Zverev im US-Open-Tunnel: Warum er sich selbst anlügt und Fragen verweigert


Stand: 09.09.2026, 22:30 Uhr

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Alexander Zverev steht im Viertelfinale der US Open – und spürt den Druck. Sein Tunnelblick hat schon einmal geholfen.

New York – Es gibt Momente, in denen ein Sportler mehr verrät, wenn er schweigt, als wenn er redet. Alexander Zverev lieferte einen solchen Moment in den Katakomben des Arthur Ashe Stadium. Auf dem Weg zur Pressekonferenz, vorbei an den Schwarzweiß-Porträts der Tennis-Legenden – Federer, Nadal, Djokovic, Becker –, wurde der 29-Jährige von der Bild gefragt, ob er sich dort nicht auch eines Tages sehen wolle. Die Antwort kam blitzschnell: „Nee, komm, nächste Frage!“

Alexander Zverev schaltet auf dem Weg zum US-Open-Titel den Tunnelblick ein.

Alexander Zverev schaltet auf dem Weg zum US-Open-Titel den Tunnelblick ein. © Frank Franklin II/dpa

Wer Zverev kennt, weiß: Hinter dieser Abwehr steckt keine Gleichgültigkeit. Es steckt das genaue Gegenteil dahinter. Der Hamburger spürt sehr genau, welche historische Chance sich ihm in Flushing Meadows auftut – und er will sie nicht durch voreilige Worte gefährden. Denn der Weg zum zweiten Grand-Slam-Titel nach den French Open im Juni scheint so frei wie selten.

Zverev bei US Open 2026: Traumdraw ohne Sinner, Alcaraz und Co.

Jannik Sinner, die Weltnummer eins, fehlt verletzt. Felix Auger-Aliassime, Novak Djokovic, Daniil Medvedev, Alex de Minaur und Taylor Fritz sind bereits früh ausgeschieden. Carlos Alcaraz, der heißeste Finaltipp, erwischte es im Viertelfinale. Zverev selbst marschierte souverän ins Viertelfinale gegen Botic van de Zandschulp – sein 50. Saisonsieg, Bestwert auf der gesamten ATP-Tour. Erstmals in seiner Karriere steht er bei allen vier Grand Slams eines Jahres in der Runde der letzten Acht. Damit stellt er einen deutschen Rekord ein, den Boris Becker 1989 aufgestellt hatte.

Die Parallelen zum French-Open-Triumph liegen auf der Hand. Auch in Paris war das Feld gelichtet, auch dort wollte Zverev keine Fragen zur Favoritenrolle beantworten. Und auch dort log er sich, wie er selbst später zugab, ein bisschen selbst an. „Das bekommst du natürlich mit, dass die beiden raus sind. Das hat mich nervös gemacht. Ich habe eine Nacht nicht geschlafen“, sagte Zverev nach seinem Triumph in Paris über die frühen Ausscheiden von Sinner und Djokovic, Alcaraz fehlte verletzt. Der Druck sei enorm gewesen, die Chance aber auch.

Dass er sich auch in New York im mentalen Tunnel befindet, bewies eine weitere Anekdote: Als er gefragt wurde, ob er sich wünschen würde, einmal nicht nachts, sondern nachmittags zu spielen – schließlich findet das Finale um 14 Uhr Ortszeit statt –, zeigte er sich aufrichtig überrascht. „Ist das Finale um 14 Uhr? Ja? Ok“, antwortete er. Das Finale. Ein Wort, das er selbst am liebsten gar nicht in den Mund nehmen will, das aber in seinem Kopf längst angekommen ist.

Zverev weiß, wie schnell solche Turniere kippen können. Wimbledon 2025 lässt grüßen, als er trotz bester Auslosung in der ersten Runde gegen Arthur Rinderknech scheiterte. Dieser Tunnelblick, diese bewusste Abschottung, half ihm in Paris. Drei weitere Siege fehlen noch bis zur Verewigung in der Ahnengalerie des Arthur Ashe Stadium – auch wenn er das auf Nachfrage niemals zugeben würde. (ck)