Schiedsmann zieht Bilanz: Seit 30 Jahren – so schlichtet Hans-Jürgen Kiefer Streit zwischen Nachbarn


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Schiedsmann zieht Bilanz Seit 30 Jahren – so schlichtet Hans-Jürgen Kiefer Streit zwischen Nachbarn

Neuweiler-Sulzbach · Hans-Jürgen Kiefer hat in drei Jahrzehnten viele Nachbarschaftskonflikte geschlichtet. Ende August wird er geehrt. Worin laut ihm der Schlüssel für ein gesundes Nachbarschaftsverhältnis liegt.

06.08.2026 , 20:00 Uhr

Hans-Jürgen Kiefer ist seit 30 Jahren Schiedsmann in Neuweiler.

Hans-Jürgen Kiefer ist seit 30 Jahren Schiedsmann in Neuweiler.

Foto: Heiko Lehmann

Wenn Nachbarn wegen einer zu hohen Hecke, überhängender Äste oder eines Baumes an der Grundstücksgrenze aneinandergeraten, liegt der eigentliche Grund für den Ärger häufig viele Jahre zurück. Ein schiefer Blick, ein unfreundlicher Satz oder eine alte Meinungsverschiedenheit kann ausreichen, damit eine scheinbare Kleinigkeit irgendwann zum großen Streit wird.

Kiefer vermittelt als Schiedsmann

„Oft sitzt die Wurzel des Bösen viel tiefer als der aktuelle Anlass. Dann werden Dinge hervorgeholt, die schon lange zurückliegen“, sagt Hans-Jürgen Kiefer. Seit 30 Jahren versucht der Schiedsmann für Sulzbach und Neuweiler, zwischen zerstrittenen Parteien zu vermitteln. Die meisten Menschen, die bei ihm Hilfe suchen, sind älter. Häufig geht es um Bäume, Hecken und Sträucher, die vor Jahrzehnten gepflanzt wurden und inzwischen weit über die Grundstücksgrenzen hinausgewachsen sind.

Gleichzeitig fällt es den Eigentümern mit zunehmendem Alter schwerer, die Pflanzen zurückzuschneiden oder große Bäume fällen zu lassen. „Bei manchen Bäumen kostet die Beseitigung einen vierstelligen Betrag. Je länger man wartet, desto teurer wird es. Teilweise geht von den Bäumen auch eine Gefahr aus“, erklärt Kiefer. Vier bis fünf förmliche Verfahren beschäftigen ihn derzeit pro Jahr. Früher waren es deutlich mehr.

Vernunft und Einsicht sind der Schlüssel

Damals gehörten auch strafrechtliche Angelegenheiten zu seinem Alltag, die inzwischen meist über die Polizei geregelt werden. Hinzu kommen telefonische Anfragen. Nicht aus jedem Gespräch entsteht ein offizielles Verfahren. Rechtsberatung darf Kiefer nicht leisten. Er kann aber das Schiedsverfahren erklären und Möglichkeiten aufzeigen, wie ein Konflikt ohne Gerichtsverhandlung beigelegt werden kann.

Im besten Fall endet das Gespräch mit einem Vergleich. „Mit Vernunft und Einsicht kann man frühzeitig zu einer guten Lösung kommen“, sagt Kiefer. Manchmal gelingt eine Einigung schnell, manchmal ist der Konflikt bereits so festgefahren, dass selbst mehrere Gespräche nichts mehr bewirken.

Streitpunkt Schwenker

Sind schon Anwälte eingeschaltet, landet die Angelegenheit nach seiner Erfahrung häufiger vor Gericht. Über konkrete Fälle spricht der 68-Jährige wegen seiner Verschwiegenheitspflicht nicht. Er hat allerdings erlebt, welche Ausmaße vermeintliche Kleinigkeiten annehmen können. Einmal störte sich ein Nachbar am Grillen auf dem angrenzenden Grundstück.

Dort stand nur ein kleiner Elektrogrill für zwei Schwenker und zwei Würstchen. Der Fall kam dennoch zur Verhandlung und endete mit einer Einigung. Wer ständig einen Holzschwenker anwirft und den Rauch zum Nachbarn ziehen lässt, könne das Zusammenleben allerdings erheblich belasten. „Alles mit Maß und Ziel führt zu einem guten nachbarschaftlichen Verhältnis“, erklärt der Schiedsmann.

Mit Bürokratie bestens vertraut

Geboren wurde Kiefer in Pirmasens, seit 58 Jahren lebt er in Neuweiler. Als früherer Verwaltungsleiter des Gesundheitsamtes im Regionalverband ist er mit Formularen und vorgeschriebenen Abläufen vertraut. Mehr als 30 Schulungen und etwa ebenso viele Fortbildungen hat er als Schiedsmann besucht. Was früher mit Schreibmaschine und Formularen erledigt wurde, läuft heute über den Computer.

Über viele Jahre war Kiefer zudem Vorsitzender der Bezirksvereinigung Saarbrücken im Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen. Dort kümmerte er sich um rund 65 Schiedspersonen aus Saarbrücken, Homburg, Völklingen und St. Ingbert. Ende August wird er im Sulzbacher Rathaus offiziell für seine 30-jährige Tätigkeit geehrt.

Noch kein Ruhestand in Sicht

Ein Abschied soll die Auszeichnung allerdings nicht werden. Kiefer will sich in diesem Jahr für eine weitere fünfjährige Amtszeit bewerben. Wie lange er das Ehrenamt darüber hinaus ausüben möchte, lässt er offen. „Mir macht die Aufgabe Spaß. Ich finde, es ist ein tolles Ehrenamt“, sagt er.

Auch nach 30 Jahren gibt es für ihn kein Patentrezept. Entscheidend sei, ob beide Seiten bereit sind, einander zuzuhören und von ihren Maximalforderungen abzurücken. Gerade bei langjährigen Nachbarschaftskonflikten gehe es deshalb selten nur um den Baum oder die Hecke. Meist müsse zunächst geklärt werden, was zwischen den Menschen tatsächlich passiert ist. (jpu/kig)