Wie die Gen Z mit ihrem Geld umgeht, könnte dem deutschen Rentensystem zum Verhängnis werden


Stand: 03.08.2026, 18:06 Uhr

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Fast zwei Drittel der jungen Menschen in Deutschland fühlen sich bei der Altersvorsorge überfordert. Bei der Gen Z ziehen viele kurzfristige Sparziele der Rente vor.

Frankfurt – „Schaffe, schaffe, Häusle baue“ – das alte schwäbische Sprichwort, das Schlagersänger Ralf Bendix 1964 zur Regionalhymne machte, steht für mehr als nur schwäbischen Fleiß. Es gab ein Versprechen, das über Generationen hinweg hielt: Wer hart arbeitet und sein Geld zusammenhält, der baut sich etwas auf. Doch die Idee von einer planbaren Zukunft mit Eigenheim fühlt sich für viele junge Menschen an, wie ein Lottogewinn. Mieten explodieren, Preise steigen und Löhne stagnieren. „Schaffe, schaffe“ funktioniert noch. Aber das „Häusle“ wirkt wie eine Utopie. Vielleicht erklärt das, warum gerade die jüngere Generation beim Thema Altersvorsorge so zögerlich ist.

Das Versorgungswerk MetallRente hat für eine Studie von Juli 2025 das Finanzverhalten junger Menschen in Deutschland untersucht und dazu 2500 Frauen und Männer im Alter zwischen 17 und 27 Jahren repräsentativ zu ihrem Sparverhalten befragen lassen. Knapp über die Hälfte gab an, bereits aktiv Geld für die Altersvorsorge beiseitezulegen. Doch fast zwei Drittel fühlen sich damit überfordert.

Bei den Sparmotiven, also den Gründen, warum junge Erwachsene in Deutschland ihr Geld zurücklegen, belegt die Altersvorsorge den vierten Platz. Laut den Studienergebnissen sind „unvorhersehbare Ereignisse“ und größere Anschaffungen die Spitzenreiter unter den 17- bis 27-Jährigen. Im Vergleich zum vorherigen Jahr überholten Urlaubsreisen die Altersvorsorge und sind damit das dritthäufigste Sparmotiv. Die Studie kommt zu dem Schluss: Junge Menschen denken an morgen, aber leben im Heute. Altersvorsorge ist präsent – sie konkurriert jedoch mit unmittelbaren Lebenszielen.

Sparverhalten der Generationen: Gen Z legt große Priorität auf Urlaubsersparnisse

Ergänzend dazu zeigt eine Studie von JP Morgan Asset Management, veröffentlicht im Januar 2026, wie sich das Sparverhalten der verschiedenen Generationen in den USA unterscheidet. Ähnlich wie bei der deutschen Studie zeichnet sich auch bei JP Morgan die Gen Z (heute circa 14 bis 31 Jahre alt) vor allem durch kurzfristige Sparziele aus. Hier sticht das Thema Urlaub noch einmal stärker heraus: Fast die Hälfte (48%) der Gen Z gab an, lieber für einen Urlaub zu sparen als für die Rente. Im Durchschnitt über alle Generationen hinweg legten nur 29 Prozent lieber Geld für den Urlaub als für die Altersvorsorge zurück. Bei der Boomer-Generation waren es gerade einmal 11 Prozent der befragten Personen.

Das Finanzverhalten junger Menschen wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst, gerade was das Sparen für die Altersvorsorge angeht. „Das Thema Rente ist für diese Generation noch sehr weit entfernt“, sagt Carmela Aprea, Mitherausgeberin der MetallRente-Studie und Inhaberin des Lehrstuhls für Wirtschaftspädagogik an der Universität Mannheim, der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Es ist immer ein Abwägen zwischen heute und morgen. Psychologisch gesehen ist das absolut nachvollziehbar. Urlaub ist schließlich auch eine Investition in die eigenen Ressourcen.“

Ein junger Mann steht an der Straße

Zwei drittel der Menschen in Deutschland zwische 17 und 27 Jahren sind mit der Altersvorsorge überfordert. (Symbolfoto) © ingimage/Imago Images

Oscar Stolper, Inhaber der Professur für Behavioral Finance an der Philipps-Universität Marburg, sieht das ähnlich. Eine Reise sei zeitlich, finanziell und emotional konkret, erklärt er der Frankfurter Rundschau. Die Altersvorsorge sei dagegen ein abstraktes Ziel, das 40 oder 50 Jahre entfernt liege. „Das macht Urlaub zu einem wesentlich motivierenderen Sparziel.“ Zudem könne die Unsicherheit über die Zukunft lähmend wirken. Die Diskussion um das Rentensystem und die Inflation werde unter „extremer Panikmache“ geführt, sagt Aprea. Das sende ein falsches Signal und bremse junge Menschen beim Sparen oft aus: „Viele junge Leute fragen sich, ob sich Sparen überhaupt noch lohnt“, sagt die Professorin.

„Stimmt einfach nicht“: Fachleute sind sich einig über unvorsichtiges Sparverhalten der Gen Z

Stolper warnt jedoch davor, den JP Morgan-Befund als Sorglosigkeit oder hedonistische Haltung zu interpretieren. Junge Erwachsene hätten meist geringe Einkommen und müssten mehrere finanzielle Ziele gleichzeitig bewältigen: Notgroschen, Studienkredite, hohe Wohnkosten. „Der Abbau teurer Schulden und eine Liquiditätsreserve können durchaus vernünftige Prioritäten sein.“ Aprea räumt mit einem weiteren Vorurteil auf: „Das Klischee über die Gen Z stimmt einfach nicht. Viele sparen nicht etwa deshalb weniger für das Alter, weil sie nicht wollen, sondern weil sie schlicht zu wenig finanzielle Mittel haben. Es ist meistens keine Frage von Lifestyle oder Faulheit.“

Beide Experten sind sich einig: Es braucht bessere Strukturen. Stolper plädiert für eine bessere Entscheidungsarchitektur, einen automatischen Einstieg in ein einfaches, kostengünstiges Vorsorgeprodukt. „Solche Opt-out-Modelle nutzen die menschliche Trägheit einmal zugunsten der Sparer.“ Aprea fordert, dass Finanzbildung endlich flächendeckend in die Schulen kommt. „Ich finde es unerhört, dass man die Interessen der jungen Generation in der Politik kaum hört. Man lässt die jungen Menschen mit dem Thema Altersvorsorge ziemlich alleine.“ In der MetallRente-Studie gaben 87 Prozent der befragten Jugendlichen an, „das Thema Altersvorsorge sollte in einem eigenen Schulfach Wirtschaft und Finanzen behandelt werden“.

Problematisch wird es aus Sicht beider Fachleute erst, wenn der unmittelbare Konsum, die langfristige Vorsorge dauerhaft verdrängt. Ihr Fazit ist dennoch versöhnlich: Die Gen Z soll nicht auf Urlaub verzichten. „Es ist ein Stück weit auch das Recht junger Menschen, sich Dinge herauszunehmen und Erfahrungen zu sammeln“, sagt Aprea. Das Ziel sollte kein „Urlaub oder Rente“ sein, ergänzt Stopler, sondern ein „Urlaub und Rente“. (Quelle: eigene Recherche, MetallRente, JP Morgan Asset Management)