Interview: Was passiert, wenn der MDR-Rundfunkstaatsvertrag gekündigt wird?
Interview
Stand: 25.08.2026 20:58 Uhr
Sollte die AfD nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt regieren, will sie den Rundfunkstaatsvertrag mit dem MDR kündigen. Doch was bedeuten das für den Mitteldeutschen Rundfunk in Sachsen-Anhalt und für die Beitragszahler? Tim Herden, der Direktor des MDR-Landesfunkhauses Sachsen-Anhalt in Magdeburg, im Interview.
von MDR SACHSEN-ANHALT
MDR-Moderator Peter Hofmann: Der Vorwurf steht im Raum, wir würden Wahlkampf machen. Greifen wir also mit der Sendepause in den Wahlkampf ein oder nehmen wir politischen Einfluss?
MDR-Funkhausdirektor Tim Herden: Wir haben uns das nicht leicht gemacht mit diesen Unterbrechungen im Fernsehen, im Hörfunk oder mit den Schwarzbildern im Online-Bereich. Und ich hab lange die Haltung vertreten, dass wir nicht Teil des Wahlkampfes hier in Sachsen-Anhalt als MDR werden sollen. Aber nun hat uns die Politik eben zum Thema des Wahlkampfes gemacht. Eine Partei fordert die Kündigung der Medienstaatsverträge [...] und ich denke, wir haben auch das Recht, auf die Folgen von diesen Forderungen oder Ankündigungen in Wahlprogrammen aufmerksam zu machen.
Rein theoretisch könnte ein Ministerpräsident, der Landtag, die Landesregierung, den MDR Rundfunkstaatsvertrag kündigen. Was würde denn dann erstmal genau passieren?
Also man hat das jetzt hier in Sachsen-Anhalt so verändert in der letzten Legislaturperiode, dass nur noch der Landtag diesen Vertrag kündigen kann, weil auch er diesen Vertrag bestätigt und zugestimmt hat. Danach beginnt eine Kündigungsfrist von zwei Jahren zum Ende des Jahres 2026. Also die würde laufen bis zum 31.12.2028. In dieser Zeit hätte die Landesregierung hier die Möglichkeit, eine Alternative zum MDR aufzubauen. Es muss aber auch ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk sein.
Viele kritisieren ja auch die Finanzierung, also den Rundfunkbeitrag, und Fragen auch zum Beispiel in den sozialen Medien besonders, ob wir uns nicht einfach über Werbung finanzieren könnten?
Das ist sehr einfach gedacht. Der Gesetzgeber hat das ganz bewusst verhindert, und zwar gerade mit der Einführung des privaten Rundfunks, sollte eben durch die Begrenzung der Werbung beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk dafür gesorgt werden, dass die privaten Anbieter [...] genügend Spielraum haben und überhaupt eine finanzielle Basis. [...] Und gleichzeitig würde natürlich eine Finanzierung über Werbung auch zu Abhängigkeiten führen von Geldgebern. Und das sollte eben gerade beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk verhindert werden. Wir wollen unabhängig bleiben in unserer Berichterstattung.
Müssten wir in Sachsen-Anhalt überhaupt weiterhin Rundfunkbeitrag bezahlen, wenn die Landesregierung aus den rechtlichen oder von den rechtlichen Grundlagen aussteigt?
Auf alle Fälle muss der Rundfunkbeitrag weiter gezahlt werden. Bis zum 31.12.2028, bis dieser Kündigungsfrist ausläuft. Wie es danach weitergeht, ist meines Erachtens unklar [...] denn mit dem Rundfunkbeitrag finanziert man ja nicht nur den MDR, sondern natürlich auch das ZDF und den Deutschlandfunk.
Muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk reformiert werden und wenn ja, kann er das überhaupt von sich aus?
Wir machen das ja schon. Zum Beispiel schalten wir bis zum Ende des Jahres in der ARD 16 Hörfunkwellen ab, davon drei vom MDR. MDR KULTUR, MDR TWEENS und die MDR SCHLAGERWELT. [...] Und wir bauen auch noch Personal ab hier bei uns im MDR. Jede Stelle von Mitarbeitenden, die in Rente gehen, wird nicht nachbesetzt, das sind mehrere Hundert Stellen, die wir bis 2028 einsparen werden.
Zur möglichen Kündigung des Rundfunkstaatsvertrags durch die AfD und die Folgen hat sich MDR-Intendant Ralf Ludwig auch bei MDR Aktuell und im ARD Mittagsmagazin geäußert.
Video: Interview mit MDR-Intendant Ralf Ludwig bei MDR Aktuell (5 Min)
Video: Interview mit MDR-Intendant Ralf Ludwig im Mittagsmagazin (6 Min)
Ein Vorwurf außerdem: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk würde für "betreutes Denken" stehen. Haltungsjournalismus ist ein Thema, keine objektive Berichterstattung wird vorgeworfen. Wie siehst du das?
Natürlich senden wir objektiv in unseren Nachrichten. Nachrichten, die wahr sind und richtig sind. Dass da Fehler auftreten können, kann passieren, aber wir kontrollieren jede Nachricht. [...] Was die Haltung angeht, da hab ich eine ganz klare Position: Bei mir hier im Landesfunkhaus bleibt Haltung vor der Tür.
Sollte es ab 2029 keinen MDR in Sachsen-Anhalt mehr geben, muss die Landesregierung eine Alternative schaffen? Und wenn ja, wie könnte die aussehen?
Sie muss eine Alternative schaffen und die eine Partei, die AfD, favorisiert den sogenannten Grundfunk. Wie das Modell wirklich aussieht, das hat sie bisher nicht klar gesagt. Sie verspricht, dass man dann keinen Rundfunkbeitrag mehr zahlen muss, das würde auf eine Steuerfinanzierung hinauslaufen. Das ist aber eigentlich rechtlich nicht möglich.
MDR (Linus-Benedikt Zosel)