Teilzeitquote erreicht Höchststand in Österreich


Arbeitsmarkt

Teilzeitquote erreicht Höchststand in Österreich

Die Quote steigt auch bei Männern, Frauen liegen über 50 Prozent. Das ist der höchste Stand der letzten 20 Jahre, während ein Karriereportal mehr Vollzeitstellen meldet

Gregor Metz

Die Gesamtbeschäftigung hat sich mit nach wie vor 4,5 Millionen Beschäftigten im zweiten Quartal 2026 nicht geändert. Alles beim Alten? Nicht ganz. Der große Shift liegt in der Arbeitszeit. Auf ein Minus von etwa 57.000 Vollzeitbeschäftigten kommt ein fast ebenso großer Zuwachs in der Teilzeit. "Damit setzt sich der Trend zur Teilzeitarbeit nach einem Rückgang im Jahr 2025 weiter fort", erklärt Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria. Dadurch sank die vertraglich vereinbarte Regelarbeitszeit im Vergleich zum zweiten Quartal 2025 um 0,2 Stunden. Somit wurde der Höchststand von 2024 erneut erreicht.

Ein kleines blondes Mädchen isst einen Apfel und schaut auf einen Laptop auf einem Tisch. Im Hintergrund sitzt eine Frau in einem gelben Oberteil, sieht auf ihr Smartphone und lehnt sich auf einer Couch zurück. Auf dem Tisch befinden sich bunte Spielzeuge, Kopfhörer und ein Notizbuch. Haustümliche Umgebung.
Frauen sind vor allem aufgrund von Betreuungspflichten häufiger in Teilzeit.

Andere Meldungen stimmen hoffnungsvoller. Das Jobvermittlungsportal Karriere.at verzeichnet für denselben Zeitraum einen steigenden Anteil der Vollzeitstellen entgegen dem Trend der letzten Jahre. 2025 war erstmals seit Jahren der Vollzeit-Anteil an den offenen Stellen gestiegen, erklärt CEO Georg Konjovic. Ein steigendes Angebot an Vollzeitstellen allein reicht jedoch laut Arbeiterkammer (AK) nicht aus, um Vollzeitarbeit langfristig zu stärken. Besonders für Frauen ist der unzureichende Ausbau von Kinderbetreuung und Pflege ein Hindernis, betont Ines Stilling, Bereichsleiterin Soziales von der AK Wien.

Aus den Daten des AMS geht zusätzlich ein starkes Missverhältnis zwischen Arbeitslosen und offenen Stellen hervor. Im August trafen 310.000 Arbeitslose auf 80.000 sofort zu besetzende Stellen – auf jede offene Stelle fallen also etwa vier Bewerber. Das liegt laut Schilling vor allem an dem Mismatch zwischen den Qualifikationen der Arbeitssuchenden und den Anforderungen der offenen Stellen. Um diese Vermittlungsschwierigkeit nachhaltig zu beheben, fordert die AK Angebote an Qualifizierungen, um Arbeit suchenden Menschen Chancen auf eine gute und nachhaltige Beschäftigung zu bieten.

Schwierige Jobvermittlung

Alles das betrachtet das Bundeswirtschaftsministerium argwöhnisch. Dort wolle man Arbeitszeitverkürzungen "ohne triftige Gründe" möglichst verhindern. Deshalb plane die Bundesregierung Maßnahmen wie die Aktivpension, mit der Pensionisten ab 2027 jährlich bis zu 15.000 Euro steuerfrei verdienen können sollen. Es brauche wieder "mehr Menschen, die anpacken", erklärt Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer auf Anfrage.

Stilling bemängelt ihrerseits die oftmals fehlenden Ausbildungsplätze: Wenn Unternehmen nach Fachkräften rufen, müssen sie diese auch ausbilden, erklärt sie auf Anfrage des STANDARD. Auch gebe es weiterhin ungenützte Potenziale auf dem Arbeitsmarkt, etwa bei Älteren, Langzeitarbeitslosen, aber auch Frauen und Menschen mit Migrationsgeschichte. Die höhere Teilzeitquote von Frauen liegt laut Wifo-Institut indes vor allem an privaten Betreuungspflichten. Um die Vollzeitbeschäftigung bei Frauen nachhaltig zu stärken, brauche es daher hochqualitative Betreuungsangebote und eine geschlechtergerechtere Verteilung von Sorgearbeit, so die AK Wien. Wie das Sozialministerium fordert die AK ein Recht auf Aufstockung für Menschen in Teilzeit, ab einer gewissen Mehrstundenleistung.

Folge der Wirtschaftsentwicklung

Mit der steigenden Teilzeitquote setzt sich der Trend zu kürzeren Regelarbeitszeiten fort. Das gesunkene Normalarbeitsvolumen von 35,4 Stunden pro Woche kann laut Wifo eine Folge der schwachen Wirtschaftsentwicklung im zweiten Quartal 2026 sein. Vor allem aufgrund hoher Energiepreise verzeichnete die Statistik Austria in einer vorläufigen Berechnung erstmals seit sechs Quartalen aufeinanderfolgenden Wachstums ein kleines Minus von 0,1 Prozent.

Aber auch umfassendere, strukturelle Belastungen erschweren den österreichischen Aufschwung. Neben staatlichen Einsparungen dürfte die Wirtschaftsentwicklung auch wegen der andauernden Hitzeperioden im dritten Quartal schwach bleiben. Eine Studie der Allianz schätzt, dass Europa klimabedingt bis 2030 auf fünf bis sieben Prozent BIP-Wachstum verzichten muss. In Geld ausgedrückt musste allein die österreichische Landwirtschaft heuer Schäden von einer Milliarde Euro hinnehmen. Klima und Energieunsicherheit erschweren somit die wirtschaftliche Erholung. (Gregor Metz, 4.9.2026)

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