Streit in der Union: Merz‘ Kabinettsumbau sorgt für massive Unruhe in den Reihen
Unruhige Zeiten: Kabinettsumbau von Merz löst Debatte über „Planlosigkeit“ aus
Stand: 25.07.2026, 20:22 Uhr
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In der Union wächst der Unmut über den laufenden Kabinettsumbau von Friedrich Merz: Nach dem geplatzten Schritt gegen Schnieder bleiben weitere Entscheidungen in der Schwebe.
Berlin – Mit dem jüngsten Abgang von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef kam die Personal-Rochade des Bundeskanzlers Friedrich Merz in Schwung. Merz präsentierte im Kanzleramt Gesundheitsministerin Nina Warken als neue Kanzleramtschefin und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als ihren Nachfolger im Gesundheitsministerium. Digitalstaatssekretär Philipp Amthor wird neuer Bund-Länder-Beauftragter im Kanzleramt, und ersetzt damit den fast doppelt so alten Michael Meister.

Profiteur und designierter Nachfolger Spahns, Thorsten Frei, nannte den Umbau des Kabinetts eine Folge von Pech. Doch neben den bereits bestätigten Positionswechseln, sorgt besonders eine Personalie derzeit innerhalb der Union für Spannungen. Es halten sich hartnäckig Gerüchte, wonach der Kabinettsumbau auch weitere Minister betreffen könnte.
Brisante SMS enthüllt: Schnieder kündigte bereits sein Aus an
Spahn raus, Frei für Spahn, Warken für Frei, Linnemann für Warken und Amthor für Meister: So weit der Stand der Dinge, doch weiterhin unklar ist, was mit Patrick Schnieder passiert. Wie die dpa berichtet, zog eine SMS des 58-jährigen Schnieder in der Unionsfraktion ihre Kreise. Darin heißt es: „Der Bundeskanzler hat mir gestern am späten Nachmittag mitgeteilt, dass er mich als Verkehrsminister entlassen wird. Heute Morgen um 9.00 Uhr wird er dies u. a. in einer Pressekonferenz öffentlich machen. Ich wollte Euch vorher informieren.“ Schnieder bedankt sich bei den Abgeordneten für die Zusammenarbeit. „Vielen Dank für Eure großartige Unterstützung!“ Die Nachricht liege der dpa vor.
Am besagten Pressetermin dann die Überraschung: Merz entließ Schnieder nicht, erklärte lediglich: „Es wird weitere Veränderungen im Bundeskabinett geben“. Bei der gemeinsamen Erklärung mit den Neuen in Kabinett und Kanzleramt betonte er: „Darüber werde ich Sie zu gegebener Zeit informieren.“ Journalistenfragen ließ er beim Pressetermin ebenfalls nicht zu. Die Gerüchteküche brodelt bereits, wonach Schnieders Aufschub einen recht pragmatischen Grund hatte.
Merz erneut in Personalschwierigkeiten: Kanzler kassiert Minister-Absage
Dass der Kanzler dazu schwieg, liegt offensichtlich daran, dass der vorgesehene Nachfolger, CDU-Bundestagsabgeordneter Fritz Güntzler, kurzfristig am Morgen abgesagt haben soll. Kurz vor dem für 9.00 Uhr angesetzten Verkündungstermin des Kanzlers, soll Merz die Absage erreicht haben. Als möglicher neuer Nachfolgekandidat Schnieders wird der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Steffen Bilger, gehandelt. Er saß jahrelang im Verkehrsausschuss und gilt als ausgewiesener Experte. Thorsten Frei erklärte bereits, es könne in der Spitzenpolitik passieren, dass ein geplanter Personalwechsel kurzfristig scheitere.
Einige Stunden nach den Meldungen um Schnieders Aus, folgten bereits Reaktionen, etwa vom Generalsekretär der CDU Rheinland-Pfalz, Johannes Steiniger: „Die Entscheidung des Bundeskanzlers hat uns überrascht. Patrick Schnieder hat sein Amt mit hoher Kompetenz, Leidenschaft und Verantwortungsbewusstsein ausgeübt“, sagte Steiniger, der für die Union im Bundestag sitzt. Schnieder habe sich mit ganzer Kraft für eine moderne und leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur in Deutschland eingesetzt.
Reiche und Schenderlein vor dem Aus? In der CDU rumort es
Wann Merz die nächsten Personalentscheidungen verkünden wird, ist noch offen. Nach Informationen der dpa könnte es auch weitere Veränderungen im Kanzleramt geben. Im Gespräch ist, dass die Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein abgelöst werden soll. Außerdem berichtet Politico von Spekulationen, nach denen ein Aus für Wirtschaftsministerin Katherina Reiche droht. Demnach sei Friedrich Merz unzufrieden mit ihr, und Digitalminister Karsten Wildberger werde bereits als Nachfolger gehandelt.
Der Bundeskanzler sagte zu den von ihm in Aussicht gestellten weiteren Veränderungen, diese brauchten „nicht zuletzt angesichts der Sommerpause noch ein paar Tage und vielleicht auch mehr Zeit“. Das entscheide er „ohne Zeitdruck und mit der gebotenen Sorgfalt und den Gesprächen, die dazu notwendig sind“.
Union nennt Merz’ Vorgehen „chaotisch“ – nächste Personalien offen
Bereits am Mittwoch hatte Merz in Abstimmung mit CSU-Chef Markus Söder den bisherigen Kanzleramtschef Thorsten Frei als Fraktionschef vorgestellt. Schon zu diesem Zeitpunkt war erwartet worden, dass sich ein größerer Personalumbau ereignen könnte. Dass das nicht der Fall war, wurde in Regierungskreisen damit begründet, dass die Aufmerksamkeit sich zunächst auf die Fraktion richten solle.
| Das sind die Änderungen im Kabinett Merz | |
|---|---|
| Kanzleramt: | Nina Warken für Thorsten Frei |
| Fraktionschef: | Thorsten Frei für Jens Spahn |
| Gesundheitsministerium: | Carsten Linnemann für Nina Warken |
| Staatsminister für die Bund-Länder-Beziehung: | Philipp Amthor für Michael Meister |
Nun geht es in die zweite Verlängerung: In der Union wird das Vorgehen als „planlos“ und „chaotisch“ beschrieben. Vergleiche mit der Sommerpause 2025 werden gezogen, als der Streit um die Besetzung eines Richterpostens am Bundesverfassungsgericht zu einer Koalitionskrise führte. Jetzt geht es um Personalien, die zunächst nur einen Koalitionspartner unmittelbar betreffen. Die Ernennung der Bundesminister erfolgt Regierungskreisen zufolge am nächsten Mittwoch. Die Vereidigung ist für die erste Sitzungswoche des Bundestags im September geplant. Das ist ein ungewöhnliches Vorgehen. Im Kanzleramt hält man es aber für rechtlich abgesichert.
Kabinett-Rochade bei Merz: Warken rückt ins Kanzleramt, Amthor steigt ebenfalls auf
Merz hingegen verteidigt alle bisherigen Personalentscheidungen, und ordnet sich der Prämisse unter, „weiter das Beste für unser Land zu wollen und zu erreichen“. Mit Nina Warken holt er sich eine Ministerin ins Kanzleramt, die mit dem Sparpaket der gesetzlichen Krankenversicherung gerade einen wichtigen Reformschritt gegangen ist.
Linnemann hatte schon nach der Bundestagswahl die Chance, ins Kabinett zu wechseln, ließ sie aber ungenutzt. Er war bereits vor der Wahl als Ressortchef eines Superministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Soziales im Gespräch. Zur Fusion der wichtigen Ministerien kam es nicht. Linnemann hätte trotzdem ins Kabinett wechseln können, entschied sich aber für die Parteizentrale.
Er erklärte im Mai 2025: „Wäre er als Gesundheitsminister aufgestellt worden, „wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen. Die Leute hätten gesagt: „Warum wird der Gesundheitsminister? Was hat der damit zu tun?“ Damals stellte er klar: „Deswegen, Schuster bleib bei deinen Leisten. Mach das, was du kannst.“ Zitiert ntv. Dennoch wird er nun als Gesundheitsminister mitten in den Reformprozess einsteigen. (Quellen: dpa, AFP, Politico, ntv, frühere Berichterstattung) (kox)