Senkt ein heißes Bad den Blutdruck stärker als moderates Training?
11. Oktober 2026, 17:55 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Wer zu niedrigem Blutdruck neigt, steigt wahrscheinlich – wenn überhaupt – mit großer Vorsicht in die Badewanne. Denn bekanntlich kann ein heißes Bad den Kreislauf spürbar beeinflussen: Es führt zum Weiten der Blutgefäße im Körper, wodurch der Blutdruck vorübergehend weiter sinkt. Doch könnte eben dieser Effekt bei Menschen mit allgemein zu hohem Blutdruck womöglich günstig sein? Eine neue Studie hat gezielt untersucht, wie sich ein 30-minütiges heißes Bad auf den Blutdruck und die Durchblutung auswirkt, verglichen mit 30 Minuten moderatem Training. Denn zu Letzterem sind speziell ältere Menschen mit starkem Übergewicht (und oft auch hohem Blutdruck) vielfach nicht mehr ohne Weiteres imstande.
Regelmäßige Bewegung ist allgemein von hoher Bedeutung für die Gesundheit, nicht nur im Kampf gegen Übergewicht. Körperliche Aktivität verbessert nicht zuletzt die Funktion und Elastizität der Blutgefäße, ebenso deren Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren. Man geht davon aus, dass Wärme hinter diesem Effekt steckt – konkret der Anstieg der Körpertemperatur durch Bewegung. Durch die wärmebedingte Weitung der Hautgefäße fließt mehr Blut durch die Haut. Dadurch erhöht sich die mechanische Belastung der Gefäßinnenwand – ein Prozess, der als Schubspannung bezeichnet wird.
Studie untersucht Wärme durch Bewegung vs. passive Wärme
Menschen, die körperlich eingeschränkt sind, können diese Effekte durch Bewegung schwerlich erzielen. Die vorliegende Studie untersuchte daher das Potenzial einer passiven Wärmebehandlung.1 Frühere Untersuchungen konnten bereits zeigen, dass sich durch wiederholte Wärmebehandlungen bestimmte Gefäßfunktionen verbessern lassen.2
Die Forscher stellten nun die Frage: Entspricht der Effekt eines 30-minütigen heißen Bads auf die Mikrozirkulation der Haut dem einer ebenso langen moderaten Trainingseinheit auf dem Fahrrad? Und gilt dies für Männer und Frauen (in der Menopause) in ähnlicher Weise?
Details zur Untersuchung
Es handelt sich um eine verhältnismäßig kleine Studie, mit 25 Teilnehmern (10 Männer, 15 Frauen) im Alter zwischen 45 und 70 Jahren. Alle Teilnehmer waren mindestens übergewichtig oder bereits adipös, keiner von ihnen war regelmäßig körperlich aktiv. Es waren nur Frauen zur Teilnahme zugelassen, wenn sie bereits in der Menopause waren. Dadurch wollten die Forscher mögliche Einflüsse des Hormonstatus berücksichtigen. Ausschlusskriterien für die Teilnahme waren verschiedene Grunderkrankungen (z. B. des Herz-Kreislauf-Systems und Typ-2-Diabetes) und körperliche Einschränkungen, die Betroffene für den Fahrrad-Untersuchungsteil untauglich machten.
Die Arbeit war als randomisierte Crossover-Studie aufgebaut. Folglich musste jeder Teilnehmer beide Bedingungen der Untersuchung durchlaufen: eine „Warmwasser-Immersion“ – in diesem Fall ein Aufenthalt in einer warmen Badewanne – und ein moderates Training auf dem Ergometer. Es mussten zwischen beiden Untersuchungsteilen mindestens 72 Stunden liegen. In welcher Reihenfolge die Probanden badeten oder trainierten, wurde zufällig festgelegt. Dadurch war es möglich, die Ergebnisse der beiden Interventionen innerhalb derselben Person zu vergleichen.
30 Minuten baden vs. 30 Minuten trainieren
Die Interventionen waren jeweils auf 30 Minuten angesetzt. Beim Warmwasser-Untersuchungsteil sollten die Teilnehmer mit fast dem gesamten Körper im heißen Bad liegen. Die Vorgabe lautete, dass das Wasser bis zum Brustbein reichen sollte und auch die Arme vollständig bedeckt sein mussten. Das Wasser hatte eine Temperatur von 40 Grad Celsius. Beim Fahrradteil galt es, das Training mit einer Intensität von 60 bis 70 Prozent der maximalen Herzfrequenz zu absolvieren.
Wie wirkten sich die Anwendungen auf die Gefäße aus? Um dies zu messen, nutzten die Forscher ein bildgebendes Verfahren namens optische Kohärenztomografie, kurz OCT. Damit konnten sie die kleinen Hautgefäße erkennen und unter anderem deren Durchmesser und Dichte sowie die Blutgeschwindigkeit und den Blutfluss bestimmen. Sie führten die Messungen jeweils vor und unmittelbar nach jeder Intervention an den Unterarmen der Studienteilnehmer durch. Zudem ermittelten die Forscher während der Interventionen die Körperkerntemperatur, die Herzfrequenz und den Blutdruck der Probanden.
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Baden überraschend effektiv
Die Autoren stellten bei allen untersuchten OCT-Messgrößen nach dem heißen Bad deutlich stärkere Veränderungen fest als nach dem Radfahren. Im Mittel nahm der Durchmesser der Hautgefäße nach dem 30-minütigen Bad um 5,2 ± 4,3 Mikrometer zu – nach dem Radfahren waren es nur 1,1 ± 3,7 Mikrometer.
Auch bei der Blutströmungsgeschwindigkeit zeigten sich Veränderungen stärker nach dem heißen Bad: Sie stieg um 22,8 ± 11,7 Mikrometer pro Sekunde. Nach dem Radfahren nahm sie dagegen um 1,2 ± 4,5 Mikrometer pro Sekunde sogar leicht ab. Beim Blutfluss stellte es sich ähnlich dar. Nach dem heißen Bad nahm er um 68,9 ± 29,8 Pikoliter pro Sekunde zu, nach dem Training nahm er um 8,3 ± 13,8 Pikoliter pro Sekunde ab.
Zuletzt war auch bei der Dichte der durchbluteten Hautgefäße der Unterschied der Veränderung nach den beiden Anwendungen statistisch signifikant. Nach dem heißen Bad nahm sie um 14,1 ± 7,8 Prozent zu. Als Reaktion auf das Radfahren ging sie um 3,1 ± 4,8 Prozent zurück.
Was die Körperkerntemperatur betrifft, so stieg sie in beiden Fällen ähnlich stark an. Nach dem heißen Bad betrug die Erhöhung 0,9 ± 0,3 °C, nach dem Training 0,7 ± 0,3 °C. Allerdings erhöhte sich durch das Radfahren die Herzfrequenz stärker. Beim Blutdruck trat der umgekehrte Effekt auf: Er sank nach dem heißen Bad stärker als nach dem Training.
Die Forscher bestätigten die Ergebnisse ihrer OCT-Messungen durch eine weitere Messmethode, der sogenannten Laser-Doppler-Flowmetrie. Auch hier war erkennbar, dass das warme Wasser in höherem Maße als das Training die Durchblutung der Haut förderte.
Nur unmittelbare Wirkung untersucht
Die Untersuchungsergebnisse legen nahe, dass ein 30-minütiges heißes Bad bei älteren Menschen mit Übergewicht oder Adipositas die Durchblutung der kleinsten Hautgefäße maßgeblich steigern kann. Das kann günstige Effekte unter anderem auf den Blutdruck mitbringen.
Die Warmwasser-Intervention und das Radfahr-Training dauerten gleich lange, übten aber unterschiedliche Reize auf den Körper aus. Im heißen Bad wurde die Haut direkt erwärmt und auch die Körperkerntemperatur stieg an. Die Forscher folgern daraus, dass sowohl die direkte Erwärmung der Haut als auch die insgesamt höhere Wärmebelastung auf die Durchblutung eingewirkt haben.
Diese Beobachtungen könnten insbesondere für Menschen mit körperlichen Einschränkungen relevant sein. Eine Warmwasserbehandlung könnte für sie eine Alternative zu moderatem Training oder eine sinnvolle Ergänzung zu Bewegung im Rahmen des Möglichen darstellen.
Allerdings sollten die Ergebnisse nicht so interpretiert werden, dass heiße Bäder den Sport gänzlich ersetzen können. Die Studie hat nur unmittelbare Reaktionen des Körpers untersucht. Auf Basis der Beobachtungen ist es noch nicht möglich, Aussagen zum langfristigen Nutzen bzw. zu dauerhaften Effekten zu ziehen.
Einschränkungen
Trotz der auffälligen Werte ist die Aussagekraft der Studie begrenzt. Dies liegt vor allem an der geringen Größe der Stichprobe. Mit 25 Teilnehmern war sie von vornherein klein, und letztendlich konnten nur OCT-Daten von 22 Personen ausgewertet werden, da die Aufnahmen von drei Teilnehmern aufgrund von Bildfehlern qualitativ nicht ausreichend waren. Es können auf Basis dieser Stichprobe keine verlässlichen Aussagen über Unterschiede zwischen Männern und Frauen getroffen werden. Erst recht ist es nicht möglich, die Beobachtungen auf andere Bevölkerungsgruppen (etwa jüngere Menschen und Personen mit Normalgewicht) zu übertragen.
Es lässt sich auch nicht eindeutig sagen, welcher Teil des Effekts auf die Wärme und welcher auf die jeweilige Intervention zurückzuführen ist. Denn das heiße Bad und das Radfahren erzeugten keine gleich starke Wärme- oder Kreislaufbelastung. Nach dem Bad stiegen sowohl die Körperkerntemperatur als auch die Hautdurchblutung stärker als beim Training an. Da die Unterarme während des Bads direkt im Wasser lagen, erwärmten sich automatisch auch jene Hautstellen, die für die Messung genutzt wurden.
Es bleibt unklar, wie lang die beobachteten Veränderungen anhielten, da Messungen einzig im Anschluss an die Interventionen durchgeführt wurden. Es wäre verfrüht, jetzt schon eine Aussage darüber zu treffen, ob regelmäßige heiße Bäder langfristig einen gesundheitlichen Nutzen haben.