Tipps für den Feierabend – zum Lesen, Hören, Anschauen
Was zum Lesen:
Die Kardashians sind hart im Nehmen. Wenn man ihnen vorhält, wie in einer US-Talkshow geschehen, dass sie eigentlich gar nichts wirklich können, nicht singen, tanzen oder schauspielern, antworten sie einfach nur: „Aber wir sind trotzdem unterhaltsam.“ Und das haben sie perfektioniert. Groß geworden im TV (die Serie „Keeping Up with the Kardashians“ kennt jeder, zumindest dem Namen nach) schafften sie den Sprung in die neuen Medien. Sie sind die ersten großen Stars des Instagram-Zeitalters und halten sich konstant an der Spitze der Aufmerksamkeitsökonomie. Wie geht das?
Die Autorin und Psychotherapeutin MJ Corey (ein Pseudonym) beobachtet und analysiert seit Langem als eine Art Metainfluencerin die Kardashians und hat damit selbst Hunderttausende Follower angesammelt. Ihre Erkenntnisse teilt sie nun in einem Buch und beleuchtet die Mechanismen hinter dem Erfolg, angereichert mit Ansätzen von Medientheoretikern und Philosophen wie Jean Baudrillard, Pierre Bourdieu oder Thorstein Veblen. Unterhaltsam zu lesen – wie meist, wenn große Theoretiker auf Trashkultur losgelassen werden.
MJ Corey: Dekonstructing the Kardashians: A New Media Manifesto. Pantheon, 464 Seiten, 22,99 Euro.
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Was zum Hören:
Der Film „Artificial“ über OpenAI-Boss Sam Altman (41) und den ewigen Disruptor Elon Musk (55) hat es aktuell angesichts seines hohen Kritikpotenzials schwer, in der von Techbossen regierten Medienwelt einen Streaminganbieter zu finden. In der Zwischenzeit kann man sich schon mal die sechs Folgen anhören, die das Autorenteam um den freien Journalisten Fritz Espenlaub für den Deutschlandfunk produziert hat.
Die Macher haben jede Menge Material gesichtet, darunter alte Videos mit Auftritten der beiden Amerikaner, und erzählen bisweilen szenisch, wie sich die Mission von OpenAI seit seiner Gründung 2015 immer mehr Richtung Money verschob, wie ChatGPT immer besser und zugleich das Verhältnis zwischen Musk und Altman immer schlechter wurde. Dem legendären Wochenende, an dem Sam Altman kurzzeitig gefeuert wurde, widmen sie eine ganze Folge. Und nähern sich am Ende der Frage: Wie behält der Mensch beim Thema KI die Kontrolle?
Die Autoren hatten 2025 schon die „Peter Thiel Story“ recherchiert, die mit diversen Preisen ausgezeichnet wurde. Auch diese Geschichte erzählen sie wieder gewohnt leichtfüßig und facettenreich – und untermalt mit einer angemessen dramatischen Soundkulisse, die ein wohliges Unbehagen auslöst.
Den „OpenAI Story“-Podcast gibt es hier .
Was zum Schauen:
Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt, jeder kann sich Coach nennen. Was umso heikler ist, da in der Coachingsituation immer auch Macht und Einfluss eine Rolle spielen – und, im Extremfall, sogar echte Manipulation. Wie daraus ein System von Abhängigkeit entstehen kann, zeigt die Journalistin Caroline Hoffmann anhand der Liberator Academy des Life-Coaches Markus Streinz (38). Er tritt mit dem Versprechen an, Traumata zu heilen und Halt zu geben, und führt seine Mitglieder dann, so der Vorwurf, offenbar in eine derartige Abhängigkeit, dass sie sich sogar freiwillig quälen lassen sollen.
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Die Dokumentation ist kein Feuerwerk mit schnellen Schnitten, sondern lebt davon, Aussteiger und Psychologinnen lange und ruhig erzählen zu lassen. Der Zuschauer kann nachvollziehen, wie Menschen in so ein System hineinrutschen – und wie sie wieder herausfinden können.
Die Dokumentation „Manipulation: Wenn Coaching zur Gefahr wird“ gibt es in der ARD-Mediathek .