„Wie in einem Backofen“: Patienten des Kasseler Klinikums kritisieren hohe Temperaturen in Zimmern
Stand: 25.07.2026, 06:00 Uhr
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Eine Mutter und ihr drei Monate altes Kind werden Ende Juni wegen einer Virusinfektion stationär behandelt. Das Patientenzimmer heizt sich so stark auf, dass beide Kreislaufprobleme bekommen.
Kassel – Als Ende Juni, in der bislang heißesten Woche des Jahres, die Temperaturen in Kassel auf über 30 Grad anstiegen, suchten viele Menschen Abkühlung. In manchen Patientenzimmern des Klinikum Kassel sei das allerdings nicht möglich gewesen, sagt Isabelle Gawol, die sich deshalb an unsere Zeitung wandte.
Ihre Tochter Kiara Gawol (26) und der nur wenige Monate alte Enkel Elyan waren vom Dienstag, 23. Juni, bis Freitag, 26. Juni, stationäre Patienten am Klinikum. Isabelle Gawol, die ihre Tochter und deren Sohn begleitete, sagt, aufgrund der Hitzewelle sei es in dem Patientenzimmer so warm geworden, dass es dort kaum auszuhalten gewesen sei.
Patienten des Klinikums Kassel kritisieren hohe Temperaturen in Zimmern
Behandelt worden sind Kiara Gawol und der damals drei Monate alte Säugling aufgrund einer Infektion mit Enteroviren. Häufig sei der Krankheitsverlauf mild, ihre Tochter habe allerdings hohes Fieber und eine Hirnhautentzündung bekommen. Auch der Enkel sei hochfiebrig gewesen und zwischenzeitlich mit einer Magensonde ernährt worden. „Gerade bei Hirnhautentzündung und Kopfschmerzen möchte man abgedunkelt in einem kühlen Raum liegen“, sagt Isabelle Gawol.
Das Patientenzimmer mit dem großen Fenster habe sich tagsüber allerdings immer weiter erhitzt. „Die Türen mussten zu bleiben, damit man isoliert bleibt.“ Auch Vorhänge habe es in dem Zimmer aus Infektionsschutzgründen nicht gegeben. Das Zimmer sei zwar mit einem grauen Sonnenschutz-Rollo ausgestattet gewesen, dieses habe den Raum aber nicht ausreichend verdunkeln können. Isabelle Gawol sagt, sie habe schließlich versucht, mit Hilfe von Bettbezügen das Zimmer abzudunkeln. Außerdem habe sie selbst einen Ventilator mitgebracht, doch auch das habe kaum geholfen. „Es hat sich angefühlt wie in einem Backofen.“
Ein Mann, der ebenfalls zu dem Zeitpunkt mit seinem Kind auf der Infektionsstation der Kinderklinik gewesen ist, bestätigt gegenüber unserer Zeitung: „Es war viel, viel zu warm.“ Auch er habe in der Hoffnung auf Abkühlung einen eigenen Ventilator im Patientenzimmer aufgestellt.
Das Klinikum Kassel teilt mit: „Wir bedauern sehr, dass die hohen Außentemperaturen zu einer erheblichen Wärmebelastung geführt haben. Der klimatischen Sondersituation entsprechend wurden alle stationär behandelten Patientinnen und Patienten engmaschig ärztlich und pflegerisch überwacht. Dabei wurden insbesondere Vitalparameter, Körpertemperatur und Hydratationszustand regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls Maßnahmen ergriffen.“
Eine Pressesprecherin bestätigt, dass die Türen auf der Infektionsstation nicht zum Lüften geöffnet werden dürfen, um eine Ausbreitung von Krankheitserregern zu verhindern. Zudem gelte: „Textile Vorhänge werden in den Infektionszimmern aus infektionshygienischen Gründen nicht eingesetzt.“ Mit Hilfe von außen anliegenden Sonnenschutzelementen sei allerdings „eine wirksame Verdunkelung und Reduzierung der Wärmeeinstrahlung möglich“.
Die Zimmer der Infektionsstation befinden sich nach Angaben des Klinikum Kassel auf einer Seite mit geringerer Sonneneinstrahlung. Isabelle Gawol sagt, die Sonne habe dennoch lange genug auf die östliche Hausseite geschienen, damit die Temperaturen im Patientenzimmer gesundheitlich bedenklich wurden. In einer schriftlichen Beschwerde beim Klinikum Kassel schrieb die Schauenburgerin noch während des Aufenthalts: „Bereits gestern kam es infolge der extremen Hitze bei meiner Tochter und bei mir zu erheblichen Kreislaufproblemen. Mein Enkel leidet gleichzeitig unter hohem Fieber. Jeder weitere Anstieg der Umgebungstemperatur belastet seinen Organismus zusätzlich und steht einer Genesung entgegen.“
„Es war viel, viel zu warm“
Dabei betont Isabelle Gawol, ihre Kritik richte sich nicht an das Personal der Infektionsstation. „Ich habe selten ein so freundliches, engagiertes, professionelles und menschliches Team erlebt wie auf dieser Station. Die Mitarbeitenden leisten unter schwierigsten Bedingungen hervorragende Arbeit.“ Ihre Kritik richte sich an die Krankenhausleitung, die für die baulichen und organisatorischen Rahmenbedingungen verantwortlich sei. Es handele sich um eine „katastrophale Fehlplanung“. Wichtig wäre aus ihrer Sicht, die Temperaturen in den Patientenzimmern per Klimaanlage zu senken. Das Klinikum Kassel teilt mit: „Das Gebäude besitzt eine passive Klimatisierung, die vor allem mit Beschattung und nächtlicher Kühlung arbeitet. Bei den in der KW26 gegebenen klimatischen Verhältnissen ist diese Lüftungseinrichtung leider nicht in der Lage gewesen, das ganze Gebäude ausreichend zu klimatisieren.“
Eine zentrale Klimatisierung gebe es in der Kinderklinik ausschließlich für besonders sensible medizinische Bereiche. Um während der Hitzeperiode die Belastung für Patienten möglichst gering zu halten, habe das Klinikum manche Patienten in kühlere Bereiche verlegt, Ventilatoren genutzt, Coolpacks verteilt und die Patienten engmaschig mit Flüssigkeit versorgt.
Isabelle Gawol vermutet, dass nicht nur die Infektionsstation der Kinderklinik in Hitzeperioden ein Problem mit zu hohen Temperaturen hat. Und tatsächlich meldete sich zuletzt noch eine weitere Patientin bei unserer Zeitung, die sich daran erinnert, dass sie im vergangenen Sommer auf einer anderen Station im Klinikum Kassel mit der Hitze zu kämpfen gehabt habe.
Sie schreibt, sie habe auf der Sonnenseite in einem nicht klimatisierten Zimmer gelegen und interessiere sich dafür, ob die Kasseler Krankenhäuser ein Hitzekonzept haben und wie gut sie auf Hitzeperioden vorbereitet seien.