Smartwatches: Körperfett beeinträchtigt Messgenauigkeit
Nicht alles, was Smartwatches anzeigen, haben sie direkt gemessen - manche Werte werden indirekt berechnet. Der Kalorienverbrauch zum Beispiel: Anhand von Faktoren wie Körpergröße, Gewicht, ausgeübter Sportart und Puls errechnet die Uhr einen Wert, der dem tatsächlichen Kalorienverbrauch möglichst nahe kommen soll.
Das klappt mal besser, mal schlechter, wie eine Studie der Florida International University in Miami zeigt.
Smartwatches überschätzen Kalorienverbrauch
Die Forschenden ließen vier Smartwatches gegen das etablierte sportmedizinische Messverfahren antreten. Hier tragen die Probanden eine Atemmaske; aus dem CO2-Gehalt der ausgeatmeten Luft lässt sich der Kalorienverbrauch errechnen. Mit diesem Verfahren hat auch die Stiftung Warentest schon drei Smartwatches von Apple, Garmin und Samsung getestet und deutliche Unterschiede festgestellt.
In der Studie aus Miami schnitten ebenfalls nicht alle Uhren gleich gut ab. Die Probanden mussten ein Intervall-Training auf dem Liegerad im Labor absolvieren, dabei trugen sie diese Smartwatches:
- Apple Watch Series 8
- Garmin Forerunner 955
- Samsung Galaxy Watch 5
- Fitbit Sense 2
Ergebnis: Alle Messungen wichen deutlich vom tatsächlichen Kalorienverbrauch ab – bei Apple war die Abweichung am geringsten, Garmin und Samsung überschätzten den Verbrauch systematisch und am stärksten.
Werden Uhren an schlanken Menschen kalibriert?
Besonders auffällig: Je höher der Körperfettanteil der Testperson, desto größer der prozentuale Messfehler – bei allen vier Marken, aber besonders ausgeprägt bei Garmin und Fitbit. Die Forschenden hatten für die Studie gezielt 58 Probanden ausgewählt, von denen 25 übergewichtig waren (Body-Mass-Index ab 30). Zusätzlich wurde der Körperfettanteil durch Hautfaltenmessung ermittelt.
Die Forschenden vermuten, dass die stärkere Ungenauigkeit daher rührt, dass die Algorithmen der Uhren an schlanken Menschen kalibriert wurden. Auch die stärkeren Weichteilbewegungen am Handgelenk könnten die Ergebnisse beeinflussen, so die Studie.
Überprüft wurde auch, ob der Grad der Hautpigmentierung sich auf die Genauigkeit auswirkte: Die Probanden waren hispanischer Herkunft mit den Fitzpatrick-Hauttypen III bis V (Typ IV wird gemeinhin als „mediterraner Typ“ bezeichnet). Der Hauttyp hatte keinen nachweisbaren Einfluss auf die Ergebnisse.
Was die Studie für Smartwatch-Nutzer bedeutet
Die Ergebnisse sind interessant, aber kein Argument gegen die Nutzung einer Smartwatch. Dass eine Smartwatch den Kalorienverbrauch nicht so genau ermittelt wie ein sportmedizinisches Messgerät, ist klar. Wer sie regelmäßig nutzt, kann sich trotzdem ein Bild davon machen, wie der Körper auf Aktivität und Lebensstil reagiert und Trends erkennen – sofern die Messfehler nicht allzu groß sind. In unserer eigenen Untersuchung der Kalorienmessung von drei Smartwatches lagen die Abweichungen – je nach Modell und Sportart – zwischen 6 und 23 Prozent.
Es ist wie bei einer Waage, die immer ein paar Gramm zu viel anzeigt: Wer jeden Tag darauf steigt, merkt trotzdem auf Dauer, ob er zu- oder abnimmt.
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