„Wie auf einem Militärstützpunkt“: Neuer Schulleiter suspendiert 25 Schüler in der ersten Woche


Stand: 20.09.2026, 06:17 Uhr

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An einem College in Somerset sorgt ein neuer Schulleiter mit strikten Regeln für Empörung bei Eltern – die Schule verweist auf wiederholte Störungen.

Somerset – Am Frome Community College im südenglischen Somerset sind zum Start des neuen Schuljahrs binnen einer Woche 25 Schülerinnen und Schüler vom Unterricht suspendiert worden. Der Fall in Großbritannien sorgt unter Eltern für erhebliche Empörung – einige vergleichen die Schule inzwischen mit einem „Militärstützpunkt“.

Zu sehen sind zum Teil offen stehende Spinde auf dem Flur einer Schule.

Korrekt gehandelt oder viel zu streng? Binnen einer Woche suspendierte der Leiter einer Schule in England gleich 25 Schüler. © Jumeau Alexis/imago/Symbolbild

Auslöser ist der neue kommissarische Schulleiter Dan Jeffries, der einen deutlich strengeren Disziplinkurs eingeführt hat. Eltern kritisieren, dass Kinder teils wegen vermeintlicher Kleinigkeiten bestraft würden – etwa weil sie den Reißverschluss ihrer Schultasche zu laut zuzogen, aus dem Fenster schauten oder eine Minute zu spät kamen.

Besonders umstritten: Fall eines Mädchens mit Förderbedarf

Für besondere Aufmerksamkeit sorgt der Fall eines Mädchens mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Ihre Mutter berichtete gegenüber ITV News, ihre Tochter sei in der ersten Schulwoche suspendiert worden, weil sie „nervös gelacht“ habe. „Sie hat SEND-Bedarfe, zusätzliche Bedürfnisse und sensorische Bedürfnisse. Das war für sie ein massiver Rückschlag, als sie suspendiert wurde“, erklärte die Mutter. Weiter sagte sie: „Sie hat einfach nervös gelacht wegen ihrer Umgebung, fremder Gesichter … Sie ist überfordert – es ist eine neue Schule mit neuen Leuten.“

Die Mutter berichtete zudem, dass andere Schüler suspendiert worden seien, weil sie „ihre Tasche zu laut zugezogen“, „aus einem Fenster geschaut“ oder „eine Minute zu spät“ gekommen seien. Das Klima an der Schule belaste die psychische Gesundheit der Kinder – ein Schüler habe sich sogar in den Toiletten verstecken wollen, so die Mutter. Sie fasste zusammen: „Man möchte, dass sich sein Kind sicher fühlt, man möchte, dass es lernt. Man möchte dieselben Möglichkeiten wie jedes andere Kind, wie die Kinder aller anderen, die hierherkommen. Das ist alles, was wir wollen – wir wollen, dass die Bedürfnisse der Kinder erfüllt und sie nicht behandelt werden, als wäre es ein Militärstützpunkt.“

Auch die Mutter eines weiteren Kindes mit Förderbedarf, Ann-Marie Ramsey, bezeichnete die Situation als „lächerlich“ und die Disziplinarpraxis als „verrückt“. Sie sagte: „Wenn sie ein bisschen zappelig war oder sich nicht konzentrierte, wurde sie in den ‚Reset-Raum‘ geschickt, wo sie diszipliniert werden, wenn sie nicht das tun, was die Schule von ihnen will.“ Ihr Kind erhalte dort nicht die „Bewegungspausen“, die es benötige. Ramsey warf der Schule zudem vor, Schüler wegen ihrer „Haar- und Nagelfarbe“ zu kontrollieren, und beklagte, Eltern würden „nicht gehört“.

Eklat in Südengland: Schulleiter weist Vorwürfe zurück und nennt „sehr hohe Standards“ vom College als Grund

Schulleiter Dan Jeffries widersprach den Darstellungen deutlich. Niemand sei wegen „Uniform oder Verspätung“ suspendiert worden – sämtliche Suspendierungen hätten Fälle von „Widersetzlichkeit, die zur Störung des Schulbetriebs führte“ betroffen. „Damit jemand wegen störenden Verhaltens suspendiert wird, müsste er sich nach unserer Regelung viermal völlig widersetzt und den Unterricht gestört haben, bevor wir das in Betracht ziehen würden“, sagte er gegenüber ITV News.

Er betonte: „Ich bin da, um sicherzustellen, dass wir inklusiv sind und sehr hohe Standards aufrechterhalten.“ Insgesamt seien bei rund 1400 Schülerinnen und Schülern in der ersten Woche 20 Suspendierungstage angefallen, wobei einige Kinder mehr als einen Tag betroffen waren. „Es war keine groß angelegte Zahl, es war kein besonders großes Ereignis. Man kann sagen, dass eine Reihe von Kindern die Rückkehr zur Schule komplizierter fand, und das passiert in manchen Septembern“, so Jeffries.

Der Schulleiter argumentierte, klare Regeln ermöglichten es Lehrkräften, konsequenter mit dem Verhalten der Schüler umzugehen, damit sich diese „sicher zum Lernen“ fühlten – ein Wunsch, den Eltern in einer aktuellen Umfrage selbst geäußert hätten. Er schloss: „Alle Kinder haben ein Recht auf ungestörten Unterricht, und wo eine sehr kleine Minderheit von Schülern das Lernen anderer stört, ist es wichtig, dass wir so viel wie möglich unterstützen, aber nicht zulassen, dass das die Bildung aller anderen beeinträchtigt.“

„Mit der Erwartung in den Unterricht, Strafen zu verteilen“: College-Schüler äußern sich

Nicht alle Eltern sehen den Kurs kritisch. Liz Halliwell zeigte sich erleichtert, dass Regeln nun konsequenter durchgesetzt würden: „Er ist gekommen und sorgt dafür, dass die Regeln eingehalten werden.“ Solange dies „fair und für alle Beteiligten konsistent“ sei, begrüße sie eine „konsequentere Bildung“ für ihr Kind.

Auch Lehrer Seth Lavington, der Film und Medien unterrichtet, verteidigte den neuen Kurs: „Die Idee ist, klare und konsistente Abläufe zu schaffen, die das bestmögliche Lernen ermöglichen. Insgesamt bleiben die Botschaften positiv. Wir wollen störungsfreies Lernen, wir wollen die bestmöglichen Ergebnisse, man muss sich anstrengen – nichts davon hat sich geändert.“

Schülerstimmen fielen dagegen gemischt aus. Der Sechstklässler Liam Backhurst nannte die Gründe für einige Suspendierungen „empörend“: „Am belastendsten ist, dass es sie psychisch beeinträchtigt hat. Das sind neue Neuntklässler, die aufgeregt waren, ein neues Kapitel in der Schule zu beginnen, und jetzt fühlen sie sich wirklich demotiviert, weiterzulernen.“ Mitschüler Sam Shearman ergänzte: „Es wirkte so, als kämen die Lehrer schon mit der Erwartung in den Unterricht, Strafen zu verteilen, und dem stimme ich definitiv nicht zu.“

Auch deutsche Schulen mit Inklusionsfrage konfrontiert

Der Fall verweist auf einen Konflikt, mit dem auch Schulen in Deutschland zunehmend konfrontiert sind. Laut Statistischem Bundesamt erhielten im Schuljahr 2024/25 bundesweit 610.800 Schülerinnen und Schüler sonderpädagogische Förderung – 28 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. 270.500 davon wurden inklusiv an Regelschulen unterrichtet, ein Plus von 77 Prozent im selben Zeitraum.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit dem Förderschwerpunkt „emotionale und soziale Entwicklung“ stieg auf 111.700. Im Jahr 2024 wurden rund 174.000 Eingliederungshilfen für junge Menschen mit seelischer Behinderung gewährt, etwa in Form von Schulbegleitung. Damit stellt sich auch hierzulande die Frage, wie Schulen konsequent gegen dauerhafte Unterrichtsstörungen vorgehen können, ohne besonders belastete oder unterstützungsbedürftige Kinder aus dem Unterricht zu drängen. (Quellen: ITV News, Statistisches Bundesamt) (han)