(+) Szenen wie im Endzeit-Film: Einkaufen in Hamburgs Geister-Supermarkt


Hamburg

„Globus” in Lurup schließt am Freitag. Schon jetzt sind die Regale des Ladens fast komplett leer.
Johanna Schneeberger

Fast alle Regale leer: Die „Globus“-Filiale in Lurup gleicht einem riesigen Geister-Supermarkt. Der Laden schließt nun früher als gedacht – und die Eigentümergesellschaft der Immobilie klagt gegen die Stadt.

Unzählige Regale auf 10.000 Quadratmetern Verkaufsfläche – aber kaum noch Produkte. Der Supermarkt „Globus“ schließt seine Filiale in Lurup früher als geplant, fast alles ist ausverkauft. Die Eigentümergesellschaft der Immobilie hat angekündigt, die Stadt zu verklagen. Besuch in einem traurigen Supermarkt, in dem es inzwischen kaum noch Waren und nur wenig Kundschaft gibt. 

Gleich am Eingangsbereich ist eine Stöber-Ecke. Cowboyhüte, Filzblumen-Deko, Christbaumkugeln – minus 50 Prozent, minus 60 Prozent, minus 70 Prozent. Wer weiter in den Laden hineingeht, fühlt sich wie in einer Parallelwelt. Ein Flur mit Kühlregalen, von innen beleuchtet, aber leer. „Großgeflügel bis zu 50 Prozent reduziert!“, ist hier zu lesen. Aber welches Großgeflügel ist gemeint? Da ist nichts mehr. 

„Globus“-Markt in Lurup schließt früher

Im Juni wurde verkündet, dass die „Globus“-Markthalle am Grandkuhlenweg schließt. Erst vor drei Jahren wurde die Eröffnung gefeiert, nachdem in die alte „Real“-Fläche für rund 40 Millionen Euro investiert worden war. Als Grund für das Aus nach kurzer Zeit wurden von „Globus“ die fehlenden wirtschaftlichen Perspektiven genannt. Die „Globus“-Untermieter, eine Metzgerei, ein Schuster, ein Friseur, ein Kiosk, ein Optiker sowie ein Restaurant, müssen gemeinsam mit dem Markt den Grandkuhlenweg verlassen.

Der „Globus”-Markt schließt mit 18. September.
Der „Globus”-Markt schließt mit 18. September.
Johanna Schneeberger

Eigentlich sollte der Markt zum 30. September seine Türen schließen, jetzt ist jedoch schon früher Schluss. Bereits am Freitag, 18. September, ist der letzte geöffnete Tag. Eine Sprecherin von „Globus” sagt auf MOPO-Nachfrage: „Der Abverkauf ist so weit fortgeschritten, dass eine weitere Öffnung keinen Sinn macht.“ Ein Rundgang durch den Markt bestätigt den Eindruck. 

Die Obst- und Gemüseabteilung war einmal riesig. Aber zu sehen sind nur noch die Metallgitter der Stände und die leeren Körbe, in denen früher Tomaten, Gurken & Co. auf den Verkauf gewartet haben. Weiter geht’s in den nächsten Gang. Leergeräumt – vereinzelt sieht man kleine Inseln an Produkten, die noch zum Verkauf stehen. Diese Regale sind wie kleine Oasen im Nichts. Hier stehen Marmeladen, Proteinriegel, Tees, Backmischungen und Kaffeebohnen. 

Es gibt noch Kunden hier, sie kommen für diese kleinen, rabattierten Trost-Ecken. Sie kurven mit großen Einkaufswagen umher, aber legen fast nichts ein. „Letzte Woche war hier noch mehr Auswahl“, sagt eine ältere Dame vor einem Kühlregal zu einer anderen.

„Globus“-Eigentümer klagen gegen Stadt Hamburg

Laut der Eigentümergesellschaft der Immobilie ist einer der Gründe für die wirtschaftlichen Probleme des Supermarkts die schlechte Erreichbarkeit mit dem Auto. Die Zufahrtsstraße wurde kurz vor der Eröffnung wegen Schäden gesperrt, bis heute ist sie dicht. Wie das „Abendblatt“ berichtet, will die Gesellschaft deshalb nun juristisch gegen die Stadt vorgehen. Im Verfahren soll es um die komplette Sperrung des Grandkuhlenwegs gehen und darum, ob die Sanierung der teilweise schon abgesackten Straße nicht bereits viel früher absehbar und nötig gewesen wäre.

Die Zufahrtsstraße ist seit vor der Eröffnung des marktes gesperrt.
Die Zufahrtsstraße ist seit vor der Eröffnung des Marktes gesperrt.
Johanna Schneeberger

Der Sprecher der Eigentümergesellschaft sagte dem „Abendblatt“ auch, dass das Verfahren zwischenzeitlich nur ruhte, weil eine Umfahrung der Sperrung über die „Globus“-Parkplätze ermöglicht wurde und die Sanierung glaubhaft gemacht wurde. Doch in den vergangenen Jahren sei aus seiner Sicht nichts passiert. Er wirft der Stadt Untätigkeit vor, die sich negativ auf „Globus“ auswirkte.

Und wie geht es mit der Fläche nach dem 18. September weiter? Laut der Eigentümergesellschaft gibt es aus der Einzelhandelsbranche bereits Interessenten. 

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels haben wir geschrieben, der „Globus“-Markt würde gegen die Stadt klagen. Tatsächlich ist es aber die Eigentümergesellschaft der Immobilie. Wir haben den Fehler korrigiert.

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