Wespen im Café: Zuschlagen oder Ruhe bewahren?
Es gibt Sachverhalte, von denen man weiß, dass sie wissenschaftlich gesichert sind, und an die man trotzdem nicht glaubt. Wir glauben zum Beispiel nicht daran, dass Wespen einen stechen, wenn man nach ihnen schlägt. Unser Leben lang schon machen wir das, und unsere Erfahrung ist: Erwischt man die Viecher nur fest genug, hauen sie ab und kommen nie wieder.
Man sollte das natürlich trotzdem nicht machen, schon allein, weil es für die Tiere nicht so schön ist. Aber wie hat es Jens Spahn gesagt: Das eine ist die reine Lehre, das andere das echte Leben. Und es ist eben auch für uns nicht so schön, wenn die Wespen im Café in unserem Müsli sitzen. Natürlich könnten wir auch ruhig bleiben, wie es Eltern mit panischen Blicken ihren Kindern immer empfehlen, aber dann bleiben die Viecher doch einfach sitzen. Wir würden ihnen ja ihr eigenes Müsli bestellen, aber dafür sind diese ach so intelligenten Tiere dann doch wieder nicht clever genug.
Schön in den leeren Innenbereich zurückziehen
Am Nebentisch im Café hat kürzlich ein Mann aufgeschrien, eine Wespe hatte sich in seinen Kaffee gestürzt und ihm dann in die Zunge gestochen. Er streckte die Zunge raus, der Stachel ragte Richtung Himmel. Ein kräftiger Schlag zur rechten Zeit hätte ihn vielleicht vor diesem Schicksal bewahrt.
Aber wie gesagt, wir wollen nicht zur Gewalt aufrufen, schon allein aus karrieristischen Motiven: Spahn hat es mit seiner Argumentation ja auch nicht allzu weit gebracht. Wir empfehlen deswegen eher, dass man den Wespen das Feld überlässt: Als Caféprofi setzt man sich aktuell nicht auf die Terrasse, wo die Plätze zu dieser Jahreszeit sowieso umkämpft sind und es viel zu heiß ist, sondern in den schön leeren Innenbereich. Durch die Fenster kann man dann die Caféamateure beobachten, die verzweifelt gegen die Wespen kämpfen. Und die Sonne genießt man weiter, sobald das Müsli leer ist.
Sonst gäbe es nichts zu meckern
Die Cafégäste, die im Sommer schlecht gelaunt draußen sitzen, sind dieselben, die im Frühjahr schlecht gelaunt drinnen sitzen, in dem stickigen, viel zu lauten Innenbereich, obwohl sie sich nur etwas dicker anziehen müssten, um die ersten Sonnenstrahlen des Jahres zu genießen. Aber dann hätten sie nichts zu meckern, und das machen wir doch alle so gern: viel zu laut, viel zu stickig, oder eben zu nass, zu kalt, zu windig, zu heiß. Zu viele Wespen.
Uns hat die Haltung eines Israelis da besser gefallen, mit dem wir mal ein paar Monate auf einem Hippie-Campingplatz in Australien lebten. Alles war herrlich dort, jeden Abend wurde gefeiert, tagsüber gesurft, immer schien die Sonne, gearbeitet hat niemand. Allerdings wurde man am Tag gefühlt von Hunderten Mücken gestochen, es war völlig normal, dass einem das Gegenüber während eines Gesprächs mit der flachen Hand ins Gesicht schlug, um einen vor Stich 101 zu retten. Man bedankte sich und redete weiter. Eines Abends sagte der Israeli also: „Wisst ihr, warum es hier so viele Mücken gibt?“ Fragend blickten wir ihn an. „Weil das sonst das Paradies wäre.“