GTA Online sollte nicht vor 2028 kommen - ich sag euch auch, warum
Unser Hot Take der Woche: GTA Online sollte nicht vor 2028 kommen - ich sag euch auch, warum
Ein neuer GTA Online könnte Jason und Lucia schnell verdrängen. Deshalb wäre ein späterer Start für GTA 6 und Rockstar die bessere Lösung.
Auf GTA 6 wartet gefühlt die halbe Gaming-Welt. Am 19. November 2026 soll es endlich so weit sein, dann geht es zurück nach Vice City und gemeinsam mit Jason und Lucia durch den Bundesstaat Leonida. Nach all den Jahren, Trailern, Verschiebungen und Gerüchten wissen wir inzwischen zumindest halbwegs, was uns erwartet. Nur bei einem Punkt hält sich Rockstar weiterhin auffällig bedeckt: GTA Online.
Dass es früher oder später einen Nachfolger des aktuellen Online-Modus geben wird, dürfte niemand ernsthaft bezweifeln. Dafür ist GTA Online viel zu erfolgreich und viel zu wichtig für Rockstar geworden. Wann der neue Multiplayer startet, ob er direkt mit GTA 6 (jetzt kaufen 78,99 € ) verbunden ist oder irgendwann später als eigenes Ding kommt, wissen wir aber schlicht nicht. Viele Spieler dürften hoffen, dass Rockstar damit nicht lange wartet und wir möglichst schnell gemeinsam durch Vice City ziehen können. Ich hoffe tatsächlich auf das Gegenteil und würde sogar so weit gehen, zu sagen: Lasst GTA Online bis 2028 liegen!
Ja, das klingt erst einmal ziemlich drastisch, gerade wenn wir ohnehin schon ewig auf GTA 6 gewartet haben. Aber genau diese lange Wartezeit ist für mich einer der Gründe, warum Rockstar den Online-Modus nicht direkt hinterherschieben sollte. Ich will GTA 6 erst einmal als GTA 6 erleben und nicht schon nach ein paar Wochen darüber nachdenken, mit welcher Aktivität ich möglichst effizient mein nächstes digitales Penthouse finanziere.
PC Games - Hot Take der Woche
In unserem Hot Take der Woche präsentieren wir euch jeden Mittwoch eine starke Meinung aus der Redaktion, die ein bisschen aus der Reihe tanzt. Denn auch bei uns gibt es Ansichten, bei denen nicht alle sofort zustimmend nicken - weder in der Redaktion noch in unserer Community.
Manchmal findet jemand ein gefeiertes Spiel überschätzt. Manchmal nervt ein Fan-Liebling mehr, als er begeistert. Und manchmal ist genau das spannend: wenn eine Meinung nicht einfach dem folgt, was gerade alle sagen.
Unser Hot Take der Woche ist deshalb kein Versuch, euch etwas einzureden. Es ist ein Blickwinkel oder eine Meinung aus der Redaktion, der bewusst nicht dem Konsens folgt - und vielleicht gerade deshalb besonders spannend ist.
Lasst uns Vice City doch erst einmal kennenlernen
Für mich gehört zu einem neuen GTA vor allem dieses Gefühl, eine komplett unbekannte Welt vor die Nase gesetzt zu bekommen. Ich will irgendwo falsch abbiegen, weil eine Straße interessant aussieht, bei irgendeiner heruntergekommenen Tankstelle anhalten und schauen, ob dort etwas passiert, und irgendwann feststellen, dass ich seit zwei Stunden durch Leonida fahre, ohne auch nur einen Schritt in der eigentlichen Story vorangekommen zu sein. Genau solche Momente haben die Welten von Rockstar für mich immer ausgezeichnet.
Gerade beim ersten Durchspielen funktioniert das besonders gut, weil eben noch nicht alles durchgerechnet und katalogisiert ist. Natürlich wird auch GTA 6 innerhalb weniger Tage komplett auseinandergenommen, daran lässt sich im Jahr 2026 wenig ändern. Trotzdem macht es einen Unterschied, ob ich eine Welt hauptsächlich erkunde, weil ich neugierig bin, oder ob im Hinterkopf schon ständig die Frage mitläuft, welche Aktivität mir gerade am meisten Geld, Erfahrung oder irgendeine andere Form von Fortschritt bringt.
Ich will in aller Ruhe und ohne Druck Vice City erkunden.
Und genau da verändert ein Online-Modus die Art, wie wir spielen, ziemlich schnell. Plötzlich ist eine Bar nicht mehr nur interessant, weil dort vielleicht eine merkwürdige Nebenfigur oder eine kleine Geschichte wartet, sondern weil dort eine Mission startet, die besonders viele GTA-Dollar pro Stunde abwirft. Aus einer schönen Küstenstraße wird irgendwann die schnellste Route zwischen zwei Aktivitäten und aus dem abgelegenen Gebäude irgendwo im Nirgendwo der Ort, an dem wir für einen völlig absurden Betrag die nächste Garage kaufen dürfen.
Natürlich zwingt uns niemand dazu, GTA Online auf diese Art zu spielen. Wer länger in MMOs, Loot-Spielen oder eben GTA Online unterwegs war, weiß aber auch, wie schnell sich solche Dinge einschleichen. Nach wenigen Tagen gibt es die ersten Guides, kurz darauf die besten Farmrouten und irgendwann schauen wir nicht mehr neugierig auf die Karte, sondern überlegen vor allem, welcher Umweg sich überhaupt lohnt. Diese Phase kommt früh genug, sie muss für mich nur nicht direkt hinter dem Release von GTA 6 beginnen.
GTA Online würde Jason und Lucia ziemlich schnell die Show stehlen
Dazu kommt, dass GTA Online heute einen vollkommen anderen Stellenwert hat als beim Release von GTA 5. Als Rockstar den Modus 2013 startete, konnte vermutlich niemand außerhalb des Unternehmens wirklich abschätzen, was daraus einmal werden würde. Mehr als ein Jahrzehnt später ist GTA Online längst kein netter Multiplayer-Zusatz mehr, sondern für einen großen Teil der Spieler der eigentliche Kern von GTA 5.
Genau deshalb würde ein Nachfolger auch sofort eine gewaltige Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Nehmen wir an, GTA 6 erscheint im November und Rockstar öffnet im Dezember bereits die Tore von GTA Online. Worüber reden wir dann im Januar? Über Jason und Lucia, über interessante Nebenfiguren und all die kleinen Geschichten, die Rockstar in Leonida versteckt hat? Oder darüber, welches Auto gerade am schnellsten ist, wo sich am meisten Geld verdienen lässt und wie teuer das erste Luxus-Apartment ausfällt?
Jason und Lucia verdienen mindestens die gleiche Aufmerksamkeit wie Michael, Franklin und Trevor.
Ich würde mein Geld ziemlich eindeutig auf die zweite Variante setzen, und genau das wäre schade. Wir bekommen nur einmal die Gelegenheit, Jason und Lucia zum ersten Mal kennenzulernen und Vice City in dieser Form zu entdecken. Wenn GTA Online auch nur annähernd so erfolgreich wird wie sein Vorgänger, dann verbringen einige von uns anschließend wieder viele Jahre mit ihren eigenen Figuren in dieser Welt. Dagegen habe ich überhaupt nichts, aber der selbst erstellte Charakter mit fragwürdigem Modegeschmack darf ruhig noch ein bisschen warten, bevor er Jason und Lucia aus dem Rampenlicht drängt.
Rockstar hat Singleplayer und Multiplayer übrigens schon früher getrennt gestartet. GTA Online erschien 2013 rund zwei Wochen nach GTA 5, bei Red Dead Redemption 2 dauerte es ungefähr einen Monat, bis Red Dead Online in seine Beta ging. Das grundsätzliche Prinzip ist also nichts Neues, ich würde es bei GTA 6 nur deutlich konsequenter durchziehen. Zwei Wochen sind bei einem Spiel dieser Größenordnung praktisch nichts und selbst ein oder zwei Monate wären mir noch zu wenig.
Auch Rockstar hätte von einer größeren Pause etwas
Ein späterer Start würde dabei nicht nur dem Singleplayer guttun. Das erste GTA Online hatte 2013 gerade zu Beginn reichlich technische Probleme. Server waren überlastet, Fortschritte gingen verloren und Rockstar musste in den ersten Wochen einiges reparieren. Bei einem neuen GTA Online dürfte der Ansturm noch einmal in einer ganz anderen Größenordnung stattfinden, denn diesmal weiß jeder vorher, was Rockstar da ungefähr auf die Beine stellen will.
Warum also gleichzeitig einen der wahrscheinlich größten Singleplayer-Releases überhaupt und den Start eines ebenso riesigen Online-Spiels stemmen? Rockstar sollte sich zunächst komplett auf GTA 6 konzentrieren, mögliche technische Baustellen beseitigen und anschließend den Multiplayer ins Rennen schicken. Gleichzeitig bliebe zusätzliche Zeit, um Server, Balancing, Progression und vor allem die Wirtschaft des neuen GTA Online vernünftig aufzubauen.
Wir werden uns früh genug mit Heists und Co. beschäftigen.
Gerade Letzteres halte ich für wichtiger, als es auf den ersten Blick klingt. Das aktuelle GTA Online ist über die Jahre immer weiter gewachsen, die Preise wurden zunehmend absurder und neue Spieler stehen heute vor einem Berg aus Unternehmen, Fahrzeugen, Immobilien und Systemen. Ein kompletter Neustart wäre die Chance, das alles wieder auf eine vernünftige Basis zu stellen. Wenn dieser neue Online-Modus anschließend erneut zehn Jahre oder länger funktionieren soll, dann sollte Rockstar ihn lieber etwas später veröffentlichen, anstatt sich selbst irgendeine künstliche Deadline direkt hinter GTA 6 zu setzen.
Und auch aus wirtschaftlicher Sicht sehe ich wenig Grund zur Eile. GTA 6 wird Ende 2026 sowieso alles überstrahlen. Das Spiel braucht keinen gleichzeitig gestarteten Multiplayer, damit darüber gesprochen wird. Wahrscheinlich reicht schon irgendein NPC, der morgens seine Zeitung anders zusammenfaltet als am Nachmittag, damit daraus ein 20-minütiges Youtube-Video entsteht.
Wir sollten all die Figuren erstmal kennenlernen, bevor wir sie in GTA Online wiedersehen.
Viel cleverer wäre es aus meiner Sicht, diesen Hype erst einmal komplett auszukosten. GTA 6 erscheint, wir spielen die Kampagne, entdecken Leonida, suchen Geheimnisse und diskutieren über die Story. Wenn sich die erste große Welle irgendwann etwas gelegt hat, kann Rockstar den nächsten Trailer veröffentlichen, neue Features zeigen und GTA Online als eigenes großes Ereignis inszenieren. Im Grunde hätte man damit zwei riesige Releases, ohne zwei verschiedene Spiele veröffentlichen zu müssen.
Für reine Online-Spieler wäre das natürlich ziemlich mies
Der größte Haken an meiner schönen Theorie liegt allerdings auf der Hand. Es gibt genug Spieler, die sich für Jason, Lucia und die Kampagne nur am Rande interessieren und vor allem auf den Nachfolger von GTA Online warten. Denen nach mehr als einem Jahrzehnt Wartezeit zu erklären, dass ihr bevorzugter Teil von GTA vielleicht noch ein weiteres Jahr entfernt ist, dürfte ungefähr so gut ankommen wie die nächste Verschiebung von GTA 6.
Das kann ich vollkommen nachvollziehen, und wegdiskutieren lässt sich dieser Nachteil auch nicht. Allerdings verschwindet das aktuelle GTA Online nicht automatisch in dem Moment, in dem GTA 6 erscheint. Rockstar unterstützt den Modus bis heute und könnte ihn problemlos noch eine Weile am Leben halten, während sich der Nachfolger zunächst komplett auf seinen Singleplayer konzentriert. Für reine Online-Spieler wäre das immer noch nicht die Wunschlösung, aber zumindest müssten sie nicht plötzlich komplett auf GTA-Multiplayer verzichten.
Ob wir in GTA Online auch auf Jason und Lucia treffen?
Außerdem ist mir durchaus bewusst, dass mein Wunsch ein bisschen egoistisch ist. Im Grunde möchte ich, dass Rockstar Millionen Spieler länger auf einen Modus warten lässt, nur damit GTA 6 erst einmal genügend Raum bekommt, um als klassisches Singleplayer-GTA zu funktionieren. Trotzdem halte ich das für die bessere Lösung, denn irgendwann wird GTA Online ohnehin übernehmen. Wenn der Nachfolger ähnlich erfolgreich wird wie das aktuelle Spiel, dann reden wir hier nicht über ein paar Monate Multiplayer, sondern möglicherweise wieder über das nächste Jahrzehnt.
Und genau deshalb muss es am Ende auch nicht wortwörtlich 2028 sein. Die Jahreszahl in der Überschrift ist bewusst ein bisschen zugespitzt, zumal GTA 6 erst am 19. November 2026 erscheinen soll. Selbst ein Start Anfang 2028 würde also nur etwas mehr als ein Jahr Abstand bedeuten. Ob Rockstar den Online-Modus letztlich im Frühlin oder Sommer 2027, Anfang 2028 oder irgendwo dazwischen veröffentlicht, ist für meinen eigentlichen Punkt ziemlich egal.
Ich wünsche mir schlicht eine deutlich größere Pause als damals bei GTA 5 oder Red Dead Redemption 2. Gebt uns ein paar Monate, in denen Vice City wirklich nur Vice City ist, wir Jason und Lucia kennenlernen und Leonida noch nicht auf den effizientesten Weg zum nächsten Millionenbetrag reduzieren. GTA Online darf danach gerne wieder alles übernehmen und uns für die nächsten Jahre beschäftigen, aber nach dieser absurd langen Wartezeit sollte GTA 6 zumindest für eine Weile die Chance bekommen, ganz alleine GTA 6 zu sein. Danke fürs Zuhören. Weitermachen.