Unser Feind, die Medien
Stand: 03.10.2026, 19:54 Uhr
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Die Bilder gleichen sich – in den USA beschimpft Präsident Donald Trump Medienvertreter und würde sie am liebsten aus dem Weißen Haus werfen, in Deutschland versucht die AfD, Journalistinnen und Journalisten systematisch einzuschüchtern. Und macht ihr eigenes Fernsehen auf.
Politiker und Journalisten – wenn sie aufeinandertreffen, herrscht in einer funktionierenden Demokratie wie der deutschen selten Harmonie. Schließlich gelten Medien als „vierte Gewalt“. Doch schon seit einiger Zeit lässt sich im Verhältnis der beiden Seiten nicht mehr einfach von „Disharmonie“ sprechen oder von persönlichen Animositäten zwischen einzelnen Akteuren, wie es sie immer wieder einmal gab, etwa zwischen dem damaligen Kanzler Helmut Kohl und dem „Spiegel“. Das Klima ist extrem rau geworden, vor allem seit dem Erstarken der AfD. Deren Vertreter (und viele ihrer Wählerinnen und Wähler) sprechen gerne von der „Lügenpresse“, gemeint ist damit auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk.
Ähnliches lässt sich in den USA beobachten, wo sich, seitdem dort Donald Trump regiert, Journalistinnen und Journalisten teils sogar massiven persönlichen Beschimpfungen und Beleidigungen (“Ruhe, Schweinchen!“) ausgesetzt sehen. Zuletzt verbannte der amerikanische Präsident wie berichtet unliebsame Medien, darunter immerhin den Sender CNN, gleich ganz aus dem Weißen Haus – bevor ein Bundesrichter das Zugangsverbot bis auf Weiteres aufhob.
Sind Trumps Attacken auf die Medien typisch für seinen autoritären Regierungsstil oder doch eine Art „Notwehr“ angesichts einer unfairen Berichterstattung? Ist die Kritik der AfD in Deutschland an den „Systemmedien“ berechtigt, die, so ihr Vorwurf, alle dasselbe schreiben und senden? Der Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Schweiger widerspricht: „Gerade der Printbereich ist in Deutschland nach wie vor sehr vielfältig, alle wichtigen politischen Positionen werden repräsentiert.“ Auch die Öffentlich-Rechtlichen gäben verstärkt konservativen Stimmen einen Raum. Allerdings, so Schweiger, der an der Universität Stuttgart in Hohenheim lehrt, habe in der jüngeren Vergangenheit – vor allem in der Zeit der Großen Koalition unter Angela Merkel – die Kontrolle der Regierenden durch die Medien nicht immer funktioniert, beispielsweise zu Zeiten von Corona.
Gerade der Printbereich ist in Deutschland sehr vielfältig
Klassische Medien verlieren Publikum
Ein Wendepunkt in der Akzeptanz? Der Grund, ihnen nicht länger zu vertrauen? Tatsache ist, dass die klassischen Medien schon länger Publikum verlieren. Das Internet macht‘s möglich, alternative Anbieter sind auf dem Markt, der Journalismus alter Schule hat nicht mehr das Monopol. Donald Trump betreibt seinen eigenen Kanal „Truth Social“ und initiierte erst vor wenigen Tagen den Sender „Trump TV“. Deutsche Politiker jeder Couleur äußern sich gerne bei Elon Musks Plattform X, dem einstigen Twitter. Auf der anderen Seite wurden auch in Deutschland bereits Medienvertreter von Parteitagen oder Pressekonferenzen ausgeschlossen.

Wenn Fakten keine Rolle spielen
AfD-Politiker vertrauen lieber auf AfD-TV auf Youtube, kritische Fragen müssen sie da nicht fürchten. Klassische Parteiorgane seien allerdings nichts Neues, betont Kommunikationswissenschaftler Schweiger, sondern bereits im 20. Jahrhundert Bestandteil der Presselandschaft gewesen, etwa Blätter wie der „Vorwärts“ (SPD), der „Völkische Beobachter“ (NSDAP) oder der „Bayernkurier“ (CSU). Lösen die neuen alternativen Medien den klassischen Journalismus langfristig ab? „Nein“, ist sich Schweiger sicher: „Die Forschung zeigt, dass ihre Reichweiten in den vergangenen Jahren kaum gestiegen sind. Sie werden im Wesentlichen von den Sympathisanten der jeweiligen Partei genutzt.“ Eine kritische Auseinandersetzung mit den Zielen der jeweiligen Politik finde dort kaum statt: „Fakten werden entweder nicht zur Kenntnis genommen oder verdreht.“
Dennoch sei der Einfluss solcher Plattformen nicht zu unterschätzen, sie bestimmten den gesellschaftlichen Diskurs mit. „Man sieht ja, dass mittlerweile sogar Politikerinnen und Politiker der Union Narrative verbreiten, die ihren Ursprung bei den alternativen Medien haben wie etwa ,Nius‘“. Das zeige unter anderem die Kampagne um die Verfassungsgerichtskandidatin Frauke Brosius-Gersdorf. Zeitungen wie „Bild“ und „Welt“ übernähmen Themen von rechtsalternativen Plattformen, andere Medien könnten diese Themen dann auch nicht länger ignorieren.
Und ARD und ZDF? Ulrich Siegmund, AfD-Wahlsieger in Sachsen-Anhalt, will im Fall der Regierungsübernahme die Rundfunkstaatsverträge kündigen. Um die flächendeckende Präsenz genau der Sender einzuschränken, in deren Formaten die führenden Köpfe der Partei allerdings doch nach wie vor gut vertreten sind.