Zufrieden bis nachdenklich: Die Bilanz der KLV-Asse bei der EM


Stand: 16.08.2026, 21:30 Uhr

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Jana Becker (Königsteiner LV)

Im Vorlauf raus, aber Bestzeit gelaufen: Jana Becker. © Jens Priedemuth

Owe Fischer-Breiholz vom Königsteiner LV verpasst im EM-Finale Bronze knapp – und ist trotzdem der Enttäuschte unter den drei EM-Startern des Leichtathletik-Vereins aus dem Hochtaunus.

Birmingham – Die 18.000 Zuschauer im Alexander Stadium von Birmingham machten mächtig Stimmung, als am Freitag um 20.30 Uhr die acht Finalisten über die 400 Meter in die Arena geführt wurden. Es war zwar kein Engländer dabei, dafür aber mit dem norwegischen Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordhalter (45,94 sec.) Karsten Warholm einer der Großen in der Szene. Deutschland war mit gleich zwei Athleten vertreten – dem deutschen Rekordler Emil Agyekum (SCC Berlin) und seinem Frankfurter Trainingspartner Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV).

Blieb unter seinen Möglichkeiten: Owe Fischer-Breiholz.

Blieb unter seinen Möglichkeiten: Owe Fischer-Breiholz. © Jens Priedemuth

Der ehrgeizige KLVler war mit 48,23 Sekunden souverän ins Finale gestürmt. Minimalziel erreicht. Doch der U23-Europameister von 2025 wollte mehr und blickte in Richtung Bronze. In seinem ersten EM-Finale der Männer-Hauptklasse war jedoch ein wenig Sand im Getriebe, so dass es nach 48,56 sec. „nur“ Platz fünf gab. Fischer-Breiholz saß nach getaner Arbeit auf dem Tartanbelag, schlug die Hände vors Gesicht und haderte unüberhörbar.

„...weil ich weiß, was in mir steckt“

Als das Feld auf die Zielgerade einbog, schien „Bronze“ für den KLVler noch machbar. In der Endphase hatten Ismail Nezir (Türkei/48,26) und der Schwede Oskar Edlund (48,36) jedoch die „besseren Beine“ und zogen an dem 22-Jährigen Königsteiner vorbei. „Wenn ich in fünf Minuten noch mal laufen würde, wäre das schneller als gerade eben“, ging Fischer-Breiholz mit sich selbst hart ins Gericht, „in diesem Lauf waren etliche Fehler dabei. Es ist supertraurig für mich, dass das heute passieren musste. Einfach ein Flüchtigkeitsfehler nach dem anderen. Das enttäuscht mich zutiefst, weil ich weiß, was in mir steckt. Die Saison ist noch nicht vorbei und ich werde weitere Rennen machen, bei denen ich mich beweisen will. Heute war aber der wichtigste Wettkampf des Jahres für mich. Und da nicht mal ansatzweise ein gutes Rennen zu haben, tut einfach weh. Selbst mit einem soliden Rennen hätte ich heute eine Medaille gewinnen können. Das verstehe ich einfach nicht.“

Der Sieg ging erwartungsgemäß an Topfavorit Warholm, der mit 46,63 sec. einen Meisterschaftsrekord aufstellte und sich souverän gegen Agyekum (47,87) durchsetzte. Das Podium komplettierte Sezier (48,26) - mit einer Zeit, die Fischer-Breiholz schon mehrfach unterboten hat.

Dass man sich bei einem EM-Siebenkampf kaum größere Aussetzer erlauben kann, musste Vanessa Grimm erfahren. Der erste Tag lief für sie richtig prima, 6300 Punkte schienen möglich, also auch eine persönliche Bestmarke. Nach guten 13,47 sec. für die 100 m Hürden hätte es im Hochsprung (1,71 m) eine Höhe mehr sein können. Es folgten starke 14,94 m mit der Kugel und 24,63 sec. über 200 m.

Den Weitsprung „in den Sand gesetzt“

Doch mit nur 5,84 m zum Auftakt des zweiten Tages war der Weitsprung „in den Sand gesetzt“. Hier musste eigentlich eine „6“ vor dem Komma stehen. Da halfen dann auch keine guten 43,87 m mit dem Speer oder die 2:16,17 min. für die 800 m mehr. Am Ende sind 6119 Punkte (14.) allemal solide, aber zu wenig für eine Top-10-Platzierung (6308).

Vanessa Grimm (Königsteiner LV)

Ernüchtert nach einem guten ersten Tag: Vanessa Grimm. © Jens Priedemuth

Trainer Philipp Schlesinger sah unterm Strich einen guten Wettkampf von Grimm. Jetzt geht es an die Auswertung, um zukünftig bei der Weitenjagd wieder in die Bereiche von 6,30 Metern zu kommen. „Der Weitsprung hat am meisten reingehauen, das hat viele Punkte gekostet. Wenn der normal gelaufen wäre, könnte ich ganz zufrieden aus dem Siebenkampf rausgehen“, sagte Grimm. Die 29-Jährige hatte sich Rang acht vorgenommen.

Mit toller Leistung selbst belohnt

Jana Becker gehört eindeutig die Zukunft auf der 800-Meter-Distanz, nachdem sie mit einer neuen persönlichen Bestzeit (1:59,08 min.) das Halbfinale nur um einen Platz hauchdünn verfehlt hat. „Nur wenn man so jung und mutig mit den Besten bei einer EM mitläuft, kann man auf internationaler Bühne auch bestehen. Jana hat das bestens gemacht und sich mit einer tollen Leistung belohnt“, freute sich KLV-Chefin Judith Wagemans, die in Birmingham vor Ort war.