„Absolut nein“: TUM-Forscher stutzt Söder nach Aussagen zum Verbrenner-Aus zurecht


Söder nutzt TU-München-Studie als Argument gegen Verbrenner-Aus – doch deren Autor widerspricht

Stand: 04.09.2026, 13:25 Uhr

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder beruft sich öffentlich auf eine TUM-Studie, um gegen das EU-weite Verbrenner-Aus zu wettern. Nun meldet sich der Hauptautor zu Wort – und widerspricht ihm klar.

München – Eine Studie der Technischen Universität München (TUM) zum CO₂-Ausstoß von Autos sorgt aktuell für gewaltigen Wirbel. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nutzte die vermeintlichen Ergebnisse prompt als Argument, um sich gegen das Verbrenner-Aus in der EU ab 2035 zu positionieren. „Es braucht dringend das echte Aus vom Verbrenner-Aus der EU. Das belegt jetzt auch die Wissenschaft. Die TU München ist die beste Uni Europas und kommt zu einem klaren Ergebnis“, schrieb Söder unter anderem auf seinem Instagram-Account.

Markus Söder

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) untermauerte mit dem vermeintlichen Ergebnis einer Studie der TU München seine Forderung nach dem Aus vom „Verbrenner-Aus“. (Symbolbild) © Bihlmayerfotografie/Imago

Das Problem: Die Studie selbst trifft diese Aussage gar nicht. Das stellt der verantwortliche TUM-Professor in einem Doppelinterview mit dem Münchner Merkur von Ippen.Media klar. „Die von Herrn Söder zitierte Forderung nach einem Ende des Verbrenner-Aus steht so nicht in unserer Studie“, sagt Johannes Fottner, Professor für Fördertechnik, Materialfluss und Logistik und Hauptautor des Papiers. Die Kernaussage sei eine andere: Um die Klimaziele zu erreichen, müssten alle Potenziale zur Nachhaltigkeit über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs gehoben werden – nicht nur während der Betriebsphase.

CO₂‑Studie der TU München ist umstritten – besonders im eigenen Haus

Ausgangspunkt der Kontroverse um das Papier war unter anderem eine besonders hervorgehobene Zahl: Laut der Studie senken Elektroautos die CO₂-Emissionen über ihren gesamten Lebenszyklus im Vergleich zu Verbrennern im Schnitt um 41 Prozent, nicht wie in der bisherigen EU-Bilanzierung um 100 Prozent. Diese Zahl bezog sich allerdings vor allem auf ältere Daten. Dies bemängelt TU-Fahrzeugtechnik-Professor Markus Lienkamp, der selbst nicht an der Studie beteiligt war und das Papier generell sehr kritisch sieht: „Im Mittel vor fünf Jahren waren das 41 Prozent. Heute wären es schon etwa 60 Prozent.“ Fottner widerspricht dem nicht grundsätzlich, betont aber, die Studie zeige an vielen Stellen, dass die Tendenz von E-Autos klar ins Positive gehe.

Hauptautor der TUM-Studie weist Söder-Schlussfolgerungen zurück

Entscheidend für die politische Zuspitzung war aus Sicht von Forscher Fottner vor allem das Timing: Söder habe sich geäußert, bevor die Studie überhaupt jemandem vorgelegen habe – weder der Presse, noch den Fachkollegen, noch der Politik. „Es gehört wohl zu den Aufgaben dieser Gruppen, so zu agieren, wenn man damit in eine politische Diskussion gehen möchte, und das ist auch verständlich. Aber ist es die Aussage der Studie? Nein, absolut nein“, betont Fottner. Ausgelöst worden sei die Debatte durch eine aus seiner Sicht unzutreffende Vorberichterstattung der „Bild am Sonntag“, die weder mit den beteiligten Forschern noch mit der TUM-Pressestelle abgestimmt gewesen sei. Man versuche derzeit herauszufinden, wie es zu diesem Artikel kam.

TU-Forscher räumen unglückliche Kommunikation der Studie ein

Auch die eigene Kommunikation der TUM sehen beide Wissenschaftler kritisch. Vor allem die Formulierung, E-Autos senkten die Emissionen „nur“ um 41 Prozent, sei unglücklich gewesen, räumt Fottner ein. Er habe dafür gesorgt, dass das Wort in mehreren Veröffentlichungen nachträglich gestrichen wurde – die politische Debatte war zu diesem Zeitpunkt aber bereits entfacht.

Für Lienkamp – der sich mit deutlichen Worten von der Studie distanziert (u.a.: er möchte nicht in „Sippenhaft“ genommen werden) – bleibt die zentrale Botschaft der Studie trotz allem eindeutig: „Das Elektroauto ist die einzige langfristige Lösung zur Reduzierung der CO₂-Emissionen.“ (sop)