Brasilien und Mexiko: Die Gewinner des gegenwärtigen Börsenumfelds?
Lateinamerikanische Aktien passen gut ins heutige Börsenumfeld
Die oft übersehenen Börsen in Brasilien und Mexiko profitieren von steigenden Rohstoff- und Energiepreisen.
20.09.2026, 05.30 Uhr
2 Leseminuten
Erdölplattform von Petrobras vor Rio de Janeiro.
Pilar Olivares / Reuters
Ich bin hin- und hergerissen. Meistens bevorzuge ich ETF auf breite Aktienindizes, die es ermöglichen, mit wenigen kostengünstigen Produkten den Gesamtmarkt abzudecken. Manchmal jedoch kommt mir dieser Gesamtmarkt verzerrt vor, und ich möchte eigene Korrekturen anbringen.
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Wir haben in dieser Rubrik wiederholt das überaus hohe Gewicht von amerikanischen Titeln im Welt-Aktienindex thematisiert sowie Möglichkeiten, wie Anleger dieses reduzieren können. Etwa, indem sie einen ETF auf den MSCI World ex USA kaufen – ein Produkt, das Aktien von allen Börsenplätzen der entwickelten Welt berücksichtigt, ausser den USA.
Die Top 5 in diesem Anlageprodukt sind Japan, es folgen Grossbritannien, Frankreich, Kanada und die Schweiz mit immerhin noch rund 9 Prozent Gewicht. Natürlich muss man dann den amerikanischen Aktienmarkt wieder mit einem separaten Produkt dazukaufen. Das ist etwas umständlich, aber so lässt sich das Klumpenrisiko USA elegant steuern.
Bei Schwellenländeranlagen habe ich derzeit ebenfalls das Bedürfnis, korrigierend einzugreifen. Auch in diesem Segment gibt es seit ein paar Jahren Produkte, die nicht mehr alle Börsen in aufstrebenden Ländern berücksichtigen. Manche ETF klammern Festlandchina und Hongkong aus.
Das mag in manchen Marktphasen gerechtfertigt sein, aber ich bin meist recht happy mit dem prominenten Platz Chinas im Index, denn dessen erfolgreicher Technologiesektor stellt eine vergleichsweise günstige Alternative zu Apple, Amazon, Google und Co. dar.
Derzeit hätte ich aber lieber mehr Lateinamerika im Depot und überlege, diese Region mit einem Extra-ETF dazuzukaufen. In globalen Schwellenländer-Aktienindizes entfallen nur 7 bis 8 Prozent auf die Börsen von Brasilien, Mexiko und Co.
Der MSCI-Emerging-Markets-Latin-America-Index zeichnet sich durch seine günstige Bewertung aus, mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 11 und stattlichen Dividendenrenditen.
Günstige Bewertungen sind immer von Vorteil, haben kurzfristig aber wenig Einfluss auf die Performance. Wichtiger ist: Der dominierende Energie- und Rohstoffsektor in Lateinamerika dürfte in der jetzigen Marktphase ein Vorteil sein. Rund ein Drittel des Indexes entfällt auf Firmen wie Vale, Grupo México oder Petrobras. Auch Banken sind stark präsent, die ihre Margen immer dann ausdehnen können, wenn die Zinsen steigen.
Und das ist derzeit zweifellos der Fall. Die Europäische Zentralbank, die US-Notenbank Fed, die Bank of Japan und viele andere drehen dieser Tage an der Zinsschraube. Denn Trumps Abenteuer in Iran sorgt für einen Teuerungsschub.
Ich gehe derzeit davon aus, dass den Zentralbanken der Balanceakt gelingt: dass sie mit ihren Zinserhöhungen das Wachstum dämpfen, aber nicht abwürgen, so dass der Aktienmarkt trotz höheren Kreditkosten weiterhin gut laufen wird.
In einem solchen Umfeld von höherer Inflation und höheren Zinsen und unverminderten Investitionen in Verteidigung und KI-Infrastruktur könnten lateinamerikanische Aktien weiterhin gut abschneiden. Sie hatten bereits 2025 ein gutes Börsenjahr.
Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»
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