Eine Kärntner Schule findet seit Jahren keinen Direktor


Wenn sich 60 Lehrer öffentlich zu einem Problem an ihrer Schule zu Wort melden, dann brennt der Hut: Genau das ist, wie ausführlich berichtet, im Mai dieses Jahres passiert. In einem offenen Brief forderten die Lehrer des Fritz-Strobl-Schulzentrums in Spittal endlich einen neuen Direktor oder eine neue Direktorin. Das Lehrer-Kollegium verlangt „eine klare, nachvollziehbare und professionell besetzte Schulleitung, die mit entsprechender Ausbildung und Vision den Weg gemeinsam mit Schülern und Lehrkräften geht“, heißt es in dem Schreiben.

Eine nachvollziehbare Forderung, denn seit dem Jahr 2024 wird für die Schule – mit 18 Klassen und etwa 400 Schülern eine der größten Mittelschulen Kärntens – eine neue Leitung gesucht. Bislang vergeblich. Warum geht aus den Antworten des für Bildung zuständigen Landesrates Peter Reichmann (SPÖ) auf eine Anfrage des Team Kärnten hervor, ebenso wie weitere interessante Details zu der ungewöhnlichen Causa.

„Eignung nicht gegeben“

Bisher hat es zwei Ausschreibungen für den Direktorposten gegeben: eine im Mai 2024 und eine im November 2025. Bei der ersten gab es vier Bewerber, bei der zweiten wurde eine Bewerbung abgegeben. Doch dann kam schon die erste Einschränkung: „Bei beiden Ausschreibungen erfüllte laut Begutachtungskommission jeweils eine Bewerbung die formalen Voraussetzungen für die Funktion“, heißt es in der Antwort Reichsmanns. Die formalen Kriterien mögen zwar erfüllt gewesen sein, Bestellung hat es dennoch keine gegeben. Warum? „Die Eignung für die Funktion war laut der unabhängigen Bewertungskommission jedoch nicht gegeben“, schreibt der für Bildung zuständige Landesrat.

Die Kommission besteht aus vier stimmberechtigten Mitgliedern: dem Vorsitzenden, dem Vertreter des Schulqualitätsmanagement, dem Vertreter der Gewerkschaft öffentlichen Dienstes und dem Vertreter des Zentralausschusses, das ist das Gremium der Personalvertreter. Die müssten sich bei ihrer Entscheidung an ein Bundesgesetz halten, so Reichmann und Kriterien wie „die persönliche, fachliche und pädagogische Eignung, die Führungs- und Managementkompetenzen, die Leitungs- und Entwicklungsvorstellungen der Bewerberinnen und Bewerber sowie das Vorliegen einer mindestens fünfjährigen erfolgreichen Lehrpraxis“ prüfen und beurteilen. Und es müssen alle Ausschreibungskriterien erfüllt sein, damit die Kandidaten es überhaupt in die zweite Runde schaffen und zu einem persönlichen Hearing vor die Kommission eingeladen werden.

Nächster Versuch im Herbst

Weil das bisher keinem Kandidaten gelungen ist, gibt es im Schuljahr 2026/2027 erneut eine Ausschreibung. Die Schule, die derzeit um zwei Millionen Euro zum „Leistungssportzentrum Spittal/ GoldEck“ ausgebaut wird, wird daher weiterhin von einem provisorischen Leiter geführt.

So wenig die ausstehende Lösung an der Fritz-Strobl-Schule Lehrern und Eltern auch gefällt, es ist kein Einzelfall: Insgesamt zwölf Volks- und Mittelschulen in Kärnten haben derzeit eine provisorische Leitung, weil die Ausschreibung nach einem fixen Direktor oder einer Direktorin noch nicht abgeschlossen ist.  

Sabbatical und Kleinschulen

Dazu kommt eine weitere Pflichtschule mit einer provisorischen Führung, weil der Leiter in einem Sabbatical (ein Freijahr) ist. Eine Ausschreibung ist erst mit der Ruhestandsversetzung des jeweiligen Schulleiters möglich. 

Dann gibt es noch die sogenannten Kleinschulen: Das sind Schulen, an denen nur so viele Lehrer unterrichten, dass sie in Summe jeweils unter zehn Vollbeschäftigtenäquivalenten (VBÄ) sind. Ein VBÄ ist eine statistische Messgröße im Personalwesen, die Teilzeitstellen in vergleichbare Vollzeitstellen umrechnet. Ein VBÄ von 1,0 entspricht einer vollen Stelle. Für diese Schulen ist ausschließlich eine provisorische Betrauung vorgesehen, einige werden im Schulverbund geführt, so die Bildungsdirektion in einer Stellungnahme. In Kärnten trifft das auf 91 Kleinschulen zu.