Universitäten: Stiftung sieht Antisemitismus an Hochschulen mit Sorge
85 Prozent der befragten jüdischen Studierenden in Deutschland haben einer Umfrage zufolge schon einmal ihre jüdische Identität verborgen. Das geht aus dem Lagebild der Amadeu Antonio Stiftung zur Situation an deutschen Hochschulen hervor. Damit liegt der Anteil über den Vergleichswerten für Europa mit 80 Prozent und weltweit mit 78 Prozent. Zudem gab rund jeder dritte Befragte an, jüdische Kommilitonen zu kennen, die körperlich bedroht wurden. Die Erhebung ist nicht repräsentativ und die Daten sind mehr als ein Jahr alt.
Die Zahlen basieren auf einer Umfrage der amerikanischen Organisation „Anti-Defamation League“, die sich eigenen Angaben zufolge gegen die Diskriminierung von Juden einsetzt. In die Auswertung für Deutschland flossen die Antworten von 205 jüdischen Studierenden ein, die angaben, an einer deutschen Hochschule zu studieren.
Wie die Stiftung auf Basis einer Erhebung des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) mitteilte, wurden zwischen 2022 und 2025 insgesamt 1.056 antisemitische Vorfälle an Hochschulen gemeldet. Dabei zeigt sich ein deutlicher Anstieg: Waren es 2022 noch 23 Fälle, stieg die Zahl 2023 auf 151 und 2024 auf 458. Im vergangenen Jahr wurden 424 Vorfälle gemeldet.
Mit dem Lagebild untersucht die Amadeu Antonio Stiftung einmal bis zweimal im Jahr die Entwicklung von Antisemitismus in Deutschland, jeweils mit unterschiedlichen Schwerpunkten. In diesem Jahr stehen die Hochschulen im Mittelpunkt.
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Stiftung: Deutsche Hochschulen als Ort „antisemitischer Mobilisierung“
Durch die psychische und körperliche Gewalt gegen Juden sieht die Stiftung die Bildungs- und Wissenschaftsfreiheit bedroht. Seit dem 7. Oktober 2023 hätten sich deutsche Hochschulen zu einem „zentralen Ort antisemitischer Mobilisierung“ entwickelt, sagt Nikolas Lelle von der Amadeu Antonio Stiftung.
Vor drei Jahren hatten Kämpfer der Hamas und anderer extremistischer Organisationen rund 1.200 Menschen in Israel getötet und mehr als 250 weitere als Geiseln nach Gaza verschleppt. Der beispiellose Überfall löste den Gaza-Krieg aus.
Lelle sprach sich für verbindliche Schutzkonzepte an den Hochschulen aus. Dazu gehöre die Einsetzung eines Antisemitismusbeauftragten. Auch Fortbildungen gegen Antisemitismus müssten verbindlich werden. Die Amadeu Antonio Stiftung hat ihre 23. Aktionswochen gegen Antisemitismus unter dem Motto „Für einen Campus ohne Judenhass“ gestartet. Bis November sind bundesweit rund 250 Veranstaltungen an Universitäten gegen Antisemitismus geplant.
© dpa-infocom, dpa:261006-930-797580/1
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