Commerzbank und UniCredit: Die möglichen Nachfolger von Bettina Orlopp

Die Commerzbank dürfte bald der italienischen Unicredit gehören. Foto: REUTERS
Unicredit-Übernahme: Diese vier Manager (und ein Ex-FC-Bayern-Vorstand) könnten Bettina Orlopp bei der Commerzbank beerben
Der Abgang von Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp scheint besiegelt. Diese vier Männer und diese Frau könnten ihr nachfolgen.Klar, entschieden ist natürlich noch gar nichts. Aber die Richtung erscheint doch allzu offensichtlich: Bettina Orlopp wird vermutlich nicht mehr allzu lange Chefin der Commerzbank bleiben. Bekanntermaßen führt das Institut derzeit Gespräche mit der italienischen Großbank Unicredit über einen Zusammenschluss, um den sich Unicredit seit fast zwei Jahren bemüht. Ebenso bekannt ist, dass die Italiener Orlopp wohl loswerden wollen, wie Medienberichte in dieser Woche nahelegen. Was aus Sicht der Italiener verständlich wäre, hatte sich Orlopp gegen die Übernahme doch lange Zeit gewehrt.
Aber damit nicht genug: Unicredit soll angeblich mit dem Banker Michael Diederich bereits einen Favoriten für die Nachfolge haben, hieß es am Donnerstag in mehreren Medien. Ist also schon klar, wer die Nachfolge von Orlopp antritt, wer die Commerzbank der von Unicredit geforderten Sanierung inklusive des Abbaus von tausenden Stellen unterzieht? Natürlich nicht.
Schließlich kann Unicredit unter ihrem äußerst aggressiv auftretenden Chef Andrea Orcel die Commerzbank-Chefin Orlopp nicht einfach absetzen. Dazu muss Unicredit mit mehreren Wochen Vorlauf eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen: Auf dieser müssten die Italiener im ersten Schritt dann die bisherigen Aufsichtsräte der Commerzbank abwählen und durch neue ersetzen, ehe diese im zweiten Schritt den Vorstand um Orlopp austauschen könnten. Möglich wäre das zwar, weil Unicredit mit einem Anteil an der Commerzbank von fast 50 Prozent auf einem Aktionärstreffen wohl die Mehrheit hätte, erscheinen doch nie alle Eigner zu den Versammlungen. Jedoch wäre ein solcher Schritt eine weitere Eskalation.

Noch Commerzbank-Chefin: Bettina Orlopp. Foto: Boris Roessler/dpa
Aber selbst wenn sich Unicredit im an Eskalationen reichen Übernahme-Drama auch noch an diese Eskalation wagt: Neben Diederich kommen auch noch ein paar andere Manager infrage, einer könnte sogar besser passen. Wer die Wettbewerber sind – und wer welche Chancen hat.
Der offensichtliche Kandidat: Michael Diederich
Wer er ist: Banker, ließ Michael Diederich die Welt vor einigen Jahren wissen, sei ja ein schöner Job. Aber er sei seit seiner Kindheit glühender Fan des FC Bayern München. Und deshalb sei es jetzt an der Zeit, als Finanzvorstand zum FC Bayern zu wechseln. Dafür gab Diederich sogar seinen bisherigen Posten als Chef der deutschen Unicredit-Tochter, der Hypovereinsbank, auf.

Da war er noch bei den Bayern: Banker Michael Diederich (links) mit Vereins-Legende Karl-Heinz Rummenigge. Foto: PR
Was für ihn spricht: natürlich seine Zeit als Chef der Hypovereinsbank. Er kennt die Gepflogenheiten bei dem italienischen Konzern ebenso gut wie den hiesigen Markt. Außerdem soll er bei Unicredit-Chef Orcel gut gelitten sein. Und: Er hat die Hypovereinsbank so wie schon seine Vorgänger einem erfolgreichen Sanierungskurs unterworfen, dem sich bekanntermaßen auch die Commerzbank unterziehen soll, sobald sie Unicredit gehört.
Was gegen ihn spricht: Diederich ist 61 Jahre alt. Idealerweise sind Chefs ein paar Jahre jünger, um den Job in der Folge auch ein paar Jahre länger machen zu können.
Verfügbarkeit: So ganz ausgefüllt hat der Posten beim FC Bayern München den Manager dann doch nicht. Inzwischen nämlich ist er ins Banking zurückgekehrt: Diederich amtiert seit einiger Zeit als Co-Chef des Geschäfts mit Unternehmenskunden bei der Deutschen Bank. Verfügbar wäre er möglicherweise dennoch, schließlich wäre das Amt des Commerzbank-Chefs für ihn ein Aufstieg.
Fazit: Diederich ist der offensichtliche Kandidat, den jeder Personalberater sofort auf seine Liste nimmt. Aber wie das oft so ist mit offensichtlichen Kandidaten: Häufig werden sie es nicht. Schließlich ist schon unklar ob die Grundbedingung überhaupt erfüllt ist: Diederichs müsste den Job wollen. Bei der Deutschen Bank laufen seine Geschäfte gut, diese komfortable Situation würde er tauschen gegen den Stress einer Dauersanierung. Passend zu dieser Überlegung verlautbart aus Finanzkreisen: Ein Wechsel des Managers zur Commerzbank sei unwahrscheinlich, weil sich Diederich bei der Deutschen Bank sehr wohlfühle. Aber das muss natürlich nichts heißen. Die Deutsche Bank und Diederich wollten sich nicht äußern.
Der Geheimtipp: Stefan Barth
Wer er ist: Barth ist selbst manchen in der Finanzbranche kein Begriff. Was schon daran liegt, dass seine Jobs nicht das allergrößte Prestige mit sich brachten. So diente er zuletzt der Oldenburgischen Landesbank (OLB) als Vorstandschef, die er so gut sanierte, dass diese seitdem als Renditeperle gilt. Die Folge: Die französische Bank Crédit Mutuel war bereit, die OLB für viel Geld zu kaufen. In Szenekreisen wird Barth deshalb immer wieder als jemand genannt, dem der Posten zugetraut wird.

Zersauste Haare, Stoffbändchen am Armgelenk, zum Anzug Pullover: Banker Stefan Barth gibt sich auch mal unprätentiös (und links ein leerer Schreibtisch in der durchsanierten Oldenburgischen Landesbank). Foto: Jan Düfelsiek
Zudem vermittelte Barth zuletzt den Eindruck, sich voll aufs Geschäft zu fokussieren, selbst aber unprätentiös zu sein: Zum Interview mit der WirtschaftsWoche erschien er vor einiger Zeit mit einer fast schon zerzausten Frisur, für die sich ein Azubi der OLB garantiert vor seinem Filialleiter hätte erklären müssen (siehe hier). Zuvor hatte er sich mal mit einem Reporter einer Lokalzeitung zum Handballspielen verabredet und sich vom Zeitungsfotografen in Sportkleidung ablichten lassen (siehe „Zum Duell, Herr Barth“). Außerdem ist Barth erst um die 50 und damit im besten Manager-Alter.
Übernahme durch UniCredit
Wieso bei der Commerzbank die nächste Eskalation droht
Die Commerzbank und UniCredit verhandeln über einen Zusammenschluss. Doch jetzt könnte es zum nächsten Affront kommen. von Julian Heißler und Lukas Zdrzalek
Was gegen ihn spricht: Barth kennt weder Unicredit, noch die Commerzbank von Innen. Außerdem wohnt Barth in Wien und ist mit dem deutschen Establishment nicht so vertraut und verbandelt. Andererseits ist das vielleicht sogar ein Vorteil, wenn man am Wochenende nicht gerade jenen Mitarbeitern über den Weg läuft, die man soeben vor die Türe gesetzt hat? Und wenn einem total egal sein kann, was Politiker in Berlin von einem denken?
Fazit: Barth würde besser als Diederich passen und könnte ob seiner zumindest zuletzt unprätentiösen Erscheinungsweise auch Politik und dem Commerzbank-Betriebsrat vermittelbar sein. Zumal die fortwährende Sanierung der OLB ohne öffentlich wahrnehmbaren Knatsch ablief (was nicht heißt, dass es ihn nicht gab).
Der Unvollendete: Stefan Ermisch
Wer er ist: Eine Zeit lang galt Stefan Ermisch als der vielleicht talentierteste Banker seiner Generation: Ermisch hatte es geschafft, die HSH Nordbank zu sanieren, die frühere Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein. Dabei galt die HSH als dem Untergang geweiht, weil sie nach der Finanzkrise in stürmischste See geraten war. Doch Ermisch gelang die Sanierung – und viele in der Branche orakelten, welchen noch größeren Job das Talent Ermisch annehmen würde. Doch Ermisch blieb Chef des mittlerweile in Hamburg Commercial Bank umbenannten Instituts. Und blieb es. Und blieb es. Bis er den Posten 2022 nach mehr als einem Jahrzehnt abgab. Insider raunen deshalb: Ermisch und die Commerzbank, wäre das nicht was?

Aufgepasst! Stefan Ermisch brachte die einstige Landesbank HSH auf Vordermann. Foto: REUTERS
Was für ihn spricht: Er bringt viel Sanierungserfahrung mit, hat bei der HSH ohne große Friktionen sowohl die Bilanz als auch Mitarbeiterzahl geschrumpft. Zumindest letzteres steht bekanntermaßen auch im Pflichtenheft des nächsten Commerzbank-Chefs. Außerdem kennt sich Ermisch bestens mit raubeinigen Typen wie Andrea Orcel aus: Nach dem Beinahe-Untergang übernahmen Finanzinvestoren die einstige HSH, um sie der Generalüberholung zuzuführen, darunter der Fonds Cerberus. Dessen Logo ist ein dreiköpfiger Höllenhund, der Ruf der Firma entsprechend.
Was gegen ihn spricht: Wie bei Diederich das Alter. Ermisch ist bereits 60. Hat man da aus Sicht von Unicredit-Chef Orcel noch genügend Dynamik für eine derart große Aufgabe?
Verfügbarkeit: Hat auch als Unvollendeter gut zu tun, amtiert er doch derzeit als Aufsichtsrat der Onlinebank N26. Die unterzieht sich gerade einer Sanierung, nachdem die Mängelliste der Finanzaufsicht BaFin zum wiederholten Male äußerst üppig ausfiel. Zudem ist Ermisch als freischaffender Unternehmensberater tätig, verrät sein
LinkedIn-Profil. Aber mal ehrlich: Was ist N26 und ein bisschen Beratung gegen die Bankengigantin Commerzbank?
Fazit: Könnte eine Idealbesetzung für den Posten des Aufsichtsratschefs bei der Commerzbank sein, wo man es ein bisschen ruhiger angehen lassen kann. Bekanntermaßen will Unicredit das Amt, das bislang der Ex-Bundesbankchef Jens Weidmann innehat, ebenfalls neu besetzen. Da würde ein Banker doch hervorragend passen, der sich mit Höllenhunden auskennt.
Der Gebremste: Jörg Frischholz
Wer er ist: Beobachter sprachen über Jörg Frischolz lange Zeit mitleidig: Er hatte sich 2022 tatsächlich bereiterklärt, den Posten als Chef der niedersächsischen Landesbank Nord/LB zu übernehmen. Die war einige Jahre später als die Hamburger Landesbank HSH in Schieflage geraten und musste 2019 vom Land Niedersachsen und den ebenfalls an der Nord/LB beteiligten Sparkassen mit Milliarden gestützt werden. Dennoch trat Frischholz den Job an – und siehe da: Er hat das Institut aus Hannover saniert. Manchem gilt er deshalb als potenzieller Kandidat.

Einst bemitleidet: Nord/LB-Chef Jörg Frischholz. Foto: NordLB
Was für ihn spricht: seine Sanierungserfolge. Und der Mann hat definitiv Bock! In Interviews hat Frischholz immer wieder deutlich gemacht, dass er die einstige Krisenbank Nord/LB auf einen starken Wachstumskurs verpflichten möchte. Zudem kennt er sowohl die Unicredit als auch die Commerzbank. Bis 2015 war er für die Commerzbank tätig, leitete dort das Firmenkundengeschäft in Teilen von Ostdeutschland, danach wechselte er zur Hypovereinsbank, stieg dort 2020 sogar in den Vorstand auf. Und: Frischholz, Jahrgang 1976, wäre noch jung genug, den Job einige Jahre zu machen.
Was gegen ihn spricht: Die Nord/LB als nur mittelgroße Bank ist für Unicredit-Chef Andrea Orcel vielleicht ein bisschen zu klein, um deren Führungspersonal als satisfaktionsfähig wahrzunehmen. Immerhin ist die Commerzbank die zweitgrößte Privatbank der Republik.
Verfügbarkeit: Eigentlich ist er ja in Hannover gebunden. Aber die Anteilseigner der Nord/LB machen dem armen Kerl das Leben schön schwer: Das Land Niedersachsen hätte den Sparkassen gerne einen Anteil von 20 Prozent an der Nord/LB abgekauft, um bei dem Institut durchzuregieren. Frischholz hätte dann voll auf Wachstum schalten können, was das Land Niedersachsen einfordert, die Sparkassen aber partout ablehnen. Sie fürchten, strammes Wachstum könne zu neuen Risiken führen. Und letztendlich zur abermaligen Rettung. Allerdings haben sich die Sparkassen just am Montag dieser Woche entschieden, dem Land die 20 Prozent vorerst doch nicht zu verkaufen. Frischholz dürfte darüber nicht begeistert gewesen sein.
Fazit: Hat eher Außenseiter-Chancen, weil die Nord/LB halt die Nord/LB ist. Könnte ob seiner Erfahrung im Firmenkundengeschäft von Hypovereinsbank und Commerzbank aber ein guter Firmenkundenvorstand der fusionierten Bank werden – sofern er Lust hätte, sich einem Commerzbank-CEO unterzuordnen.
Die Lokalmatadorin: Marion Höllinger
Wer sie ist: Neben der in der Öffentlichkeit omnipräsenten Bettina Orlopp gerät hin und wieder in Vergessenheit, dass noch eine weitere Frau eine größere deutsche Bank führt: Marion Höllinger amtiert als Chefin der Unicredit-Tochter Hypovereinsbank. Sie übernahm den Chefposten bei dem in München ansässigen Institut 2023 von Michael Diederich, der damals zum FC Bayern wechselte. Die Szene ist eben klein.

Marion Höllinger ist Chefin der Unicredit-Deutschland-Tochter Hypovereinsbank. Foto: picture alliance / SZ Photo
Was für sie spricht: Höllinger kennt Unicredit, aber auch den deutschen Markt bestens. Hat bereits ihre Ausbildung bei der Vorläuferin der Hypovereinsbank absolviert.
Außerdem gilt Höllinger Szenekundigen doch eher als Befehlsempfängerin: Seitdem die Rechtsform der Hypovereinsbank nur noch die einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) und nicht mehr die einer Aktiengesellschaft ist, hat Unicredit als Mutter noch stärkere Zugriffsrechte auf die Tochter. Höllinger dürfte ob dieses Rufs dem Betriebsrat der Commerzbank und der deutschen Politik nur schwer zu vermitteln sein.
Verfügbarkeit: Da ohnehin schon im Unicredit-Universum beschäftigt, stünde sie sicher parat.
Fazit: Höllinger hat eher Außenseiterchancen. Sie könnte aber zum Zuge kommen, wenn andere nicht wollen. Oder wenn Orcel darauf pfeift, was andere von seiner Wahl halten. Und das tut er ja gerne.

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