Von Kulturschock bis Heimatgefühl: Nur zum Weltkulturerbe? Das treibt Touristen nach Völklingen
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Von Kulturschock bis Heimatgefühl Nur zum Weltkulturerbe? Das treibt Touristen nach Völklingen
Völklingen · Ein Paar vom Niederrhein, zwei Familien aus Fulda, ein Rentnerehepaar aus Lübeck: Sie alle haben eines gemeinsam – sie machen mit ihren Wohnmobilen Kurzurlaub in Völklingen. Warum ausgerechnet hier, und was denken sie über die Stadt?
21.07.2026 , 07:00 Uhr
Was machen eigentlich Menschen, die mit ihrem Wohnmobil in Völklingen Station machen, vor Ort? Wo kommen sie her? Und was ist ihr Eindruck von Völklingen und dem Saarland? Christian Stuhlmüller (links) ist mit seiner Familie und der befreundeten Familie Florian (Mitte) und Veronika (rechts) Herschbach für zwei Nächte auf den Stellplätzen am Weltkulturerbe zu Gast.
Foto: Hannah Merk
Wenn es um Urlaubsziele geht, was fällt Ihnen da als Erstes ein? Mallorca vielleicht, Italien oder eine griechische Insel. In Deutschland möglicherweise die Ost- und Nordsee, der Schwarzwald oder das Allgäu. Völklingen ploppt bei den Allermeisten wohl nicht als Urlaubsziel im Kopf auf. Und doch gibt es sie, die Sommerurlauber in Völklingen. Eine beliebte Möglichkeit, unterwegs zu sein, ist das Reisen mit Wohnmobil oder Camper. Wir haben uns Mitte Juli auf zwei Stellplätzen in Völklingen umgeschaut und wollten wissen: Was hat die Touristen nach Völklingen verschlagen? Und wie nehmen sie die Stadt und die Umgebung wahr?
Besuch von Franks Wohnmobilstellplätzen
Im Herzen von Völklingen, in der Moltkestraße 58, befinden sich „Franks Wohnmobilstellplätze“. Die privaten Betreiber Frank und Anna Müller führen nebenbei auch Annas Wurstbude. Auf einem Kiesplatz dahinter befinden sich fünf Stellplätze, es gibt Strom, Wasser, WC-Entsorgungsmöglichkeiten und ein Toilettenhäuschen. Frank Müller schätzt, dass etwa 90 Prozent der Gäste für einen Besuch des Weltkulturerbes Völklinger Hütte nach Völklingen kommen, der Rest seien Durchreisende aus und nach Spanien, Italien, Holland und anderen Ländern. Viele blieben nur für ein bis zwei Nächte.
So auch Jörg und Heike Gerber (beide 60) vom Niederrhein, die es sich auf Klappstühlen an einem Tischchen auf dem Platz gemütlich gemacht haben. Das Paar kommt gerade von einer zweiwöchigen Reise zurück. Sie waren in Verona, wo sie Freunde getroffen haben – aber auch in Österreich, der Schweiz und am Bodensee haben die beiden Station gemacht. Zum Abschluss der Reise gab es, auf dem Heimweg, nun noch einen Besuch der Völklinger Hütte. Jörg Gerber war einmal eine Zeit lang in Ramstein stationiert und kennt die Gegend deshalb etwas. Von zu Hause kennen die beiden das UNESCO-Welterbe Zollverein, eine ehemalige Steinkohle-Zeche. Die sei „natürlich viel schöner“ meinen die beiden schmunzelnd, aber auch die Völklinger Hütte hat es ihnen angetan, die Führung sei interessant gewesen.
Jörg Gerber auf Franks Wohnmobilstellplätzen in Völklingen. Seine Frau Heike wollte lieber nicht mit auf das Bild.
Foto: Hannah Merk
Gefühle wie Zuhause in NRW
Dabei haben die beiden den Eindruck erlangt, dass sich die Menschen im Saarland und in Nordrhein-Westfalen ähnlich sind in ihrer Art, auf Menschen zuzugehen. Man komme schnell ins Gespräch bei einem Bierchen. Jörg Gerber ist erstaunt, wie tief diese gemeinsame Gesinnung, trotz der mittlerweile vergangenen Blütezeit der Montan- und Stahlindustrie, noch verankert sei. Dabei fühlt er sich an ein Sprichwort erinnert: „Bei uns hat man immer gesagt: ‚Es kommt nicht darauf an, wo du herkommst, sondern ob du arbeiten kannst’.“
Die beiden begeisterten Geocacher haben auch schon etwas mehr von der Stadt Völklingen gesehen und fühlen sich ebenfalls an Städte im Ruhrgebiet erinnert – nicht unbedingt nur im positiven Sinne, da sind sie ehrlich. Aber das Ehepaar nimmt es mit Humor: Sie hätten auf ihrer Reise schon genügend Weinberge gesehen, da sei der Kontrast auch mal ganz erfrischend. Eine Nacht wollen die beiden auf dem Stellplatz verbringen, auf dem sie sich sehr wohlfühlen.
Besuch beim Wohnmobilstellplatz an der Völklinger Hütte
Weitere Stellplätze für Wohnmobile gibt es direkt bei der Völklinger Hütte, auf dem großen, asphaltierten Parkplatz. Dort wurden, laut einer Sprecherin des Weltkulturerbes, in den Jahren 2024/2025 insgesamt 1491 Beherbergungen zwischen Juni und September auf den zwölf Stellplätzen gezählt, in der Regel für ein bis maximal zwei Nächte.
Sechs kleine Cityroller-Fahrer düsen auf dem Platz umher, auf dem zwei Wohnmobile nebeneinanderstehen, wo auch die Erwachsenen zusammensitzen. Die befreundeten Familien Herschbach und Stuhlmüller kommen aus Fulda und sind ebenfalls auf dem Heimweg aus dem Urlaub. Sie waren in Frankreich. Veronika Herschbach (38) hat eine Tante in Völklingen, ihr Onkel habe sogar in der Völklinger Hütte gearbeitet – nur so sind die Paare auf den Standort gekommen.
Christian Stuhlmüller (links) ist mit seiner Familie und der befreundeten Familie Florian (Mitte) und Veronika (rechts) Herschbach für zwei Nächte auf den Stellplätzen am Weltkulturerbe zu Gast.
Foto: Hannah Merk
Für Veronika Herschbachs Mann Florian (36), der ursprünglich aus Dresden kommt, ist das Saarland ein „leichter Kulturschock“. Von Völklingen hätten sie bisher vor allem den Globus-Markt gesehen. Das sei spannend, denn bei ihnen gebe es nur den Globus-Baumarkt und keine Lebensmittel. Auf den Besuch der Völklinger Hütte am nächsten Tag freuen sich alle. „Die Kinder haben eh keine Lust mehr auf ‚Städte anschauen’“, meint Florian Herschbach.
Ellen und Günter Schneiderath aus Bad Schwartau bei Lübeck sind auf dem Heimweg von einer siebenmonatigen Reise und machen Station am Weltkulturerbe.
Foto: Hannah Merk
Einen positiveren Blick auf die Gegend haben Günter und Ellen Schneiderath aus Bad Schwartau bei Lübeck, die ihr Wohnmobil gegenüber der beiden jungen Familien geparkt haben. Sie waren schon mal in Völklingen – auf dem gleichen Parkplatz. Den Ort und den Besuch der Völklinger Hütte hatten beide sehr positiv in Erinnerung. Deshalb ist es nun wieder dieser Stellplatz für die vorletzte Station vor der Heimat geworden – nach sieben Monaten im Wohnmobil und einer Reise bis nach Marokko. Der 66-Jährige und die 64-Jährige waren immer schon gern unterwegs und sind damals, bei ihrem ersten Besuch, halb durch Recherche, halb durch Zufall auf Völklingen gekommen.
Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist der unangefochtene Hauptanziehungspunkt für Touristen, die der Stadt einen Besuch abstatten.
Foto: dpa/Oliver Dietze
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Spaziergang durch die Völklinger Hütte
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Foto: Tobias Keßler
Völklingen als Durchreise-Stadt für neue Perspektiven
Insgesamt scheint Völklingen also tatsächlich – wie vermutet – für viele (Campingfreunde) eher eine Durchreisestation für einen Besuch der Völklinger Hütte zu sein. Aber ob Kulturschock oder Heimatgefühle: Insgesamt schienen alle Gäste an diesem Mittwochabend entspannt und zufrieden ihren Urlaub ausklingen zu lassen. (mr)