Serbien wählt Vučić ab: Jetzt steht der Sieger vor einer Mammutaufgabe
Stand: 26.10.2026, 19:06 Uhr
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Fast zwei Jahre protestierten die Serben gegen Präsident Vučić und die herrschende Korruption. Jetzt wurde der prorussische Machthaber abgestraft. Der Wahlsieger muss nun die Forderungen von der Straße in Realpolitik umwandeln. Ein Kommentar von Leonie Hudelmaier.
Im Kreml dürfte es gerade reichlich lange Gesichter geben: Denn nach Ungarn hat auch Serbien seinen prorussischen Autokraten-Herrscher abgewählt. Für Wladimir Putin ist es ein Rückschlag beim Ausbau seiner Großmachts-Vision, für die Demokratie eine Erleichterung. Denn nach zwei Jahren voller Anti-Korruptionsproteste und oppositioneller Arbeit ist Serbien Alexander Vučić losgeworden, obwohl er in klassischer Populisten-Manier so sehr an seinem mächtigen Sessel klebte.
Ein Anti-Vučić-Kurs allein ist noch lang keine politische Linie.
Der Wahlsieger steht jetzt vor der Mammutaufgabe, Forderungen einer einstigen Studentenprotestbewegung in tatsächlich politische Handlungen zu gießen. Denn das Balkan-Land hat es nach jahrelangem Stillstand verdient, dass der Korruptions-Sumpf ausgetrocknet, die Medienvielfalt wiederhergestellt und der verbaute Weg Richtung Europäische Union wieder geebnet wird. Der Grundgedanke der Gewinner, nämlich Politik mithilfe direkter Abstimmungen bei Versammlungen zu gestalten, ist zutiefst basisdemokratisch und ehrenwert. Es klingt aber auch nach reichlich bürokratischem Aufwand und politischem Zündstoff. Und ein Anti-Vučić-Kurs allein ist noch lang keine politische Linie. Da braucht es schon noch ein innen- und außenpolitisches Parteiprogramm.
Brüssel muss jetzt eine neue Balkan-Strategie entwickeln und dem serbischen Beitrittskandidaten und seiner neuen Führung ordentlich unter die Arme greifen. Denn sollte das studentische Bündnis an der Realpolitik zerrieben werden, dürfte ein von Russland und China gepamperter Vučić seine Comeback-Chance wittern.