Tankrabatt entlastet kaum: Betriebe im Werra-Meißner-Kreis spüren Folgen an der Zapfsäule


Stand: 07.10.2026, 19:44 Uhr

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Vor 12 Uhr an der Zapfsäule: Die hohen Spritpreise belasten Pendler und Betriebe im Werra-Meißner-Kreis. Das Foto entstand an einer Tankstelle in Eschwege.

Vor 12 Uhr an der Zapfsäule: Die hohen Spritpreise belasten Pendler und Betriebe im Werra-Meißner-Kreis. Das Foto entstand an einer Tankstelle in Eschwege. © Emily Hartmann

Taxiunternehmen, Pflegedienste und Handwerker im Werra-Meißner-Kreis berichten von deutlich höheren laufenden Kosten angesichts der hohen Kraftstoffpreise.

Werra-Meißner – 1500 bis 2000 Euro mehr für Diesel – jeden Monat. Für Marcus Böttger von Taxi Herud in Eschwege zeigt diese Zahl, wie sehr die hohen Kraftstoffpreise sein Unternehmen treffen. Vom seit Anfang Oktober geltenden Tankrabatt, der den Kraftstoff steuerlich um 16,7 Cent je Liter verbilligen soll, erwartet er deshalb keine grundlegende Entlastung. „17 Cent sind nur ein Teil von dem, was wir zahlen“, sagt Böttger.

Seit Anfang Oktober gilt ein Steuernachlass von 16,7 Cent je Liter auf Benzin und Diesel. Doch der Effekt des Tankrabatts ist bereits wieder kleiner geworden. Nach Angaben des ADAC kostete Diesel am Sonntag (4. Oktober) bundesweit im Schnitt 2,253 Euro je Liter – 0,9 Cent mehr als zum Start der Steuersenkung. Super E10 lag im Bundesschnitt bei 2,137 Euro und damit 2,3 Cent über dem Ausgangswert. Eine Verpflichtung der Tankstellen, die Steuersenkung vollständig an die Kunden weiterzugeben, gibt es nicht.

Hohe Kosten: Taxiunternehmen fährt nachts unter der Woche nicht mehr

Die Entlastung kommt bei den Betrieben im Werra-Meißner-Kreis nur begrenzt an. Taxiunternehmen, Pflegedienst und Handwerker berichten von deutlich höheren laufenden Kosten. Bei Taxi Herud ist das Problem besonders deutlich. Das Eschweger Unternehmen übernimmt unter anderem Rollstuhlfahrten, die von den Krankenkassen bezahlt werden. Dafür gibt es Sondervereinbarungen und Rahmenverträge, die jeweils für einen bestimmten Zeitraum gelten. Steigen die Dieselpreise, kann der Fahrpreis deshalb nicht einfach kurzfristig angepasst werden, erklärt Betreiber Marcus Böttger. Das Resultat: „Weniger Gewinn.“ Die gestiegenen Kosten schlagen damit direkt auf den Betrieb durch. Bei den Krankenkassen könne man zwar wegen einer Anpassung anfragen, eine schnelle Lösung gebe es aber nicht. „Gleichzeitig kann ich die Preise aufgrund der bestehenden Verträge nicht einfach erhöhen oder spontan von den Krankenkassen anpassen lassen“, ärgert sich Böttger.

Die hohen Kosten haben inzwischen auch Folgen für das Angebot. Unter der Woche fährt Taxi Herud nachts nicht mehr, weil sich diese Zeiten wirtschaftlich nicht mehr rechnen. Böttger rechnet damit, dass das Angebot dadurch dünner wird und Kunden teilweise länger auf ein Taxi warten müssen. Auch im ambulanten Pflegedienst Kleeblatt mit Standorten in Eschwege und Bad Sooden-Allendorf ist der Spielraum gering. Leiter Lars Behrend bezeichnet den Tankrabatt als „Tropfen auf den heißen Stein“. Die Mitarbeiter müssten ihre Patienten unabhängig vom Spritpreis erreichen. Gerade im ländlichen Raum seien die Wege lang.

Pflegedienste können Mehrkosten nicht weitergeben

„Am Monatsende reden wir hier über Mehrkosten im vierstelligen Bereich“, sagt Behrend. Weitergeben könne der Pflegedienst die Kosten nicht. Die Wegepauschalen seien mit den Krankenkassen fest vereinbart. „Wir als Betrieb fangen diese Kosten zu hundert Prozent alleine auf.“ Bei den Touren werde jeder Kilometer genau geplant. Viel mehr lasse sich nicht einsparen. Das zusätzliche Geld an der Tankstelle fehle deshalb etwa bei Rücklagen, neuen Fahrzeugen oder Investitionen in die Mitarbeiter.

Auch das Handwerk spürt die Entwicklung. Bei Elektro Langefeld in Wanfried ist die Tankrechnung laut Steffen Bachmann von rund 600 auf etwa 1000 Euro gestiegen. „Der Tankrabatt entlastet uns nicht wesentlich.“ Bei kurzen Anfahrten habe der Betrieb die Preise beibehalten, bei längeren Wegen seien die Kosten erhöht worden. Komplett auffangen lasse sich die Mehrbelastung aber nicht. Für die Betriebe ist klar: Der Tankrabatt kann die Kosten kurzfristig etwas drücken, löst aber das grundsätzliche Problem nicht. Vor allem Unternehmen, deren Mitarbeiter täglich auf der Straße unterwegs sind, können ihren Kraftstoffverbrauch kaum reduzieren. (Theresa Lippe)