Speicherkrise: Warum RAM auch nach 2030 teuer bleiben soll


SK Hynix hat den erwartetem Endpunkt der Speicherkrise erneut nach hinten verschoben. Wer einen Gaming-PC auf 32 GiB bringen, ein NAS bestücken oder einen Komplettrechner konfigurieren will, bekommt damit ein Zeitfenster genannt, das über die Lebensdauer der meisten aktuellen Plattformen hinausreicht.

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Die eigentliche Nachricht steckt indes in einem Nachsatz des Konzernchefs, der die Erwartungen an die Zeit nach der Knappheit dämpft.

Speicherkrise bis Ende 2030: SK Hynix korrigiert seine Prognose

Vorstandsvorsitzender Kwak Noh-Jung äußerte sich am 27. August 2026 vor Reportern und sieht derzeit keine belastbaren Anzeichen für einen Abschwung am Speichermarkt. Anlass war der Spatenstich für die erste US-Fabrik des Konzerns im Purdue Research Park in West Lafayette, über den die Nachrichtenagentur Reuters berichtet hat.

Bis vor Kurzem hatte SK Hynix für Standard-DRAM noch das Jahr 2028 als voraussichtlichen Zeitpunkt der Entspannung genannt und im Juli dann 2027 als schlechtestes Jahr der Branchengeschichte datiert. Die Begründung für die Verlängerung liefert Kwak Noh-Jung auch gleich mit:

KI-Speicher entwickle sich vom standardisierten Massenprodukt zur kundenspezifischen Bestellware. Weil RAM-Kapazität nur noch gegen konkrete Abnahmezusagen aufgebaut werde, falle ein künftiger Abschwung anders aus als in den Zyklen der vergangenen Jahrzehnte. Insbesondere DDR5-Arbeitsspeicher bleibt demzufolge auch nach dem Höhepunkt der Krise extrem teuer.

Statt eines Einbruchs, wie man ihn aus früheren Zyklen her kenne, erwartet der Manager eine auf Planniveau abflachende Nachfrage. Auch für die Zeit nach dem Jahre 2030 gibt er sich unbesorgt, weil der Bedarf aus dem KI-Segment nicht abrupt verschwinde. Der CEO von SK Hynix rechnet selbst nach einer Stabilisierung des Speichermarktes entsprechend nicht mit einem straken Rückgang der Nachfrage und Preise.

Das US-Werk verpackt HBM, DRAM-Wafer entstehen dort keine

Die mehr als vier Milliarden US-Dollar für West Lafayette fließen in Advanced Packaging und nicht in eine Wafer-Fertigung. Gestapelt und kontaktiert wird dort der für das nach wie vor boomende KI-Segment so wichtige HBM ("High Bandwidth Memory"), die Wafer selbst kommen weiterhin aus Südkorea. Der erste Reinraum soll im zweiten Halbjahr 2028 anlaufen, die Serienfertigung von HBM4E im dritten Quartal 2029, wie TechPowerUp und CNBC übereinstimmend berichten.

Die US-Regierung steuert dabei 458 Millionen US-Dollar an Zuschüssen sowie noch einmal bis zu 500 Millionen US-Dollar an Krediten aus dem CHIPS and Science Act bei. Die Gesamtinvestition des Konzerns in den USA soll nach Angaben Kwaks bis 2030 auf über 45 Milliarden US-Dollar steigen.

Der Verwaltungsrat gab im August zusätzlich rund 54,3 Billionen Won bis 2031 frei, davon 35,2 Billionen Won für die zweite Ausbaustufe der südkoreanischen Fabriken. Für den Ladenpreis eines DDR5-Speicherkits ist von dieser Aufzählung allein die südkoreanische Ausbaustufe relevant.

Diese liefert allerdings frühestens gegen Ende des Jahrzehnts. Zusätzliche Wafer und DRAM-Kapazität für Desktop-Rechner entsteht in Indiana zu keinem Zeitpunkt.

DDR5-Preise in Deutschland ziehen weiter an

Ein populärest DDR5-Speicherkit wie das Kingston Fury Beast mit 32 GiB DDR5-6000 CL30 kostet im PCGH-Preisvergleich von Geizhals am 31. August 2026 ab 549 Euro, umgerechnet 17,16 Euro je GiB. Mitte September 2025, unmittelbar vor Beginn der Speicherkrise, lag dasselbe Kit bei 114 Euro.

Andere gefragte Speicherkits liegen dicht dahinter: Das Corsair Vengeance RGB mit gleichen Eckdaten startet bei 536,99 Euro, das G.Skill Flare X5 bei 516,49 Euro, ein Kingston-Kit mit 64 GiB bei 1.059 Euro.

Für die Kaufentscheidung zählt in dieser kritischen Lage der Bodenpreis der Kategorie: Das Crucial Pro Overclocking mit CL36 beginnt bei 384,90 Euro und kostet in Spielen nur wenige Prozent Leistung.

Der Preisindex von 3DCenter weist für August eine gemittelte monatliche Steigerung von 9,2 Prozent über die gesamte Produktgruppe aus. Spitzenreiter sind Kits mit 2x 32 GiB DDR5-6400 CL32 beim Sechsfachen des Vorkrisenpreises.

Eine Prognose vom Profiteur der Knappheit

SK Hynix hielt im ersten Quartal 2026 einen Umsatzanteil von 58 Prozent am weltweiten Markt für HBM-Speicher und verdient unmittelbar an jener Knappheit, welche der eigene Vorstandsvorsitzende fortschreibt. Samsung und Micron kamen im gleichen Zeitraum auf je 21 Prozent. AMD hatte eine Normalisierung der DDR5-Preise zuletzt für 2028 erwartet. SK Hynix legt jetzt zwei Jahre drauf.

Nvidia, größter Abnehmer von SK Hynix, warnt im jüngsten Quartalsbericht vor Engpässen bei HBM und DRAM bis in das Geschäftsjahr 2028 und hat seine Einkaufsverpflichtungen ausgeweitet.

Wer die Prognose einordnet, sollte den Absender mitlesen: Ein knapper Markt ist für SK Hynix derzeit das profitablere Szenario. Nachprüfbar bleibt davon der Teil, den der Konzern selbst steuert, also die eigene Kapazitätsplanung. An der Kassenlage deutscher Käufer ändert die Motivlage nichts: RAM bleibt teuer.

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Quelle: Reuters, TechPowerUp, CNBC