„Sollten ein bissl vom Gas gehen“: Wenn die Realität den Plan der Radl-Hauptstadt überholt...


Stand: 15.08.2026, 06:00 Uhr

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Lokalchef Uli Heichele kommentiert die Folgen des Radl-Booms in München.

Lokalchef Uli Heichele kommentiert die Folgen des Radl-Booms in München. © dpa, Klaus Haag

Frust statt Freude: Der Radl-Boom sorgt in München oft für Stress auf zu engen Wegen. Uli Heichele, selber viel mit dem Rad unterwegs, kommentiert:

München – Den Begriff „Radl-Hauptstadt“ gibt‘s in München schon länger. Allerdings: Damals, als er erfunden wurde, war das noch eher ein Plan als eine Zustandsbeschreibung. Jetzt, gut 15 Jahre später, stellen wir fest, dass die echte Welt den Plan längst überholt hat – jedenfalls, was die Zahl der Radfahrer betrifft.

Immer mehr E-Bikes – und immer mehr Stress auf Münchens Straßen

Zweirad-Staus an den Ampeln sind zum Standard geworden, Radl-Pendeln auch aus dem entfernteren Umland ist nichts Ungewöhnliches mehr – und immer öfter gibt‘s Ärger zwischen Radlern, Fußgängern und Autofahrern. In der Stadt und in ganz Oberbayern. Teilweise ist das jetzt sogar ein Thema für die Polizei wie jetzt am Perlacher Forst.

Dass es so viel Ärger gibt: Das liegt daran, dass weder Infrastruktur noch Bewusstsein sich in gleichem Maß verändert haben wie die Zahl der Radler. Der E-Bike-Boom und Corona haben gewirkt wie ein Turbo für den Zweirad-Verkehr.

Was wir nun erleben, ist ein ähnliches Phänomen wie beim Smartphone oder bei der künstlichen Intelligenz. Die Welt ist so schnell geworden, dass Verantwortungsträger (von Planern über die Verwaltung bis zu Politikern) gar nicht mehr hinterherkommen, den richtigen Rahmen für alle neuen Möglichkeiten zu setzen, die da entstehen.

Clever planen und Flexibilitäts-Puffer einbauen!

Wer‘s besser machen und wieder vor die Welle kommen will, der muss nicht nur clever planen, sondern auch einen Flexibilitäts-Puffer einbauen. Sollbruchstellen zum Umplanen für den Fall, dass sich zwischendurch die Welt ändert (was sie tun wird). Dafür wiederum braucht‘s einen gesetzlichen Rahmen, der diese Flexibilität auch erlaubt – und kein enges Korsett.

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Was nun das konkrete Thema Radeln angeht, das ja schon Gegenwart und nicht mehr Zukunft ist: Wir alle – Radler wie Fußgänger und Autofahrer – sollten manchmal ein bissl vom Gas gehen. Etwas langsamer tun, etwas mehr Rücksicht nehmen, etwas entspannter bleiben. Das dürfte fürs Erste schon reichen.