeburg – „Was bringt es mir denn, formaler Ministerpräsident zu sein, wenn ich keine parlamentarische Mehrheit habe? Es geht nur alleine.“ Die Ansage von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bringt die Nervosität vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auf den Punkt. Obwohl das Bundesland nur gut drei Prozent der bundesweiten Wahlberechtigten stellt, blickt das politische Berlin heute nach Magdeburg.

Sven Schulze (CDU) und Ulrich Siegmund (AfD) vor der Wahl in Sachsen-Anhalt im MDR. In der letzten Umfrage liegt die AfD vorn.

Sven Schulze (CDU) und Ulrich Siegmund (AfD) vor der Wahl in Sachsen-Anhalt im MDR. In der letzten Umfrage lag die AfD vorn. © Hendrik Schmidt/dpa

Analysen der dpa, F.A.Z. und n-tv zeichnen für die Regierungsbildung nach dem Wahltag im Wesentlichen drei Szenarien:

Sachsen-Anhalt nach der Wahl – Szenario 1: die AfD-Alleinregierung

Erreicht die AfD die absolute Mehrheit – oder profitiert sie davon, dass Parteien wie Bündnis 90/Die Grünen oder das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern –, könnte Ulrich Siegmund ohne Partner regieren. Dies wäre eine politische Zäsur.

Sachsen-Anhalt nach der Wahl – Szenario 2: die Minderheitsregierung der Mitte

Verliert die CDU unter Ministerpräsident Sven Schulze Stimmen, bleibt aber stärkste Kraft der politischen Mitte hinter der AfD, müsste sie versuchen, ohne feste Koalition zu regieren. Da Unvereinbarkeitsbeschlüsse der CDU eine Zusammenarbeit mit AfD und Linken untersagen, bliebe nur eine von Linken oder Grünen geduldete Minderheitsregierung.

Szenario Minderheitsregierung – für Sachsen-Anhalt wäre es nicht das erste Mal

Sollte die AfD bei der Wahl in Sachsen-Anhalt die parlamentarische Mehrheit verfehlen, könnte es zu einer CDU-geführten Minderheitsregierung kommen. Solch ein Regierungsmodell ist in Deutschland die Ausnahme. Aber auch Sachsen-Anhalt hat damit schon Erfahrung – das „Magdeburger Modell“ funktionierte viele Jahre.

1994 bildete die SPD mit ihrem Ministerpräsidenten Reinhard Höppner dort eine rot-grüne Minderheitsregierung, die von der damaligen PDS, der Vorgängerin der heutigen Linkspartei, toleriert wurde. Als die Grünen 1998 aus dem Landtag flogen, wurde das Modell mit einer reinen SPD-Minderheitsregierung fortgesetzt. Diese hielt bis zur Landtagswahl 2002.

Sachsen-Anhalt nach der Wahl – Szenario 3: das BSW als Zünglein an der Waage

Falls das BSW den Sprung in den Landtag schafft, könnte die Partei als Mehrheitsbeschafferin für die AfD agieren. Das BSW sendete bereits Signale für eine Zusammenarbeit, während Siegmund eine Koalition vor der Wahl offiziell ablehnt.

Sachsen-Anhalt nach der Wahl: verfassungsrechtliche Sackgasse bei Pattsituation

Kommt keine parlamentarische Mehrheit zustande, greifen juristische Besonderheiten, betont die F.A.Z.: Der Hallenser Verfassungsrechtler Robert Böttner verweist darauf, dass die Landesverfassung keine Frist zur Wahl eines neuen Ministerpräsidenten kennt.

Sven Schulze (CDU) und sein Kabinett blieben geschäftsführend im Amt – womöglich über Monate oder Jahre. Die Folge wäre eine politische Lähmung: Minister entlassen ginge zwar, neue Regierungsmitglieder zu ernennen nach Konstituierung des Landtags jedoch nicht. Zudem würde die Finanzplanung im Rahmen einer vorläufigen Haushaltsführung nur auf Sparflamme verlaufen.

Wahl in Sachsen-Anhalt: Druck auf Kanzler Merz und Machtkampf in der CDU

Der Wahlausgang fordert auch die Bundespolitik heraus. Schulze suchte im Wahlkampf gezielt Distanz zur Bundes-CDU. Ein schwaches Ergebnis dürfte den innerparteilichen Druck auf Bundeskanzler Friedrich Merz drastisch erhöhen.

Gleichzeitig wächst der Streit um die Abgrenzung nach links und rechts. Sollte Schulze für eine Minderheitsregierung die Unterstützung der Linken suchen, stößt das bei Teilen der CDU-Basis auf massiven Widerstand.

Sachsen-Anhalt-Wahl: Klare Absagen und Frust an den Rändern

Wie tief die Gräben verlaufen, zeigen die Positionen der Protagonisten:

Die Entscheidung heute in Magdeburg geht weit über Landesgrenzen hinaus. Für die Parteien im Bund wird der Wahlabend zum Stresstest für die künftige Bündnispolitik. (Quellen: F.A.Z., n-tv, dpa) (frs)