Beziehungskrise im Urlaub: Schon alltägliche Fragen machen mich wütend


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Eigentlich soll Urlaub die schönste Zeit des Jahres sein. Doch kaum sitzen Paare plötzlich 24 Stunden aufeinander, reichen schon ein ausgefallener Flug, ein quengelndes Kind oder unterschiedliche Vorstellungen vom perfekten Ferientag für Zoff. In dieser Ausgabe unseres Beziehungs-Newsletters „Ein FUNKE Liebe“ fragt sich unsere Autorin, warum ausgerechnet die geplante Erholung so viel Streitpotenzial birgt – und erzählt von ihren persönlichen Erfahrungen.

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Während ich diese Zeilen hier schreibe, sitze ich gerade auf Sizilien fest. Seit fast einer Woche schon. Eigentlich hätten wir längst wieder zu Hause sein sollen. Stattdessen schauen wir regelmäßig auf Flugpläne, versuchen, irgendwo einen freien Platz Richtung Deutschland zu ergattern, und verfolgen nebenbei, was der Ätna gerade so macht.

Der aktivste Vulkan Europas ist vor einer Woche ausgebrochen, und seine kilometerlangen Aschewolken haben den Flughafen in Catania für mehrere Tage komplett lahmgelegt. Am Mittwoch wurde er wieder geöffnet – was zunächst einmal nach einer guten Nachricht klingt. So ähnlich wie: „Der Patient lebt.“ Ob er allerdings auch nach Hause kommt, ist eine andere Frage.

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Denn das italienische Flugnetz war inzwischen derart überlastet, dass es tagelang keine freien Flüge von der Insel nach Deutschland gab. Die Alternative wäre gewesen, mit der Fähre aufs Festland zu fahren, sofern wir einen freien Platz bekommen hätten, und anschließend rund zehn Stunden mit dem Auto bis zum nächsten Flughafen zu fahren.

Streit im Urlaub: Schon kleine Dinge haben viel Streitpotenzial

Mit einem Kleinkind. Wer schon einmal versucht hat, ein Kleinkind zehn Stunden lang bei Laune zu halten, weiß: Das ist keine Reise. Das ist eine sehr lange Verhandlung ohne Aussicht auf einen Waffenstillstand. Also entschieden wir uns zu bleiben. Zum Glück können wir in der Wohnung von Freunden unterkommen. Wir haben ein Dach über dem Kopf, genug zu essen und – wenn man ehrlich ist – eigentlich allen Grund, uns nicht zu beklagen. Wir sind auf Sizilien. Es gibt schlimmere Orte, an denen man stranden könnte.

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Und trotzdem gehen wir uns auf die Nerven. Keine große Beziehungskrise. Niemand packt die Koffer und droht damit, die Fähre allein zu nehmen. Es sind die kleinen Dinge, die Streitpotenzial haben. Wer geht einkaufen? Wer bringt das Kind ins Bett? Wer macht die Wäsche? Wer kümmert sich darum, wann wir endlich zurückfliegen können? Wer hat eigentlich daran gedacht, dass das Kind morgen wieder frische Kleidung braucht?

Fragen, die zu Hause kaum der Rede wert wären, bekommen plötzlich Gewicht. Denn zu Hause weiß jeder ungefähr, wie der Tag läuft. Es gibt Kitazeiten, Arbeitszeiten, Einkaufsroutinen. Man weiß, wann das Kind ins Bett geht und wer morgens zuerst aufsteht. Im Urlaub fällt dieses Gerüst weg. Und plötzlich muss alles neu verhandelt werden. Dazu klebt man noch 24 Stunden am selben Menschen.

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Alina Juravel ist Redakteurin im Ressort Leben der FUNKE Zentralredaktion.

Vielleicht liegt genau darin das Problem: Wir fahren in den Urlaub, um dem Alltag zu entkommen – und nehmen ihn trotzdem mit. Gerade mit Kindern verschwindet der Alltag nicht einfach, nur weil man ein Flugticket gekauft hat. Und dann ist da noch diese seltsame Erwartung, die über dem Urlaub schwebt: Jetzt muss es schön sein. Komme, was wolle.

Nur: Was passiert, wenn diese Rechnung nicht aufgeht? Nur jedes zehnte Paar kommt richtig happy aus dem Urlaub wieder heim, so eine Umfrage der Gesellschaft für Rationelle Psychologie, die ebenfalls besagt, dass sich die Streitdauer im Urlaub um satte 50 Prozent erhöht. Paartherapeutin Andrea Bräu aus München hat beobachtet, dass Paare, wenn sie im Stress sind, „instabil“ werden. Und Urlaub bedeute eben auch Stress: Ob man am Flughafen in einer Schlange oder mit dem Auto im Stau steht – unerfüllte Erwartungen könnten „zu einem hohen Stresspegel führen“, so Bräu. Meine Kollegin Petra Koruhn hat mit der Paartherapeutin darüber geredet, wie Paare die „Streitspirale“ vermeiden und warum Kompromisse im Urlaub fehl am Platz sind.

Fremdgehen: Warum im Urlaub „moralische Grenzen“ verschwimmen

Wissen Sie, was ich bei meiner Recherche zum Thema „Streit im Urlaub“ besonders spannend fand? Dass die meisten Trennungen statistisch gesehen zwischen Mai und August stattfinden, also in der Hauptsaison der Ferienzeit – das berichten Langzeitstudien. Eine Umfrage des Seitensprungportals firstaffair.de unter 6400 Mitgliedern liefert zudem eine schockierende Statistik: Fast jeder Zweite (44 Prozent) ist im Urlaub schon einmal fremdgegangen. Meine Kollegin Eileen Wagner hat mit zwei Paartherapeuten darüber gesprochen, warum im Urlaub „moralische Grenzen verwischen“ und aus welchen unterschiedlichen Gründen Männer und Frauen im Urlaub untreu werden.

Streit im Urlaub muss natürlich immer gleich dramatisch oder gar mit einer Trennung enden. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass wir unseren verlängerten Aufenthalt auf Sizilien als Team überstehen werden. Denn eine Beziehung muss nicht völlig konfliktfrei sein, um gut zu sein. Manchmal besteht ein gelungener Urlaub eben auch darin, sich kurz darüber zu streiten, wer das Kind ins Bett bringt – und zehn Minuten später gemeinsam darüber zu lachen.

Und wie sieht es bei Ihnen aus? Hatten Sie schon richtig schlimmen Streit im Urlaub? Und wenn ja, was war die Konsequenz daraus? Erzählen Sie es mir gerne, ich freue mich darauf!

Alles Liebe
Alina Juravel

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P.P.S.: Auch heute möchte ich Ihnen den FUNKE-Podcast „Länger Leben“ empfehlen. Darin spricht meine Kollegin Natalja Fischer mit dem Mediziner und Longevity-Experten Dr. Felix Bertram darüber, wie wir uns möglichst lange gesund halten. Neue Folgen erscheinen jeden Mittwoch, überall, wo es Podcasts gibt. Hier können Sie reinhören.