Voller Motivation in den Polizei-Job


Stand: 05.09.2026, 12:00 Uhr

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Am Montag wird Siri Schäffler ihr Studium bei der Polizei beginnen. Dafür hat sie ein mehrstufiges Auswahlverfahren durchlaufen. Zuvor hat sie das Beratungsangebot von Corina Weisbrod und ihren Kolleginnen angenommen.

Am Montag wird Siri Schäffler ihr Studium bei der Polizei beginnen. Dafür hat sie ein mehrstufiges Auswahlverfahren durchlaufen. Zuvor hat sie das Beratungsangebot von Corina Weisbrod und ihren Kolleginnen angenommen. © Nici Merz

Polizisten müssen viel aushalten können. Morgens wissen sie nicht, welche Szenarien die Schattenseiten der Gesellschaft heute für sie bereithalten. Siri Schäffler hat sich für diesen Job entschieden. Das Auswahlverfahren hatte es in sich, die junge Bad Nauheimerin hat bestanden. An diesem Montag wird sie bei der Polizei Hessen loslegen.

Bad Nauheim/Wetteraukreis – Siri Schäffler zählt zu denen, die sich vorbereitet haben. Das kann Gold wert sein und war es für die 20-jährige Bad Nauheimerin auch. Im April hat sie ihr Testverfahren abgelegt, und ab dem 7. September wird sie Polizistin sein.

Cop Challenge, Praktikum, Studium

Siri Schäffler hat bei der Cop Challenge für einen Nachmittag in den Polizeiberuf hineingeschnuppert. Diese Option haben Interessierte wieder am 16. Oktober bei der Bereitschaftspolizei in Lich. Es gibt noch freie Plätze. Schüler haben zudem die Möglichkeit, bei der Polizei ein Praktikum zu absolvieren. Mittelstufenschüler sind dann bei der Bereitschaftspolizei in Lich, Oberstufenschüler gehen mit auf Streife, solange es nicht brenzlig wird. Außerdem gibt es Jahrespraktika. Wer bei der Polizei Hessen arbeiten möchte, kann zwischen den Studiengängen Schutzpolizei, Kriminalpolizei und Cyberkriminalität wählen. Standorte sind Gießen, Mühlheim am Main, Wiesbaden und Kassel. Das Studium dauert drei Jahre und setzt sich aus theoretischen und praktischen Phasen zusammen. Am Ende eines jeden Moduls steht eine Klausur an, die man bestehen muss, spätestens im zweiten Versuch. Zum Schluss muss man die Bachelor-Thesis meistern. Im zweiten Semester wird Grundlagentraining vermittelt. Da geht es beispielsweise um Folgendes: Wie halte ich ein Auto an? Wie fülle ich eine Strafanzeige aus? Wie durchsuche ich eine Person oder ein ganzes Haus?

Beides ist nicht selbstverständlich: dass sich Bewerber vorbereiten und dass sie nach erfolgreichem Eignungsauswahlverfahren in Wiesbaden direkt eine Zusage bekommen. Corina Weisbrod hat jahrelange Erfahrung mit jungen Frauen und Männern, die sich bei der Polizei bewerben und es zielstrebig oder eben zu lässig angehen. Siri Schäffler sitzt – kurz vor dem Start ihres dualen Studiums – bei der Polizei in Butzbach. Neben ihr Corina Weisbrod und der Wetterauer Polizei-Pressesprecher Tobias Schwarz.

Man muss sich bewusst sein, welche Verantwortung man trägt, vor allem, wenn man eine Schusswaffe trägt.

Berüchtigter Achterlauf

Was motiviert die junge Bad Nauheimerin, was denkt sie in Zeiten, in denen man immer wieder von Gewalt gegen Polizisten hört und Extremismus um sich greift? Die 20-Jährige wirkt nicht so, als würde sie sich darüber den Kopf zerbrechen. Sie macht einen ruhigen, zielstrebigen Eindruck, hat sich bestens vorbereitet, gleich das Okay bekommen und setzt ansonsten darauf, dass sie im dreijährigen Studium ganz viel lernen wird.

Nach dem Abi 2025 an der Bad Nauheimer Ernst-Ludwig-Schule (ELS) ist Schäffler erst mal gereist, das Job-Ziel immer vor Augen. Auf die Prüfungen hat sie sich vorbereitet. Dafür gibt es Tipps von Weisbrod und ihren Kolleginnen. Dieses Angebot, so Weisbrod, sollte jede und jeder annehmen, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, die Prüfungen zu schaffen.

Die beiden Prüfungstage in Wiesbaden hielten für Siri Schäffler einiges bereit: erst den Computertest, bei dem es die höchste Durchfallquote gibt. Dann stand der Sporttest an, samt berüchtigtem Achterlauf. „Beim Sporttest denken viele ‚Ich bin sportlich, das wird kein Problem sein‘, aber den Achterlauf sollte man vorher mal üben“, sagte die Bad Nauheimerin. Wer den Sporttest besteht, nimmt an einem Gruppengespräch teil – zu einem bestimmten Thema und unter Beobachtung. Es folgen ein Einzelgespräch und schließlich der Medizincheck.

„Ich habe mir schon lange überlegt, bei der Polizei anzufangen. In den letzten Jahren hat sich das verfestigt“, sagt Siri Schäffler. „Der Polizeiberuf ist sehr, sehr vielseitig. Es wird nicht langweilig, es gibt so viele Bereiche, in die man gehen kann. Man kann Leuten helfen, sorgt für Sicherheit, kann viel bewirken. Es ist das Gesamtpaket.“ Diese Bereitschaft, zu helfen, bringt die junge Frau mit, was sich auch an ihrem Engagement für das Kindertraining im örtlichen Turnverein zeigt.

Klar werde es auch unangenehme Situationen geben, gerade am Anfang, sagt Schäffler. Dessen müsse man sich bewusst sein. Doch auch in der Familie und im Freundeskreis schlage ihr kein Unverständnis ob ihres künftigen Berufs entgegen.

„Bestimmte Situationen wirklich begreifen kann ich erst, wenn ich sie tatsächlich mal erlebt habe. Es geht schon damit los: Wie wirke ich als Polizei?“, macht Tobias Schwarz deutlich. Wer in Uniform unterwegs sei, werde angeschaut. Um auf alle Situationen, die da kommen können, optimal vorbereitet zu sein, deckt das Studium ganz viele Bereiche ab. Dazu gehört auch die vielleicht manchmal etwas graue Theorie, die aber die Basis für die Praxis darstellt.

Eine Polizistin, ein Polizist muss in jeder Lage wissen, was sie und er darf. „Man muss sich bewusst sein, welche Verantwortung man trägt, vor allem, wenn man eine Schusswaffe trägt“, sagt Siri Schäffler. Und man müsse wissen, was man einem renitenten Gegenüber androhen dürfe und sollte, denn im Zweifelsfall sei eine leere Drohung keine Option, erläutert Schwarz.

Siri Schäffler hat sich für den Studiengang Schutzpolizei entschieden. Studieren wird sie in Gießen. Sie könne sich gut vorstellen, später mal bei der Spurensicherung zu arbeiten, sagt sie. Was es letztlich werde, was ihr besonders liege, das werde sich mit der Zeit herauskristallisieren.

Die Polizei brauche nicht einen speziellen Typ Mensch, sagt Corina Weisbrod. Entschlussfreudigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Empathie und Teamfähigkeit sollte man aber mitbringen. „Wenn einen jede Kleinigkeit aus dem Gleichgewicht bringt, ist das nicht der richtige Beruf.“ Siri Schäffler wirkt nicht so, als geriete sie leicht aus dem Gleichgewicht. Gespannt schaut sie auf den 7. September: „Ich freue mich auf das ganze Studium.“