Von Babymilch bis Putin: warum Nestlés Philipp Navratil von einem Bauernhof träumt


Die unerfüllten Wünsche des Philipp Navratil: Putin lässt den neuen Nestlé-Chef vom eigenen Bauernhof träumen

Philipp Navratil sollte Nestlé neuen Schwung verleihen. Der Zürcher hat aber immer wieder mit bösen Überraschungen zu kämpfen: Vor einigen Monaten war es verunreinigte Babymilch, jetzt ist es Wladimir Putin.

20.09.2026, 05.30 Uhr

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Nestle CEO Philipp Navratil muss erneut einen Rückschlag hinnehmen.

Nestle CEO Philipp Navratil muss erneut einen Rückschlag hinnehmen.

Stefan Wermuth / REUTERS

Seit etwas mehr als einem Jahr ist Philipp Navratil CEO von Nestlé, dem grössten Lebensmittelkonzern der Welt. Der Zürcher kann sich jedoch auch vorstellen, eines Tages einen Bauernhof zu führen und dessen Produkte in einem Restaurant zu verkaufen. Dieser Gedanke beruhige ihn manchmal, verriet der 50-Jährige der «New York Times».

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Diese Woche hätte Navratil wieder einmal guten Grund gehabt, von Hühnern und Kühen zu träumen – wegen Wladimir Putin. Der russische Präsident stellte am Donnerstag die russischen Tochterfirmen von Nestlé unter Zwangsverwaltung. Damit wird am Hauptsitz in Vevey ein unangenehmes, längst vergessen geglaubtes Thema wieder aktuell.

Finanziell sind die möglichen Folgen für Nestlé überschaubar. 2021, als Nestlé letztmals Zahlen auswies, trug Russland lediglich zwei Prozent zum Konzernumsatz bei. Reputationsmässig tut Putin Nestlé und Navratil jedoch keinen Gefallen: Zum einen wird die Welt daran erinnert, dass sich Nestlé – im Gegensatz zu vielen anderen Konzernen – nicht aus dem Reich des kriegstreibenden Autokraten zurückgezogen hat. Zum anderen muss Navratil in Russland mit der Enteignung rechnen, was sich womöglich auch mit einem aufreibenden Abwehrkampf nicht verhindern lässt.

Es sind Herausforderungen, bei denen Navratil wenig gewinnen kann. Dasselbe galt für den weltumspannenden Rückruf von Babymilchpulver, den Nestlé im Januar vornehmen musste. Navratil informierte in einer öffentlichen Videobotschaft zwar schnell und transparent, gerade auch im Vergleich zu Konkurrenten wie Danone. Zudem entschuldigte er sich bei betroffenen Eltern für «die Sorgen und Unannehmlichkeiten». Doch vorwärts bringen diese Episoden Nestlé nicht.

Mit jeder Negativschlagzeile blättert der Lack des dynamischen, unverbrauchten neuen Chefs etwas ab. Das weiss auch Navratil selbst. Im eingangs erwähnten Interview wünschte sich Navratil nicht ohne Grund «weniger Überraschungen». Ob dieses Ziel in Zukunft besser erreicht wird, kann der Chef von 270 000 Mitarbeitenden in 185 Ländern allerdings nur bedingt beeinflussen. Die Erfüllung seines Bauernhof-Traums wäre deutlich einfacher.

Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

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