Gründer der Wirtschaftsprüfung Ebner Stolz verstorben


Als der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Eckart Ebner sich im Jahr 1974 selbständig machte, sah die Welt der Bilanzkontrolleure und Steuerberater noch ganz anders aus als heute. Damals wälzten die Prüfer dicke Akten, heute machen sie mit Künstlicher Intelligenz Jagd auf Bilanzlücken. Aus dem Ein-Mann-Start-up von damals wurde RSM Ebner Stolz, ein Prüfungs- und Beratungsanbieter mit 2900 Mitarbeitern, eingebettet in das internationale Prüfer- und Beraternetzwerk RSM, das 56.000 Mitarbeiter auf der Welt umfasst.

Auf der aktuellen Lünendonk-Liste der größten Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften in Deutschland liegt RSM Ebner Stolz mit einem Umsatz von fast 531 Millionen Euro auf dem fünften Platz, direkt hinter den Big Four, den vier Platzhirschen der Branche.

Ebner beeindruckte mit menschlichen und fachlichen Fähigkeiten

Das schnelle Wachstum und die feste Verankerung von RSM Ebner Stolz als Prüfer und Berater des Mittelstands führen Weggefährten und führende Mitarbeiter auf die außergewöhnliche Persönlichkeit des Gründers zurück. Holger Jenzen, Sprecher der Partnerschaft von Ebner Stolz, erinnert sich: „Er hatte die Fähigkeit, Menschen im Handumdrehen für sich zu gewinnen.“ Geschafft habe Ebner das weniger wegen seiner unbestechlichen Fachkenntnisse, sondern vor allem dank der menschlichen Wertschätzung, die er jedem Mitarbeiter und Kunden entgegenbrachte, ganz unabhängig von deren Status.

Eckart Ebner lebte von 1938 bis 2026.
Eckart Ebner lebte von 1938 bis 2026.RSM Ebner Stolz

Der am 13. September 1938 in Appenweier geborene Eckart Ebner studierte Betriebswirtschaftslehre in Mannheim und arbeitete als Prüfungsleiter für die Schwäbische Treuhand Aktiengesellschaft (Schitag) in Stuttgart, aus der später das Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY Deutschland hervorging. Für die Schitag betreute er auch Großkunden wie den Chemieriesen BASF. Sein Herz aber schlug für den Mittelstand und die Unternehmer.

Mit dem Wechsel in die Selbständigkeit gab Ebner eine sichere Karriere in einem etablierten Unternehmen auf. Wie rasch und erfolgreich seine Kanzlei expandieren sollte, konnte damals niemand ahnen. „Das hätte auch ganz anders ausgehen können“, sagt Jenzen. Im Jahr 1976 nahm Ebner den Rechtsanwalt Hansjörg Stolz an Bord. Den meisten Menschen fällt Teilen schwer. Ebners Gedanke aber sei gewesen: Die Hälfte von Ebner Stolz ist mehr wert als 100 Prozent von Ebner.

Solidarität ist auch heute noch ein wichtiger Aspekt der Kultur des Unternehmens. Der Gewinn wird unter den Partnern nach Köpfen verteilt. Das unterscheide Ebner Stolz laut Jenzen von allen anderen Prüfern und Beratern. Zur Strategie gehöre es, trotz des starken Wachstums auf Dauer selbständig zu bleiben. Die Idee: Wer selbst Unternehmer ist, kann die Unternehmer aus dem Mittelstand glaubwürdig und auf Augenhöhe beraten. Daher sind Finanzbeteiligungen an Ebner Stolz kein Thema, obwohl Finanzinvestoren eine wichtige und geschätzte Kundengruppe für RSM Ebner Stolz sind.

Glaubwürdigkeit und Vertrauen einflussreicher Mandanten erwarb Ebner sich auch mit der Fähigkeit, komplizierte Situationen in Unternehmen in wenigen Sätzen prägnant zu beschreiben, wie sich Wolfgang Russ erinnert, einer der ganz frühen Partner von Ebner Stolz mit der Personalnummer 25. Prüfer und Berater müssten die Probleme eines Unternehmens verstehen, um deren Vertrauen zu gewinnen. Noch heute gehöre es zur Kernfähigkeit der Partner, selbständig Mandate zu gewinnen.

Obwohl Ebners Persönlichkeit die Werte des Unternehmens noch heute prägt, hat er sich nicht für unersetzlich gehalten. 1996 zog er sich aus der Partnerschaft zurück, weil er nicht bis zum bitteren Ende arbeiten wollte. „Ihr schafft das auch ohne mich“, sagte er in seiner Abschiedsrede. Er verstarb am 3. September im Alter von fast 88 Jahren in Stuttgart.